Die Galerie Urs Meile freut sich, mit Holding things together die erste Einzelausstellung der Schweizer Künstlerin Loredana Sperini (geb. 1970 in Wattwil, Schweiz) bei der Galerie Urs Meile zu präsentieren. Die Ausstellung zeigt neue Arbeiten, darunter Metallmobiles mit hängenden Keramikformen, skulpturale Interventionen, Textilkompositionen und mit Wachs überzogene Zementplatten. Diese Vielfalt an Materialien und Techniken spiegelt Sperinis langjährige Praxis wider, Methoden aus verschiedenen Medien aufzugreifen, zu kombinieren und zu adaptieren. Der Körper ist eine wiederkehrende Präsenz, auch wenn er selten als vollständige Figur erscheint. Er zeigt sich durch Fragmente oder abstrakte Formen, deren Proportionen und Konturen auf körperliche Merkmale hindeuten. Diese Bewegung zwischen Figuration und Abstraktion erstreckt sich auch auf die physikalischen Eigenschaften der Werke selbst. Sperini stellt oft konventionelle Vorstellungen, wie Dinge auszusehen oder sich zu verhalten haben, in Frage: Harte Oberflächen wirken zerbrechlich, während weiche Oberflächen zu tragenden Strukturen werden.

In den beiden Mobiles Holding things together 01 und 02 (2026) lässt die Künstlerin keramische Formen an den Armen schlanker, von der Decke hängender Metallkonstruktionen schweben. Im ersten Werk bilden sich braune, zu einem Gewirr gewundene Stränge, denen eine zum Boden hin ragende, längliche Form als Gegengewicht dient, an deren Seite sich blaue Wolle zusammenballt. Einen Arm weiter oben hängt ein dunkler Stapel glasierter Keramiken gegenüber einem mit Wolle gefüllten, hausartigen Volumen. Holding Things Together 02 ist in seiner Farbpalette zurückhaltender: Schwarze Formen mit einem feucht wirkenden Schimmer wirken eher hochgezogen als frei hängend. Während das eine Mobile sein Gewicht durch Farbe, Fasern und exzentrische Formen verteilt, macht das andere das Gewicht der Keramik fast unmöglich zu übersehen. In beiden Fällen beruht das Gleichgewicht auf einem ständigen Ausgleich von Kräften: Entfernt man ein Gewicht oder geht schnell genug daran vorbei, sodass ein Luftzug entsteht, muss sich die gesamte Anordnung neu ausrichten.

Der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott verwendete den Begriff „Holding“, um das physische und psychische Umfeld zu beschreiben, das eine Bezugsperson einem Säugling bietet: ein ausreichend stabiles und reaktionsfähiges Umfeld, in dem das Kind existieren kann, ohne sich allein der Welt stellen zu müssen, und in dem es fähig wird, aus dieser Umarmung herauszuwachsen, anstatt von ihr abhängig zu bleiben. Sperinis Mobiles verkörpern durch Keramik und Metall, Gewicht und Aufhängung eine vergleichbare Form des „Haltens“. Jedes Einzelstück kann sich gerade deshalb bewegen, weil die anderen es halten und sich mit ihm bewegen, wobei sich das Gleichgewicht in einer Art eingespieltem Vertrauen neu einstellt. Die Künstlerin hat diese Werke mit „zerbrechlichen Gemeinschaften“ verglichen. Ihre Zerbrechlichkeit liegt nicht in erster Linie in den Materialien selbst begründet (Keramik kann schliesslich hart sein), sondern in den Beziehungen, die sie in der Schwebe halten, und in der Unmöglichkeit, dass ein einzelnes Gewicht ganz für sich alleinsteht. Dieser Zustand hat etwas zutiefst Soziales an sich: Körper, die sich eine Struktur teilen, eine Gemeinschaft, die nur so lange besteht, wie ihre Mitglieder sich gegenseitig stützen.

Aus der Schwebe kehrt das Halten zurück zum Körper. Zwei Stühle und ein Hocker (jeweils Untitled, 2026), verändert durch das, was ihren Sitz einnimmt, sind in der Ausstellung verteilt: Auf einem thront ein spitzes Haus, auf einem anderen eine Figur, die Wollbündel umklammert, während ein dritter Fragmente eines keramischen Körpers beherbergt, die über einen Spiegel gelegt sind. Sowohl Stühle als auch Hocker sind dafür konzipiert, das Gewicht eines Körpers zu tragen, doch ein Stuhl leistet noch mehr: Seine Rückenlehne gibt diesem Körper eine Position und eine Richtung vor. Er stützt und orientiert. In Sperinis Werken lösen sich diese beiden Funktionen jedoch voneinander. Auf einem Stuhl sitzt ein keramisches Haus, dessen dunkle Wände ein ebenso dunkles Inneres umschliessen. Stühle halten Körper, indem sie sie stützen; Häuser halten Körper, indem sie sie umschliessen: Sperini stellt eine Form des Haltens auf die andere. Beide organisieren ein Innen gegenüber einem Aussen; beide bieten Schutz; beide können aber auch einengen. Doch wo einem sitzenden Körper eine Richtung vorgegeben würde, verweigert das Haus dies. Es sitzt, ohne zu sitzen. Der Stuhl kann sein Gewicht tragen, kann ihm aber nicht vorschreiben, in welche Richtung es blicken soll. Das Halten ist erfüllt. Die Orientierung kann nirgendwohin führen und kommt zum Stillstand. Auf dem Hocker sammelt eine gekrümmte Gestalt Bündel aus weicher Wolle in ihren Armen. Ohne eine Rückenlehne, die eine Richtung vorgibt, erfüllt der Hocker die grundlegendere Funktion der Stütze: Er hält die Gestalt, und die Gestalt hält wiederum die Fasern – Holding things together, ganz wohlgeordnet, nur dass die Geste selbst alles andere als geordnet ist. Was wie eine wiegende Bewegung aussieht, könnte auch ein Festhalten sein.

Aus dem Halten wird sehr leicht ein Festhalten. Fürsorge und Besitz nehmen unangenehm ähnliche Haltungen ein, und von aussen betrachtet kann der Unterschied eine Frage der Spannung sein. Die Figur schmiegt sich um das, was sie trägt; der Haltende und der Gehaltene nehmen gegenseitig Gestalt an, bis nicht mehr klar ist, ob der eine den anderen lediglich stützt oder ob jeder für die Haltung beider notwendig geworden ist. Im dritten Werk liegen eine keramische Hand und ein Fuss über einem Spiegel, der in die Sitzfläche des Stuhls eingelassen ist. Der Körper ist endlich erkennbar und gerade deshalb auffallend unvollständig. Wenn sich jemand nähert, lässt der Spiegel eine lebendige Präsenz erscheinen, die nur als Spiegelbild sichtbar wird. Mehrere Körper nehmen nun denselben Ort ein: der abwesende, der bereits in die Proportionen des Stuhls eingebaut ist; der keramische, materiell präsent, aber fragmentiert; und der des Besuchers, der nur als Spiegelbild erscheint. Der Spiegel hält perfekt und behält nichts zurück. Für einen Moment jedoch gibt er Orientierung. Der Betrachter kommt näher, um zu schauen, und findet sich inmitten der Fragmente im Werk wieder. Dann bewegt er sich, und die Anordnung verliert ihn aus den Augen.

Die Ausstellung umfasst auch Werke, die an den Wänden platziert sind. In ihnen setzt Sperini ihre Auseinandersetzung mit Materialien fort, indem sie untersucht, wozu diese befähigt sind und wozu nicht – und das innerhalb des begrenzten Formats der Bildfläche. Auf rechteckigen Tafeln werden Schichten aus farbigem Wachs auf Zement aufgetragen, wodurch das Gewicht und die Starrheit des Trägers mit der weicheren und formbareren Oberfläche der Enkaustikmalerei in Kontakt gebracht werden. Textilien, die an anderer Stelle verwickelt oder gebündelt sind, werden nun in zwei Dimensionen komprimiert. In einer Serie quadratischer Arbeiten werden Baumwolle, Leder und andere Fasern zu Kompositionen angeordnet, die die Künstlerin mit Tagebuchseiten vergleicht: schnell zusammengestellte Aufzeichnungen eines bestimmten Augenblicks, in die gelegentlich Früchte, Blätter und andere von draussen gesammelte Fragmente einfliessen. Diese Werke werden dann im wahrsten Sinne des Wortes „aufbewahrt“: hinter Glas und in einem Rahmen fixiert, so wie eine gepresste Blume aufbewahrt wird.

Einem anderen Rhythmus zugehörig ist ein farbenfroher Quilt, ein grosses Textilwerk, das allmählich entstand, indem einzelne Abschnitte hinzugefügt, festgenäht, neu angeordnet und überarbeitet wurden. Während die kleineren Textilarbeiten die Unmittelbarkeit eines einzelnen Augenblicks einfangen, verkörpert der Quilt eine Anhäufung – verschiedene zeitliche Ebenen, denen es gestattet ist, dieselbe Fläche einzunehmen. Quilts begleiten die Menschen schon seit langem durch die verschiedenen Lebensabschnitte. Sie reisten mit den Menschen, die ihr Zuhause verliessen, wurden von Hand zu Hand weitergereicht und waren schliesslich kaum noch von jenen zu trennen, die sie hergestellt, repariert oder unter ihnen geschlafen hatten. Ihre Geschichten sammelten sich auf dieselbe Weise an wie ihre Oberflächen: Stück für Stück, Naht für Naht. Sperinis Quilt übernimmt diese Logik des langsamen Zusammensetzens und fügt eine Landschaft aus Dreiecken, Rechtecken, Kreisen und – nahe ihrer Mitte – dem Umriss eines Hauses zusammen. Dann fällt eine dichte Masse aus rosa Fransen von etwa der Mitte der Komposition herab, unterbricht die Geometrie und ragt über die ansonsten flache Oberfläche hinaus in den Raum. Zwei konkurrierende Logiken scheinen das Werk zu bestimmen: die eine der Konstruktion, die andere der Ausbreitung. Die geometrischen Abschnitte beruhen auf Unterteilung und Zusammenfügen, während sich die Fransen über die Struktur hinaus zu vermehren scheinen, die sie eigentlich einschliessen soll. Das Nähen, die Technik, die den Quilt zusammenhält, gehört vordergründig zum ersten Prinzip, doch seine eigene Methode ist akkumulativ: Eine Nadel durchdringt immer wieder eine Oberfläche und bringt einzelne Kanten in Kontakt, ohne sie zu zwingen, ein einziges Stück statt vieler zu werden.

Holding things together ist nicht dasselbe, wie sie zu einem Ganzen zu machen. Etwas zusammenzuhalten bedeutet zunächst einmal, anzuerkennen, dass es aus Teilen besteht.