Die Galerie Urs Meile freut sich, narratief, die erste Ausstellung des Zürcher Künstlerduos Wiedemann/ Mettler in ihrer Galerie an der Rämistrasse in Zürich zu präsentieren. Die Ausstellung vereint Textilarbeiten und konstruierte Fotografie, die gemeinsam eine stille, bewusst entschleunigte Bildwelt kreieren. narratief lädt zum Innehalten ein und führt in eine introspektive Welt, bei der zwei parallele Systeme, so ungleich sie auf den ersten Blick erscheinen, zu einem überraschenden Ganzen führen.
Im Zentrum von narratief steht das Erzählen als unvollendeter Prozess. Der bewusst falsch geschriebene Titel verweist auf das Erzählen als fortwährende Suche und nicht als abgeschlossene Geschichte. In diesem Sinne präsentiert die Ausstellung keine linearen Narrative, sondern eröffnet Atmosphären, Spuren und Ausgangspunkte – Momente, in denen innere Bilder zu entstehen beginnen.
Die Samtarbeiten Wiedemann/Mettlers, die als stark volumige, raumgreifende Arbeiten in den Raum hineinragen und ihn so für sich beanspruchen, dominieren optisch durch ihre Tiefe und bringen durch die Haptik des geschmeidigen Samtstoffes einen materiellen Widerstand ins Spiel, der einen deutlichen Kontrast zu den gegenübergestellten Fotografien bildet. Samt absorbiert Licht - während die Fotografien es reflektieren – wobei die Bleichung auf den Samtarbeiten, welche durch das Auftragen von Chlorbleiche entsteht, deren Oberfläche unterbricht. Die so entstandenen Formen und Figuren erscheinen wie Abdrücke oder Nachbilder, die an Negativabzüge einer Filmrolle erinnern. Ähnliches geschieht bei den Fotografien. Diese wirken wie festgehaltene Momente kurz bevor oder kurz nachdem etwas geschehen ist. Sie sind sorgfältig inszenierte Schwellenräume, die weniger einen konkreten Ort beschreiben als vielmehr eine Erinnerung. Räume, in denen Realität und Imagination miteinander zu verschmelzen scheinen. Elemente wie Korridore, Ecken und Übergänge provozieren ein Zögern beim Betrachtenden, der ein paar Sekunden benötigt, um die Szene zu erfassen, ihre Ausrichtung zu verstehen und die darin vermittelte Körperlichkeit wahrzunehmen.
Beide Werkgruppen vermitteln zwei komplementäre Ideen von Innenräumen. Die Fotografien konstruieren Innenräume auf architektonische Weise, die vor allem über den Blick erschlossen werden. Die Samtarbeiten hingegen schaffen Innenräume auf eine emotionalere, intimere und körperlichere Art. Der Samt wirkt warm, nah und umhüllend, lädt geradezu zum Anfassen ein, während die Fotografien kühler und distanzierter erscheinen. Titel wie The soft boundary oder Quiet Invitation wirken dabei als subtile narrative Impulse: nicht als Beschreibungen, sondern als sanfte Hinweise, die Wege in erfundene Geschichten eröffnen. Wie die Künstler beschreiben, lassen sich die Titel als mögliche Anfänge, Gedanken oder Überschriften fiktiver Erzählungen verstehen – poetische Einstiegspunkte, die innerhalb der Ausstellung miteinander in Resonanz treten. Sie funktionieren wie Anweisungen für eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit oder Bewegung – nicht nur physische, sondern auch psychologische und geben Hinweise darauf, wie man sich dem Werk annähern kann. Dieser Ansatz erinnert an das Konzept des poetischen Bilddenkens, wie es der französische Philosoph Gaston Bachelard (1884–1962) formuliert hat, für den Räume und Formen zu resonanten Gefässen der Imagination werden. In narratief sprechen die Werke miteinander und übereinander, sie schichten Bedeutungen, ohne diese jemals festzuschreiben.
















