Obwohl sich Barry Flanagan (1941–2009) und Ursula Reuter Christiansen (geb. 1943) nie begegnet sind, kommen ihre Werke in der Ausstellung Fable and form zusammen. Hier haben sie einander – und uns – viel zu erzählen. Im Verlauf der Ausstellung entstehen Begegnungen zwischen Arbeiten, die derselben Welt oder Erzählung entsprungen sein könnten, denn beide Künstler verbindet eine Vorliebe für narrative Werke, bevölkert von eindrucksvollen, wilden und bisweilen widersprüchlichen Protagonisten – ob Mensch oder Tier. Im vorderen Teil der Ausstellung beschwört Reuter Christiansens großformatiges Gemälde The reservoir of evil eine Szene herauf, die von übernatürlichen, vogelartigen Figuren bewohnt wird. Während sie um einen dunklen, verfallenden Turm kreisen, scheinen ihre Schatten (Dänisch: skygger) den Hasen zu vertreiben, der auf der Turmglocke von Barry Flanagan sitzt (Harebell on Portland stone piers). Sein treuer Begleiter, ein großer Podenco-Hund, weist den Weg.
Etwas weiter hinten offenbaren gerahmte Zeichnungen, die Reuter Christiansen im Alter von siebzehn Jahren anfertigte, die Vorstellungskraft und den Einfallsreichtum der in Deutschland geborenen und in Dänemark lebenden Künstlerin. Sorgfältig bis an den Rand mit Details und Figuren aus einer unheimlichen Welt gefüllt, in der mythische Wesen ihr Unwesen treiben, laden diese Arbeiten auf Papier zu genauer Betrachtung ein. Als wäre eines dieser Wesen den Illustrationen entkommen und in den Ausstellungsraum eingetreten, bäumt sich Flanagans Lament in unmittelbarer Nähe auf. Der verdrehte Oberkörper lässt die hasenartige Figur so erscheinen, als bewege sie sich gleichzeitig vorwärts und rückwärts – als wolle sie uns zugleich umarmen und erschrecken.
Der zweite Teil der Ausstellung präsentiert weitere Höhepunkte aus dem Schaffen der beiden Künstler. Neben dem übergroßen, Cricket spielenden Hasen richtet sich die Aufmerksamkeit auch auf ein Werk, das zeigt, dass der irisch-walisische Flanagan über seine klassischen Bronzegüsse hinaus skulpturale Arbeiten geschaffen hat. Davon zeugt pdreeoo, eine verwelkte Frucht, geformt aus Gips und Stoff. In unmittelbarer Nähe hängt Reuter Christiansens Aquarell Whispering, in dem ein Kupfergefäß von belebten Geistern umgeben ist. Dieser Teil der Ausstellung vereint somit verschiedene Werke, die sich auf vielfältige Weise miteinander sehen und lesen lassen. Alles, was es braucht, ist ein wenig Vorstellungskraft und den notwendigen Raum, um der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.
















