Die signatur der natur (Nature’s signatures) vereint drei Einzelausstellungen, die jeweils von einer künstlerischen Position geprägt sind, die ihren Blick auf die stillen Wirkungsweisen der Natur richtet und nach den Spuren sucht, die sie gleichermaßen in der Erde wie im Geist hinterlässt. Denn die Natur trägt eine uralte Schrift in sich – nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit Licht, mit fließendem Wasser, mit Wachstum und Verfall – Zeichen, die von Ursprüngen, von Zyklen und von unsichtbaren Kräften flüstern, die alles Lebendige durchziehen.
Drei unterschiedliche künstlerische Sprachen antworten auf diese Schrift, und auch der Galerieraum selbst spiegelt dieses Sich-Entfalten wider.
Im oberen Stockwerk zeigt Modernizing nature von Zak van Biljon Landschaften, die durch nahinfrarotes Licht verwandelt sind und in denen vertraute Terrains in Farben aufleuchten, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleiben. Im unteren Stockwerk eröffnen sich zwei weitere Welten: Tom Kretschmers Meandering and aimlessly flowing is being alive, geprägt von Video- und analogen Installationen, sowie Samanta Malavasis Whisper of nature, in der monochrome Leinwände an die stillen Entsprechungen zwischen menschlichem Geist und den Formen der Natur erinnern.
Gemeinsam bilden diese drei Einzelausstellungen ein Gewebe von Visionen: leuchtende Landschaften, sichtbar gemacht durch unsichtbares Licht; Wasser, das seine Geschichten in Sand und Zeit einschreibt; und gemalte Felder, in denen organische Formen und innere Landschaften einander begegnen. In ihrer Gesamtheit wird Nature’s signatures zu einer Einladung, innezuhalten, zu schauen und sich daran zu erinnern, dass die Welt von unzähligen Händen geschrieben wird – einige sichtbar, viele unsichtbar – und dass ihre Zeichen für jene fortbestehen, die bereit sind, genau hinzusehen und aufmerksam zu lauschen.
Zak van Biljon — Modernizing nature
Von den sonnenbeschienenen Ebenen Südafrikas bis zu den vom Wind geformten Graten der Schweiz ist Zak van Biljon seit Langem dem stillen Ruf der Natur gefolgt. Sein Weg in die Alpen entsprang einer tiefen Zuneigung zu den Bergen – Orten, an denen Stein dem Himmel entgegenstrebt und an denen das Licht, durch die Höhe geschärft, die Landschaft mit außergewöhnlicher Klarheit offenbart. In diesen Höhen fand er ein Terrain, das gleichermaßen zu seinem Blick wie zu seiner Leidenschaft für das Klettern sprach.
Van Biljon arbeitet mit einem Handwerk, das von einer subtilen Art von Magie berührt ist: der Nahinfrarotfotografie, die Licht einfängt, das die sichtbare Welt verlässt und dennoch in der Luft verweilt. Mit modifizierten Vollspektrumkameras oder dem seltenen, legendären Kodak-Aerochrome-Film sammelt er Wellenlängen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Warme Orangefilter blenden einen Großteil des sichtbaren Spektrums aus und lassen das Nahinfrarot hervortreten.
Unter dieser veränderten Beleuchtung offenbart die Landschaft ein anderes Selbst. Vegetation leuchtet in glühenden Rosé-, Rot- und sanften Rotorangetönen, als sei sie von einem inneren Atem erhellt. Wälder und Berghänge gewinnen eine stille Fremdheit – vertraute Formen, berührt von einer Farbe, die im Wachzustand kaum je gesehen wird. Was hier sichtbar wird, ist keine Erfindung, sondern eine Offenlegung: die Welt, wie sie in einem anderen Register erscheint, geformt durch das lautlose Wirken von Chlorophyll und Sonne.
Doch diese Visionen sind nicht allein dem Staunen gewidmet. In einer Zeit, in der der Schein von Bildschirmen oft heller leuchtet als der Glanz der lebendigen Welt, möchte van Biljon Aufmerksamkeit neu entfachen – insbesondere bei jüngeren Generationen, deren Verbindung zur Natur zu verblassen droht. Indem er Landschaften in unerwarteten und zugleich fesselnden Tönen zeigt, ruft er ein Gefühl von Neugier und Ehrfurcht wach, das das moderne Leben allzu leicht abstumpfen lässt.
So wird Modernizing nature zugleich Enthüllung und Erinnerung: dass die Orte, die wir zu kennen glauben, ungeahnte Schönheiten bergen, und dass die Erde weiterhin in Wellenlängen spricht, die jene erreichen, die bereit sind, mit erneuerten und offenen Augen zu sehen.
Tom Kretschmer — Meandering and aimlessly flowing is being alive
Es gab eine Zeit, in der Tom Kretschmer mitten in der steinernen Dringlichkeit Berlins lebte – ausgebildet als Fotograf, geprägt als Grafikdesigner. Doch seine Aufmerksamkeit verlagerte sich allmählich auf leisere Fragen, auf Prozesse, die sich jenseits von Effizienz und Kontrolle entfalten. Angezogen von der lebendigen Intelligenz ökologischer Systeme wandte er sich dem Wald zu und studierte an der HNE Eberswalde dessen Rhythmen, Fragilitäten und widerstandsfähige Verflechtungen. Aus dieser Auseinandersetzung entwickelte sich eine Praxis, die Naturprozessen folgt und den Spuren nachgeht, die Zeit, Materie und Zufall hinterlassen.
Als treibende Kraft hinter Lieber analog bekennt sich Kretschmer zu analogen Verfahren, die Unvorhersehbarkeit und Präsenz zulassen. Licht, Wasser, Staub und Holz sind keine Werkzeuge, sondern Mitakteure – Phänomene, deren Verhalten sich nicht vollständig steuern lässt. Seine Arbeiten entstehen aus dem Setzen von Bedingungen, nicht aus dem Erzwingen von Formen, und erlauben es den Erscheinungen, sich durch Dauer und Abweichung selbst einzuschreiben.
Im Zentrum der Ausstellung steht das Mäandern: eine Bewegung, die sich biegt, zögert und neu ausrichtet. In seiner Videoarbeit formt Wasser durch kontinuierliche Anpassung ein sandiges Flussbett. Die entstehende Linie ist weder beliebig noch geradlinig; sie verkörpert eine stille Intelligenz, ein Gleichgewicht, das aus Reaktionsfähigkeit statt aus Kontrolle entsteht. Mäandern wird hier zu einem Zustand des Seins – zu einer Ethik der Aufmerksamkeit.
Innerhalb dieses Rahmens führt die fotografische Serie Atrium sacrum – Lebensräume im wandel in das Innere des Totholzes. Baumhöhlen erscheinen als sakrale Räume – archaische Gebilde, geformt von Käfern, Pilzen und Mikroorganismen. Gedämpftes, beinahe mystisches Licht verwandelt diese Hohlräume in Mikrokosmen, in denen Verfall und Erneuerung zugleich präsent sind. Sie markieren einen durchlässigen Grenzbereich zwischen Werden und Vergehen.
Die Installation Atrium lucis erweitert diese Untersuchung in den Raum. Durch eine Öffnung entsteht ein Fenster in eine verborgene Welt. Zerklüftete, gebirgsartige Landschaften und ein pulsierendes inneres Leuchten füllen die Tiefe mit Mehrdeutigkeit, während Bodennebel wie ein stiller Fluss durch die Szenerie mäandert. Licht, Schatten und Nebel beleben das Innere als lebendiges Terrain.
Gemeinsam feiern Atrium sacrum und Atrium lucis den ökologischen Kreislauf als sakralen Prozess. Aus Verfall entsteht neues Leben: Der Stamm wird zur Brutstätte, in der Larven, Pilze und Destruenten zukünftiges Wachstum nähren. Was sich entfaltet, ist eine Choreografie der Transformation – ein Tanz von Werden und Vergehen, eingeschrieben in Licht, Materie und Zeit.
Über Bewegtbild, Fotografie und Installation hinweg versteht sich Kretschmers Praxis als eine Form poetischer Biologie. Sie widersetzt sich linearen Erzählungen und bekennt sich zu Langsamkeit, Unregelmäßigkeit und der Demut analoger Prozesse. Meandering and aimlessly flowing is being alive lädt zu einer Haltung des Wahrnehmens ein – zu einem Verweilen an Schwellen, um die feinen Signaturen zu lesen, die die Natur hinterlässt.
Samanta Malavasi — Whisper of nature
Zwischen den stillen Ebenen von Modena und dem rastlosen, zeitgenössischen Puls Berlins folgt Samanta Malavasi jenen Spuren, an denen sich menschliche Erfahrung und Natur miteinander verweben. Auf ihren Leinwänden widmet sie sich den feinen Mustern, die sowohl in der Natur als auch im menschlichen Inneren entstehen, als lausche sie auf den leisen Faden, der beide verbindet.
Ihre monochromen Bildfelder entstehen langsam, wie Landschaften, die durch geduldige Erosion freigelegt werden. Jede Leinwand wird zu einem Analogon natürlicher Formen: der Verzweigung von Wurzeln, der Maserung von Holz, der Aderung von Blättern. Doch diese Anklänge sind keine Nachahmung. Sie entspringen der tieferen Erkenntnis, dass die Strukturen der Natur und die Strukturen menschlicher Emotion verwandten Rhythmen folgen. Die Muster, die in Rinde oder Stein eingeschrieben sind, spiegeln sich in den Wegen der Erinnerung, in der Verästelung des Denkens, in der stillen Geometrie von Verbindung.
Im Monochromen entdeckt sie Einheit. Ein einziger Farbton wird zum Sammelpunkt, zu einem Feld, in dem unzählige Variationen koexistieren. Jede Schicht trägt die feine Spur dessen, was ihr vorausging; jede Geste wird Teil einer wachsenden Konstellation. Schichtung ist hier nicht Anhäufung, sondern Gemeinschaft – ein leises Zeugnis dafür, wie Leben sich überlagern, berühren und fortbestehen.
Ihre Reisen im Rahmen von Künstlerresidenzen vertiefen diese Sensibilität. Von jedem Ort sammelt sie Spuren – Gesten, Zeichen, fragmentarische Geschichten –, die sich mit den bereits vorhandenen Elementen ihrer Arbeit verweben. Diese feinen Ergänzungen bilden Bedeutungsnetze, die zugleich intim und universell wirken und den fortwährenden Prozessen von Wachstum, Abtragung und Erneuerung in natürlichen Landschaften entsprechen.
Sie spricht von einem gemeinsamen Alphabet – einer Schrift, die nicht aus Worten besteht, sondern aus Eindrücken, die Menschen und die Welt, die sie bewohnen, teilen. In ihren Händen wird Malerei zu einer Form des Zuhörens, aufmerksam für die leisen Murmeln zwischen Natur und menschlichem Leben, zwischen dem Sichtbaren und dem Gefühlten.
In Whisper of nature bietet Malavasi Leinwände an, die sich wie stille Karten der Entsprechung entfalten – in denen die Texturen von Blättern den Wegen des Denkens zuflüstern und in denen jede Linie die einfache Wahrheit bekräftigt, dass alles Seiende, Sichtbare wie Unsichtbare, in dasselbe weite und uralte Muster eingebunden ist.
















