Die Galerie Eva Presenhuber präsentiert die achte Einzelausstellung von Josh Smith (g. 1976) in Zürich. Als einer der prägenden Maler seiner Generation entwickelt Smith seit über zwei Jahrzehnten ein vielschichtiges Œuvre, das sich durch Serialität, Wiederholung und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Malerei auszeichnet. Im Zentrum der Ausstellung steht der aktuelle Werkzyklus Destiny (2025), der die Figur des Grim reaper (Sensenmann) motivisch ins Zentrum rückt und historische Bildtraditionen mit einer zeitgenössischen Bildsprache verbindet. Ergänzt werden die neuen Arbeiten durch Gemälde aus dem Jahr 2024 sowie Monotypien, Öl-auf-Papier-Arbeiten und Schmuckobjekte. Parallel zeigt die Galerie eine konzentrierte Präsentation mit Werken von Dieter Roth, dessen künstlerische Haltung für Smith seit langem eine wichtige Referenz darstellt.
Im Zentrum des Werkzyklus Destiny (2025) steht die Figur des Grim Reaper (Sensenmann), die englische Bezeichnung für die seit dem Spätmittelalter verbreitete Personifikation des Todes mit Sense. Ihr Attribut verweist auf die Vorstellung, der Tod «ernte» symbolisch die Menschen wie reifes Getreide – ein Bild, das seinen Ursprung in der Landwirtschaft hat. Seit Jahrhunderten gehört der Sensenmann zu den beständigen Bildfiguren der westlichen Kunst- und Kulturgeschichte – als Verkörperung des Todes, als Memento mori oder als Protagonist des Totentanzes. Smith löst diese ikonografische Tradition aus ihrem historischen Zusammenhang und versetzt sie in die urbane Gegenwart. Sein Grim Reaper fährt Fahrrad, bewegt sich durch die Strassen New Yorks oder begegnet uns wie eine beiläufige Erscheinung des Alltags. Gleichzeitig verweist die Figur auf ihre heutige Präsenz innerhalb von Skate-, Punk- und Tattoo-Kultur sowie auf eine visuelle Popkultur, in der der Tod längst zu einer ebenso vertrauten wie ambivalenten Ikone geworden ist. Zwischen kunsthistorischer Allegorie und zeitgenössischer Bildkultur oszilliert der Grim Reaper zwischen existenzieller Symbolik und popkultureller Figur. Gerade diese Ambivalenz verleiht den Bildern ihre eigentümliche Spannung.
Den Ausgangspunkt vieler Gemälde bilden fotografische Vorstudien, die Josh Smith digital zu vielschichtigen Kompositionen collagiert und anschliessend malerisch übersetzt. Im Malprozess werden diese Vorlagen nicht einfach reproduziert, sondern durch Überlagerungen, Verschiebungen und sichtbare Pinselzüge weiterentwickelt. In ihrer gestischen Unmittelbarkeit steht Smiths Malerei in der Tradition einer expressiven figurativen Moderne, entwickelt diese jedoch konsequent aus einer zeitgenössischen Bildwelt heraus weiter. Überarbeitungen und bewusste Brüche verleihen den Bildern ihre körperliche Präsenz und ihren unverwechselbaren expressiven Duktus. So entsteht eine Malerei, in der konzeptionelle Präzision und gestische Unmittelbarkeit eine ebenso spannungsreiche wie charakteristische Einheit bilden.
Neben den Destiny-Gemälden zeigt die Ausstellung eine Auswahl von Arbeiten aus dem Jahr 2024, deren Malerei teilweise einen ausgeprägt druckgrafischen Charakter besitzt. Stempel und Schablonen werden dabei zu malerischen Werkzeugen und stellen eine unmittelbare Verbindung zu Smiths umfangreichem grafischem Werk her. Die Grenzen zwischen Malerei und Druckgrafik werden dadurch bewusst durchlässig: Verfahren der Vervielfältigung und Wiederholung werden in die Herstellung des einzelnen Gemäldes übertragen. Dieser Austausch zwischen den Medien setzt sich in den gezeigten Monotypien und Öl-auf-Papier-Arbeiten fort. Sie greifen teilweise Motive aus Destiny, aber auch wiederkehrende Motive wie Palmen auf und machen sichtbar, wie Smith Bildideen zwischen unterschiedlichen Techniken und Bildträgern zirkulieren lässt.
Wiederholung und Serialität bilden zentrale Prinzipien von Smiths künstlerischer Praxis. Seit den frühen Gemälden, in denen er seinen eigenen Namen zum Bildmotiv machte, bis hin zu Palmen, Fischen oder Skeletten kehren bestimmte Motive und Verfahren in unterschiedlichen Werkgruppen immer wieder zurück. Diese Wiederholung dient jedoch nicht der Wiedererkennbarkeit einer unverwechselbaren Bildsprache, sondern bildet die Grundlage eines fortlaufenden malerischen Experiments. Jedes Bild versteht sich als eigenständige Auseinandersetzung mit Motiv, Farbe, Komposition und Geste. Die Serie beschreibt deshalb keine Abfolge nahezu identischer Bilder, sondern einen offenen Prozess, in dem jedes Gemälde neue Möglichkeiten der Malerei erprobt.
Mit den Stage paintings erweitert Smith die Malerei in den Raum. Die Leinwand wird Teil einer bühnenartigen Inszenierung, in der Bild und Präsentation untrennbar miteinander verbunden sind. Motivisch knüpfen die Arbeiten an jene Werkgruppe an, in der Smith über Jahre hinweg immer wieder seinen eigenen Namen malte. Indem dieses wiederkehrende Motiv nun den Ausstellungsraum selbst besetzt, reflektieren die Stage paintings Fragen von Autorenschaft, Wiederholung und Identität. Eine Vitrine mit Schmuckarbeiten erweitert die Ausstellung um eine weitere Facette seines künstlerischen Schaffens und unterstreicht zugleich die Offenheit einer Praxis, die sich nicht auf das Medium der Malerei beschränkt.
Die Parallelität der Ausstellung mit Dieter Roth verweist weniger auf formale Gemeinsamkeiten als auf ein gemeinsames Verständnis von Kunst. Beide Künstler begreifen Wiederholung nicht als Wiederholung des Gleichen, sondern als produktive Methode, in der jedes Werk neue Differenzen hervorbringt. Bei Roth wie bei Smith wird künstlerische Praxis so zu einem fortlaufenden Prozess: Motive, Materialien und Verfahren werden aufgenommen, variiert und erneut befragt. Gerade in dieser Beharrlichkeit des Wiederholens liegt die Möglichkeit, immer wieder etwas anderes hervorzubringen.
(Text von Dr. Raphael Gygax)
















