In der konstruktiv-konkreten Kunst wurde der menschliche Körper als Thema oder Element der Kunstproduktion weitestgehend ausgeblendet. Im Fokus stand die Autonomie der bildnerischen Mittel Linie, Farbe und Fläche – figürliche Darstellungen galten als illusionistisch und beliebig. Die Gruppenausstellung The body within abstraction im Museum Haus Konstruktiv unterzieht diese gängige Lesart einer lustvoll-kritischen Hinterfragung: Acht international renommierte Künstler:innen zeigen, wie der Körper zugleich Masseinheit und thematische Grundlage minimalistisch reduzierter, nicht-figurativer Kunst sein kann.
Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Dóra Maurer, Bruce Nauman, Steven Parrino, Chiharu Shiota und Franz West. Die Ausstellung vereint grosse Namen – und markiert zudem eine Premiere: Zum ersten Mal seit dem Umzug ins Löwenbräukunst-Areal bespielt das Museum Haus Konstruktiv alle neuen Ausstellungsräume – Ost- und Westtrakt – in einer gemeinsamen Präsentation. Mit dieser prominent besetzten Schau feiert das Museum sein 40-jähriges Jubiläum.
Ausgangspunkt ist Dóra Maurers Filmarbeit Proportions (1979) aus der museumseigenen Sammlung, eine Arbeit, in der die Künstlerin systematisch die Proportionen ihres eigenen Körpers vermisst.
Bruce Nauman macht diese Grundidee besonders unmittelbar erfahrbar: Seine Arbeit Body pressure (1974) fordert Besucher:innen auf, den eigenen Körper gegen eine Wand zu drücken und bewusst die Kontaktpunkte zwischen Körper und Wand wahrzunehmen. Skulptur wird damit zu etwas selbst Erlebtem, und sie existiert einzig in dieser Erfahrung. In der Videoperformance Dance or exercise on the perimeter of a square (1967/68) wird eine einfache geometrische Form zum Zentrum einer physischen Belastungsprobe.
Heidi Buchers Bodyshells (1972, Repliken 2024) sind vier aus Schaumstoff geformte, mit Perlmuttfarbe bemalte und als Körperhüllen tragbare Objekte. 1972 waren sie Teil einer gefilmten Performance in Venice Beach: Tastend und schwerfällig bewegten sich die voluminösen, an Meereswesen und Sci-Fi-Kreaturen erinnernden Formen vom Pazifik auf den Strand zu. Zur Ausstellungseröffnung im Museum Haus Konstruktiv werden die Bodyshells erstmals in der Schweiz performt und am 18. Dezember 2026, im Rahmen des 40-jährigen Museumsjubiläums, erneut in Bewegung gesetzt.
Steven Parrino, in den 1980er- und 90er-Jahren nicht nur bildender Künstler, sondern auch Musiker der New Yorker Szene, übertrug Rhythmus und physische Energie direkt auf die Leinwand: Er spannte sie, zerknitterte sie, setzte sie unter Druck. In Push up – pull down – push up – pull down (1987) wird die monochrome schwarze Leinwand zum Schauplatz einer körperlichen Handlung, immer nah an der Zerstörung.
Weitere Positionen der Ausstellung – von Franz Wests tragbaren Passstücken über Chiharu Shiotas raumfüllende Fadeninstallation Endless connections bis zu Kimsoojas textilen Bottari und Eva Fàbregas’ aus Latex gefertigten Exudates – zeigen exemplarisch, wie Körperlichkeit in abstrakter Kunst zum Ausdruck kommen kann, ohne Abbild, ohne Illusion.
















