Mit der Ausstellung Norbert Schwontkowski Der erfinder der tricolore freut sich Contemporary Fine Arts Basel auf eine Präsentation eines der wichtigsten Maler im deutschsprachigen Raum, dessen Einfluss als «painter’s painter» sich international bei Generationen von KünstlerInnen etabliert hat. Mit dieser Ausstellung ist das Werk des Künstlers erstmals in unseren Basler Galerieräumen zu sehen. Norbert Schwontkowski wurde seit 2004 von die Galerie vertreten und vertritt seit dessen frühen Tod 2013 seinen Nachlass.
Norbert Schwontkowski (1949–2013) war lange Zeit für seine erdigen, zurückhaltenden Farben bekannt. Erst spät in seinem Leben verwendete er teilweise leuchtende Farben. Er arbeitete zunächst mit günstigen Materialien, mischte Pigmente mit Leinöl und anderen Stoffen und experimentierte unter anderem mit Metalloxiden, deren chemische Reaktionen die Farben auf unvorhersehbare Weise veränderten. So ließ Schwontkowski auch bewusst die Komponente des Zufalls in seinen Malprozess einfließen.
Aus den anfangs sumpfigen Bildgründen entwickeln sich, nass in nass gemalt, kulissenhafte Landschaften, Figuren und Gegenstände – «Dreamscapes», die das Fantastische und das Alltägliche verbinden. Wiederkehrende Motive wie Hotels, Bahnhöfe oder Schiffe, verweisen auf Aufbruch, Fernweh und Liminalität, während verlassene Orte und undefinierte Landschaften eine Ahnung von Vergänglichkeit und Nostalgie vermitteln. Die Arbeiten werden gleichzeitg von einer Leichtigkeit und einem lakonischen Humor begleitet, die sich auch in Schwontkowskis Titeln widerspiegeln und ihn als Person charakterisieren.
Die Ausstellung vereint 14 Bilder aus unterschiedlichen Schaffensphasen des Künstlers, die sich seit vielen Jahren in Privatbesitz in der Schweiz und in Deutschland befinden. Das titelgebende Werk Der erfinder der tricolore (2009) wurde 2013, kurz vor seinem Tod, in der umfangreichen Einzelausstellung Blind Man’s Faith im Kunstverein Hamburg gezeigt.
In United (2004) liegt ein Flugzeugwrack zwischen Birkenstämmen in einer kargen, menschenleeren Landschaft. Am Überbleibsel des Rumpfes ist der Schriftzug der amerikanischen Fluglinie United zu erkennen. Das Bild entstand drei Jahre nach dem Angriff auf das New Yorker World Trade Center und dem folgenden fatalen «War on terror». Es gibt damit exemplarisch Hinweis auf einen Maler, der zwar nicht offensiv politisch Stellung nahm, dessen Schaffen sich aber explizit nicht im politisch gesellschafts historischen Vakuum entwickelte. Auf symbolischer Ebene könnte es das Bild einer gescheiterten Reise oder einer gescheiterten Hoffnung sein. Das Werk wurde gemeinsam mit der gegenüberliegenden Arbeit Video (2001) in seiner umfassenden Einzelausstellung Kino 2004 in der Kunsthalle Bremen gezeigt.
Schwontkowski wuchs im Bremer Stadtteil Blumenthal in einer religiösen Familie im bildreichen Katholizismus auf. Ein Gefühl, das ihn stets begleitete, sei die Sehnsucht nach der Ferne gewesen. Maritime Motive, die sich immer wieder in seinem Schaffen zeigten, spiegelten dies wider. Er unternahm monatelange Reisen, verbrachte längere Aufenthalte in Asien und Australien, kehrte jedoch immer wieder zu seinem Lebens- und Arbeitsmittelpunkt zwischen Bremen und Berlin zurück.
Von 1991 bis 2001 unterrichtete Schwontkowski an der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig, gefolgt von einer Professur an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg von 2005 bis 2009.
Dem Künstler wurden zahlreiche institutionelle Retrospektiven gewidmet, darunter Three by chance in der Kunsthalle Bremen (2024) sowie die im Jahr 2019 im Kunstmuseum Bonn (2019) debütierende Ausstellung Some of my secrets, die ebenfalls in der Kunsthalle Bremen (2020) und später im Kunstmuseum Den Haag (2020) unter dem Titel Everyone wants to go home gezeigt wurde. Schwontkowki bestritt weitere wichtige Einzelausstellungen im Kolumba Museum Köln (2013), im Kunstverein Hamburg (2013), in der Rubell Family Collection in Miami (2006), in den Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus (2005), in der Kunsthalle Erfurt (2005) und in der Kunsthalle Bremen (2004). Im Jahre 2006 nahm er an der gefeierten 4. Berliner Biennale Of mice and men, kuratiert von Maurizio Cattelan, Ali Subotnick und Massimiliano Gioni.
















