Die Galerie Hauser & Wirth Zürich zeigt ab Januar in ihren Räumen an der Limmatstrasse neue Skulpturen, phosphoreszierende Gemälde und Zeichnungen von Koo Jeog A. Mit dieser Ausstellung, die den Titel Kangse X trägt (der koreanische Begriff Kangse bedeutet «räumliche Stärke»), führt Koo Jeog A eine frühere Ausstellung fort: Odorama cities, die an der 60. Biennale von Venedig im südkoreanischen Pavillon zu sehen war und auf Koo Jeog As Animation Mysteriousss (2017) zurückgeht.
Koo Jeog As facettenreiches Werk vereint Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Film, Animation, Augmented Reality und Architektur mit Naturphänomenen wie Schwerkraft, elektromagnetischen Feldern und Phosphoreszenz zu alternativen geographischen und astralen Wirklichkeiten. Während die Werkschau in Zürich zwei zentrale Aspekte fokussiert – die räumliche Wahrnehmung, mit der sich Ko schon seit langem beschäftigt, und die Poesie von Koo Jeog As einzigartigem Universum präsentiert das Kunsthaus Bregenz Koo Jeog A in diesem Jahr mit der Einzelausstellung Land of ouss [gravitta].
In Zürich wird eine Serie neuer Bronze-Skulpturen zu sehen sein: Darstellungen der auf einem Zeh balancierenden, embryonalen Figur «Kangse», ein immer wiederkehrendes Thema, das Koo Jeog A bereits in zahlreichen Skulpturen, Animationen und Zeichnungen bearbeitet hat und das auch eine zentrale Rolle im koreanischen Pavillon der Biennale von Venedig (2024) und in der jüngsten Ausstellung im LUMA Arles spielte. Kangse schwebt oft – schelmisch und geheimnisvoll zugleich – durch einen unendlichen kosmischen «Leerraum», einen sogenannten Void. In diesem interstellaren Vakuum vollführt die Figur mit ihren Händen eine spekulative Geste, die auf die abstrakte Struktur einer diophantischen Gleichung und den Großen Fermatschen Satz verweist.
Das Thema Schwerelosigkeit ist ein zentraler Aspekt von Koo Jeog As künstlerischer Praxis und eng verknüpft mit dem Erforschen des Immateriellen und der Multidimensionalität. Eine weitere Skulptur, Density X (2025), «hängt» in einem Magnetfeld. Diese jüngste Ausführung einer langen Reihe von Werken, mit denen Koo Jeog A die herkömmliche Vorstellung von Raum und Materialität aufbricht, ist ein quasi schwebender Würfel, den Koo Jeog A auf verschiedene Weisen materialisiert: mit einer Zeichnung, einer Skulptur und durch Augmented Reality. Dagegen ermöglicht Lava X (2025) den Betrachtenden ein multisensorisches Erlebnis, denn dieses Werk gibt einen Duft in die Umgebung ab. Koo Jeog As Arbeiten integrieren schon seit 1996 Düfte, um zu erforschen, welchen Einfluss das olfaktorische Erleben auf die räumliche Wahrnehmung hat.
Daneben verwendet Koo Jeog A auch häufig andere immaterielle Elemente wie Licht, Temperatur und Klang. Im Zentrum von Koo Jeog As Arbeiten steht das Interesse an den unsichtbaren Kräften, welche die Wirklichkeit gestalten und dabei oft eine Brücke zwischen der irdischen Welt und dem Kosmos schlagen. Lichtwellen werden durch die Schwerkraft abgelenkt; Pflanzen reagieren auf Licht, indem sie blühen. Solche Verflechtungen verkörpert die Serie Seven stars, benannt nach den sieben klassischen Planeten: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Bei Tag betrachtet erscheinen diese Gemälde wie ruhige, minimalistische Kompositionen. In der Dunkelheit zeigen sie ein anderes Gesicht, denn ihre phosphoreszierenden Pigmente, die während des Tages Licht aufnehmen, erhellen nun als leuchtende, grüne Sterne die Leinwand und öffnen das Tor zu einer Parallelwelt, in eine andere Dimension. Sie bilden eine von Koo Jeog As Land of ousss genannte Kosmologie, in der sich Animation, Mathematik und räumliche Vorstellungskraft zu einem lebendigen Monument vereinen.



![SS GW [Seven stars - Gravitational waves] (detail), 2025. Mit freundlicher genehmigung der Galerie Hauser & Wirth](http://media.meer.com/attachments/93b7fcb2b10fb413a868e478ebf0caf03e609101/store/fill/410/615/8412186184a65637d0b2427bf9d0ef48212d8d0a7c2af67160de0b6f8380/SS-GW-Seven-stars-Gravitational-waves-detail-2025-Mit-freundlicher-genehmigung-der-Galerie.jpg)












