König Galerie freut sich, The wandering dot, eine Einzelausstellung der in London lebenden Künstlerin Bijanka Bacic, in der Chapel von St. Agnes zu präsentieren. Die Ausstellung vereint neue Werke, die die Spur als ein lebendiges und aktives Element verstehen – etwas, das Bedeutung durch Bewegung statt durch fixierte Darstellung hervorbringt.

Der Arbeitsprozess von Bacic entfaltet sich als Abfolge von Übersetzungen. Am Anfang eines jeden Werks steht eine analoge Fotografie, die als Anker zur Außenwelt dient. Diese Bilder werden anschließend in kleinen Gouachezeichnungen neu interpretiert, in denen Konturen weicher werden und Farbfelder sich verschieben. Auf der Leinwand durchläuft das Motiv eine weitere Transformation, wenn Streifen aus Ölfarbe über die Oberfläche gesetzt werden, die sie in wechselnden Rhythmen kreuzen, verdecken, offenlegen und die Aufmerksamkeit neu lenken. Durch diese Eingriffe tritt die ursprüngliche Szene allmählich zurück und öffnet ein Raum der Auseinandersetzung mit Geste, Struktur und materialer Präsenz.

Über die Gemälde hinweg wandern und schweifen Linien. Dichte Ballungen öffnen sich zu reduzierten Passagen. Spuren erscheinen, lösen sich auf und behaupten sich erneut. Es entsteht ein Bildraum, der nicht von stabilen Formen bestimmt ist, sondern von Kräften in Bewegung. In diesem Umfeld wird der wandernde Punkt zugleich visuelle Spur und sich entfaltendes Ereignis. Die Hand findet ihren Zweck in der Bewegung, im ständigen Aushandeln von Druck, Widerstand, Licht und Zeit.

Gedanken aus Paul Klees Überlegungen zur aktiven Linie ziehen sich durch die gesamte Ausstellung. Die einfache Bewegung eines Punktes nach vorn wird zu einer Möglichkeit, Form durch Geste hervorzubringen. Bacic erweitert dieses Prinzip zu ihrer eigenen Bildsprache, indem sie jeder Spur erlaubt, die Richtung zu wechseln, zwischen Schichten zu wandern, innezuhalten oder abzuschweifen, stets im Dialog mit dem sich entwickelnden Bild. Struktur entsteht aus Bewegung und nicht aus Vorgabe.

Die Arbeiten laden das Publikum zu einem Erleben von Oszillation ein. Die Bilder schweben zwischen Wiedererkennbarkeit und Auflösung, Intention und Zufall, Figur und Feld. Anstatt eine eindeutige Lesart zu liefern, eröffnet die Ausstellung einen Raum, in dem Geste, Oberfläche und Zeitlichkeit miteinander interagieren. Bedeutung entsteht im Zusammentreffen von Betrachter und Spur.

The wandering dot öffnet einen Blick auf Malerei als eine Einschreibung, die von Bewegung und materiellem Widerstand geprägt ist. Indem Bacic die Spur zugleich als Agens und Ereignis begreift, legt sie die Bedingungen offen, unter denen Denken materielle Gestalt annimmt und bietet eine zeitgenössische Perspektive auf die fortwährende Entwicklung der abstrakten Bildsprache.