Sometimes a straight line has to be crooked (Eine gerade Linie muss manchmal krumm sein), die am Zurich Art Weekend 2026 eröffnet, ist die erste Ausstellung in Europa, die das Werk des gefeierten Künstlers Henry Taylor gemeinsam mit Werken seines Lehrers, des kalifornischen Modernisten James Jarvaise (1924–2015) zeigt. Es ist besonders bedeutsam, dass Taylors erste Ausstellung bei Hauser & Wirth in Zürich im Dialog mit Jarvaise stattfindet – jenem Künstler, der in den 1980er-Jahren das besondere Talent des damaligen Kunststudenten Taylor erkannte. Die Ausstellung fällt zeitlich mit Taylors grosser Einzelausstellung im Musée national Picasso-Paris, die am 8. April 2026 eröffnet wurde, zusammen.
Die zuvor bei Hauser & Wirth Los Angeles gezeigten Werke umspannen mehr als sieben Jahrzehnte und sind Zeugnis der Auseinandersetzung beider Künstler sowohl mit der figürlichen Darstellung als auch mit der Komposition von Landschaften. Zu sehen sind Gemälde und Zeichnungen aus Jarvaises Hudson river school-Serie, die 1959, zusammen mit Arbeiten weiterer Nachwuchskünstler wie Jay DeFeo, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Frank Stella, im Rahmen der berühmten Ausstellung Sixteen Americans im Museum of Modern Art in New York vorgestellt wurden. Diesen historisch bedeutenden Arbeiten werden zusammen mit modernistischen Collagen aus den 1950er-Jahren sowie figurativen Gemälden aus den 1960erJahren präsentiert, die von Henry Taylor selbst ausgewählt wurden. Taylors eigenes Werk ist mit 40 Gemälden aus mehr als drei Jahrzehnten mit einem Schwerpunkt auf Porträts von Freunden, Familienangehörigen und Fremden, Figurenstudien, urbane Szenen und Landschaftsdarstellungen vertreten.
Henry Taylor schreibt James Jarvaise zu, sein künstlerisches Talent Anfang der 1980er-Jahre als Erster erkannt zu haben. Damals verdiente Taylor seinen Lebensunterhalt als psychiatrischer Krankenpfleger im Camarillo State Mental Hospital, während er sich am Oxnard College in mehreren Fächern weiterbildete, darunter Journalismus, Kulturanthropologie sowie Planung und Gestaltung von Filmsets. Dort war er Schüler bei Jarvaise, der ihn mit den Arbeiten von Max Beckmann, Jean Dubuffet, Philip Guston, Cy Twombly und anderen, Taylor bis dahin völlig unbekannten Modernisten, vertraut machte. Der Titel der Ausstellung geht auf einen Rat zurück, den Jarvaise seinem Studenten gab. Es sind die Worte eines prägenden Lehrers, der Taylor viel über die Komposition eines Gemäldes mit künstlerischer Integrität beibrachte.
In der Ausstellung treten die Arbeiten von Jarvaise und Taylor in einen klaren Dialog miteinander. Jarvaises Werke aus der Hudson River School-Serie zeigen eine ähnliche Sensibilität wie Taylors Landschaftsbilder und finden in diesen eine auffallende Resonanz. Der Titel Sometimes a straight line has to be crooked stellt Verbindungen zwischen Jarvaise und Taylor auf formaler Ebene her und ist Ausdruck einer beiden gemeinsamen, zeitlosen Energie. Die hier gezeigten Werke werfen ein Schlaglicht auf das beiden Künstlern eigene Konzept, flache Formen mehrfach zu überlagern, so dass ihre Bilder zwischen Figuration und Abstraktion oszillieren, und auf ihr Talent bei der Verwendung ungewöhnlicher oder starker Farben, gerader Horizonte und geschwungener Linien.
















