Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, die Ausstellung Abstraction mit Malereien von André Butzer, Thilo Heinzmann und Victor Payares zu präsentieren. Zwei Jahre nach einer ähnlich konzipierten Ausstellung unter dem Titel Traces mit Arbeiten von Tamina Amadyar, Hinako Miyabayashi und Minh Lan Tran werden dabei erneut drei großformatige abstrakte Leinwandarbeiten verschiedener Künstler bzw. Künstlerinnen einander gegenübergestellt. Und wie zuvor ist jedem der gezeigten Gemälde ein ganzer Raum gewidmet.
Aber auch inhaltlich setzen sich die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ausstellungen fort. Während Traces sich kritisch mit dem Umstand beschäftigte, dass Malerei in Zeiten des Internets immer häufiger auf ihre Wirkung in der fotografischen Reproduktion ausgerichtet ist, hinterfragt Abstraction ein durchaus verwandtes Phänomen: Die Malerei erlebt aktuell ihren x-ten Frühling. Nicht allein auf Kunstmessen, auch in Ausstellungen in Galerien und Museen sowie auf Biennalen ist die vielfach totgesagte Disziplin derzeit wieder sehr präsent. Gleichzeitig lässt sich jedoch beobachten, dass es vor allem die figürliche Variante ist, die von dem Momentum profitiert, während die abstrakte Malerei, von einigen die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen, kaum erhöhte Aufmerksamkeit erfährt.
Fragt man sich nach dem Warum, so ist man leicht versucht, dies als schlichte Modeerscheinung abzutun, wie sie bekanntlich auch im Bereich der Kunst immer wieder vorkommt und im vorliegenden Fall wohl nicht zuletzt der wachsenden Bedeutung der sozialen Medien und der Vorliebe der dort wirksamen Algorithmen für klar identifizierbare Bildinhalte geschuldet sein dürfte. Ruft man sich allerdings wieder einmal ins Gedächtnis, dass die Abstraktion eine in ihren Ursprüngen genuin progressive Kunstströmung ist, die mit der Loslösung von der naturgetreuen Darstellung bzw. vom konkreten Gegenstand einen grundlegenden Beitrag zur ästhetischen Revolution der Moderne geleistet hat, und erinnert sich zudem daran, dass es namentlich die abstrakte Malerei ist, die historisch mit dem demokratischen Neuanfang in verschiedenen westlichen Ländern nach 1945, der Abkehr von Autoritarismus und Totalitarismus nach Vorbild und unter Ägide der damaligen USA in Verbindung steht, und sei es auch nur als von diesen zeitweilig gezielt gefördertes und propagandistisch instrumentalisiertes kulturelles Distinktionsmerkmal der „freien Welt“, dann liegt der Gedanke nahe, dass im Zweifel doch noch mehr dahintersteckt; und zwar ein gewisser Zeitgeist, der unmittelbar mit der Krise des Liberalismus zusammenhängt.
Abstraction versteht sich vor diesem Hintergrund als bewusst kontrazyklisches Unterfangen, als thematische Ausstellung, die in der Absicht, die ungebrochene internationale Relevanz abstrakter Malerei beispielhaft aufzuzeigen, ausgewählte Arbeiten von drei Künstlern zusammenbringt, die eher zufällig alle in Berlin ansässig sind. Selbst ohne die Beiträge zur Ausstellung Traces vor Augen, erweisen sich die einzelnen Positionen, was die verschiedenen künstlerischen Ansätze, Techniken, Referenzen, aber auch kulturell bedingten Einflüsse betrifft, als derart unterschiedlich und jeweils anders innovativ, dass sich trotz der überschaubaren Anzahl der ausgestellten Werke und deren gemeinsamer Nähe zur gestischen Form ein Eindruck von der lebendigen Vielfalt zeitgenössischer malerischer Abstraktion jenseits pseudomodernistischen Wanddekors vermittelt. Gleichwohl ist das Publikum nicht allein zur Auseinandersetzung im Sinne des individuellen wechselseitigen Austauschs mit den gezeigten Arbeiten und ihrer komparatistischen Betrachtung eingeladen, sondern auch zur Rückbesinnung auf einen größeren (kunst-) geschichtlichen Kontext sowie zum generellen Nachdenken über die Bedingtheiten und etwaigen Potentiale abstrakter Malerei heute.
















