Seit mehr als vier Jahrzehnten entwickelt Catherine Goodman CBE eine unverwechselbare visuelle Sprache, um ihren persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen mit kraftvollen Bildern Ausdruck zu verleihen. Ihre neuesten, expressiven Gemälde sind jetzt in den Räumen von Hauser & Wirth Zürich in der Limmatstrasse zu sehen. Goodman hat für diese immersiven abstrakten Werke stark pigmentierte Ölfarben und Ölkreiden sowie unterschiedliche Techniken – Pinsel, Drip Painting und Lasuren – gewählt. Die zentrale Frage, der sie in ihren jüngsten Arbeiten nachspürt, zielt auf ein Paradox: Wie kann Malerei gleichzeitig Ruhe und Unruhe, Stille und Erschütterung, vermitteln?

Nachdem sie lange als Vertreterin der figurativen Malerei galt, hat sich Goodman in jüngerer Zeit der Abstraktion – als Ausdrucksmöglichkeit für Erinnerung, Wahrnehmung und Erfahrung – geöffnet. Für ihre Gemälde nutzt sie unterschiedlichste Inspirationsquellen: Gesprächsfetzen, flüchtige Beobachtungen, Landschaften, den Wandel der Jahreszeiten sowie ein breites Spektrum künstlerischer und kultureller Einflüsse aus den Bereichen Kunstgeschichte, Film und Musik. Verweise auf Vögel, Pferde, Porträts und Landschaften sind in der Ausstellung immer wieder zu entdecken und bewegen sich zwischen der emotionalen Welt der Kindheit der Künstlerin und den Realitäten der Gegenwart.

Im Zentrum der Ausstellung steht das neue grossformatige Dyptichon Jokerman (2026), das die Künstlerin nach ihrem Lieblingssong von Bob Dylan benannt hat. Der Jokerman erscheint als allgegenwärtige, disruptive Präsenz, die sich vor ruhigeren Themen abzeichnet. Er steht für die Unberechenbarkeit, die Goodman sowohl im Leben als auch in ihrem Schaffensprozess erfahren hat. Zugleich zeugen ihre Werke davon, dass die Malerei eine Möglichkeit bietet, mit dieser Ungewissheit umzugehen und inmitten von Umbrüchen Augenblicke der Stille zu finden.

In Goodmans künstlerischer Praxis hat die Poesie schon seit langem einen zentralen Platz. Die Künstlerin beginnt den Tag oft mit der Lektüre eines Gedichts und beschreibt Poesie als eine «visuelle Pforte» zur Imagination und Gegenstände in einem neuen Licht erscheinen lässt: «[Rainer Maria] Rilke führt mich in die Landschaft, an der ich arbeite, als sähe ich sie zum ersten Mal.»

Und so entstammen die Titel der beiden Gemälde Say to the silent Earth: I flow. (2006) (Zu der stillen Erde sag: Ich rinne.) und To the rushing water, speak: I am. (2006) (Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.) aus Rilkes Gedicht Stiller freund der vielen fernen, fühle (auf English als Let this darkness be a bell tower bekannt), einer Meditation über die Verwandlung von Leid in Resilienz und Sinn.

Eine weitere Gruppe von Gemälden bezieht ihre Inspiration aus den Schriften des Dominikaners, Theologen und Philosophen Meister Eckhart. Von seinen Gedanken zur mystischen Einfachheit, die er im 13. Jahrhundert niederschrieb, lässt sich die Künstlerin schon seit langem leiten.

In der Abstraktion kann Goodman ihr wachsendes Interesse an der Ungewissheit reflektieren. Sie erklärt dies so: «Die Abstraktion ermöglicht mir, Themen freier und intuitiver zu erforschen, weil ich nicht zu einer erkennbaren bildlichen Darstellung zurückkehren muss. Das ist typisch für unseren Umgang mit der Welt, unserem inneren und äusseren (Er-) Leben und dafür, wie das Gedächtnis unsere Wahrnehmung beeinflusst.»

The colour of a quiet mind… zeigt, wie die Künstlerin kontinuierlich das Themenspektrum der Malerei und die Widersprüche, die diese zulässt – Erinnerung und Gegenwart, Störungen und Stille, Verletzbarkeit und Hoffnung – erweitert.