Wir freuen uns, Sie auf A gush of wind (Atemraum), eine Einzelausstellung mit neuen Werken von Janaina Tschäpe in der Potsdamer Straße 77-87 in Berlin, hinzuweisen. Es ist ihre erste Ausstellung bei der Galerie Max Hetzler.
Im Laufe von drei Jahrzehnten hat Janaina Tschäpe eine multidisziplinäre Praxis entwickelt, die Malerei, Zeichnung, Fotografie, Performance, Videokunst, Skulptur, Wandmalerei und Installationen umfasst. In ihren Gemälden und Arbeiten auf Papier präsentiert die deutsch-brasilianische Künstlerin traumähnliche abstrakte Landschaften, die von Natur und Erinnerung geprägt sind. Gleichsam fließend und präzise spiegeln ihre Arbeiten in ihrer Universalität die verschiedenen Topografien wider, die die Künstlerin als ihre Heimat bezeichnet, von Deutschland über Brasilien bis hin zu den Vereinigten Staaten. Zusätzlich zu ihren ausgestellten Werken fertigt Tschäpe als Teil ihrer täglichen Praxis Zeichnungen und Skizzenbücher an, in denen sie ihre Eindrücke kontinuierlich auf Papier überträgt. Diese Skizzen dienen nicht nur als Grundlage für ihre Malerei, sondern auch als eigenständiges, ausdrucksstarkes Medium, mit dem sie die Grenzen zwischen Abstraktion und Narrativität auslotet.
In dieser Ausstellung wird im Erdgeschoss der Galerie eine Auswahl neuer großformatiger Leinwandgemälde präsentiert. Die mit Ölfarbe und Ölkreide ausgeführten organischen Formen scheinen mit der Bewegung von Wasser zu fließen. Die Künstlerin beschäftigt sich mit dem philosophischen Aspekt der Beobachtung und stellt die Frage, wie sich sinnliche Erfahrungen, Geräusche und Erinnerungen in abstrakte Darstellungen auf der Leinwand übersetzen lassen. Farben verlaufen und vermischen sich, als befänden sie sich in einem Zustand der Osmose, und werden durch locker gezeichnete Strukturen in Ölkreide ergänzt. Die Künstlerin vergleicht die daraus entstehenden verschiedenen Ebenen in ihren Gemälden mit dem Eindruck eines weichgezeichneten Himmels, wenn man ihn durch die silhouettenhaften Äste eines Baumes betrachtet. Neben der Natur, insbesondere dem Wasser und unserer Erfahrung damit, prägen auch Sprache in Form von gesprochenem Wort, Poesie und körperlichem Ausdruck einen großen Teil von Tschäpes Werk. Ihre Gemälde schaffen einen vielschichtigen, offenen, freien Fluss, anstatt einer aufgezwungenen Erzählung. Ähnlich wie bei einem Gespräch ermöglichen ihre Werke dem Betrachter, zwischen Hintergrund und Vordergrund, zwischen erster und letzter Schicht zu wechseln, wobei Pinselstriche und Gesten stets präsent und sichtbar bleiben. Tschäpe ruft fragmentarische Erinnerungen wach, anstatt eine strenge Architektur aufzuzwingen, und fängt Stimmungen in ihren Gemälden ein, die den Betrachter dazu anregen, seine eigene Interpretation hinzuzufügen. Die Titel ihrer Werke stammen aus Gedichten und literarischen Fragmenten und verweisen auf die intensive Auseinandersetzung der Künstlerin mit Text als schöpferischer Kraft. Als präzise Definitionen von Wörtern, die sich oft nicht zwischen Sprachen übersetzen lassen und daher als eigenständige Bedeutungen nebeneinander bestehen müssen, sind die Titel oft eine Mischung aus Portugiesisch, Englisch und Deutsch und eröffnen einen Zugang zur inneren Welt der Künstlerin.
Ausgangspunkt der aktuellen Ausstellung ist das großformatige Triptychon Me, as a landscape, 2025. Es wurde als ein Werk über drei separate, dicht nebeneinander hängende Leinwände gemalt. Das Gemälde überschreitet die Grenzen der einzelnen Leinwände und bildet aus der Summe seiner Teile ein harmonisches Ganzes. Als vollständig abstrakte Landschaft, definiert durch das horizontale Format und die organischen Formen, die an Pflanzen in einem Teich oder an einem Ufer erinnern, ähnelt das Triptychon den Seerosen von Claude Monet (1840–1926), die die Künstlerin bereits in ihrer Kindheit inspirierten.
Im Obergeschoss wird an einer Wand eine Auswahl von Arbeiten auf Papier gegenüber einem monumentalen Gemälde mit dem Titel Nostalgia de verão (summer craving), 2025, präsentiert. In diesen Werken, die überwiegend in Aquarell und Pastell gemalt sind, fungiert die Zeichnung als eine Form des Schreibens, als visuelle Inschrift, die die Strukturen der Sprache widerspiegelt. Dieser poetische Impuls bildet den Kern von Tschäpes Praxis: Ihre Gesten wirken wie Verse – elliptisch, offen, suggestiv – und laden zu einer subjektiven Lesart sowie zu einer vertrauten Begegnung ein.
















