Feelings of the season. Feelings of winter. Ein Geflecht aus verdichteter Zeit, stiller Intimität und kalter Luft, die in überheizte Räume dringt. Der Winter entfaltet sich ohne klare Grenze. Manchmal bricht er über Nacht ein, ein anderes Mal hält er sich wochenlang an der Schwelle.

Feelings of the season IV präsentiert Werke von Antonio Ballester Moreno, Mirko Baselgia, Lêna Bùi, Chen Sixin, Klodin Erb, Hu Qingyan, Miao Miao, Loredana Sperini, Rebekka Steiger, Ju Ting, Alice Wang und Wiedemann/Mettler. Zwölf Künstler:innen, zwölf Positionen. Keine Themenausstellung, sondern eine Zusammenstellung, die einer bestimmten Stimmung folgt. Jedes Werk steht für sich, und doch teilen alle eine gemeinsame Atmosphäre.

Manche Arbeiten wirken, als hätten sie sich in der Kälte verdichtet. Klodin Erbs Raketen-Bilder erinnern an vereiste Ikonen, kirchenähnliche Hybride aus Kristall. Jede ist nach einer realen Rakete benannt, als hielten sie den Atem an vor dem Start, was den statischen Bildern eine gedämpfte Bewegung verleiht. Erbs Nachtisch dagegen setzt eine Note festlicher Opulenz. Hybride Figuren treten als überreife Gaben hervor: teils Frucht, teils Fleisch, teils Ornament. Genuss und Verfall liegen eng beieinander, wie ein Festtisch, nachdem die Gäste gegangen sind: zerknüllte Servietten, etwas Süßes noch in der Luft. Alice Wangs Werke sind Nahaufnahmen, mikroskopisch und kosmisch zugleich. Ihre Meteoriten-Scans schimmern silbrig, wirken gesplittert, wie Eis, das sich gegen den Moment des Brechens stemmt. Lêna Bùis Seidenmalerien flackern zwischen Botanischem und Anatomischem. Sie wirken vom Rhythmus der Jahreszeit durchdrungen: verlangsamt, wachsam, nah. Wie der Winter selbst fordern sie Nähe und belohnen den geduldigen Blick. Miao Miaos Bäume sind ruhig und spröde. Dahinter Fenster und Wände, flachgedrückte Stadtschichten. Sie liegen in einer schwebenden Pause, eine Art Verdichtung von Erinnerung und Zeit. Rebekka Steigers Gemälde ruft eine nächtliche Szene hervor: zwei geisterhafte Reiter, die sich durch einen tiefblauen Himmel bewegen. Die Stimmung erinnert an eine frostige Winternacht. Die Palette ist eisig, aber pulsierend: Farbwaschungen flackern auf, während sich Pigmentschichten wie Wolkendecke oder kosmischer Staub absetzen.

Feelings of the season IV orientiert sich weniger am Winter als Motiv, sondern vielmehr daran, wie sich die Jahreszeit anfühlt. Wie Werke sich in einem Raum verhalten, wenn es draußen kalt ist.