König Galerie präsentiert Ayako Rokkakus vierte Einzelausstellung Scenery in the process of being formed, die in der Nave der St. Agnes zu sehen ist. Die Ausstellung vereint umfangreiche skulpturale Arbeiten mit neuen Malereien und folgt den Spuren der Künstlerin entlang verschiedener Orte, Materialien und Stimmungen – dabei wird deutlich, wie Formen langsam durch ihre Hände entstehen.
Scenery in the process of being formed spiegelt Rokkakus Erfahrung wider, Landschaften in ihr tägliches Leben einzubeziehen: das Licht einer neuen Stadt, die Texturen eines Marktes, den Rhythmus einer Küstenlinie. Diese Eindrücke sammeln sich leise an und werden zu Sinneseindrücken, denen sie mit derselben instinktiven, taktilen Herangehensweise begegnet, die auch ihr künstlerisches Schaffen prägt. Rokkaku arbeitet ohne Zwischenstufen– Farbe wird mit der Hand aufgetragen, Ton durch Berührung geformt, Stoffe werden Stück für Stück zusammengenäht, Glas durch Bewegungen der Fingerspitzen gelenkt–, sodass jedes Material den Moment ihrer Begegnung festhält. Die Werke treten nach und nach hervor, als nähmen sie im Rhythmus einer sich offenbarenden Emotion Gestalt an.
Die Glasarbeiten, die Anfang 2025 in Murano im Berengo Studio entstanden sind, tragen sanfte Spuren ihrer Berührungen in den farbigen Oberflächen, als hätte sich die Bewegung ihrer Hand in das geschmolzene Material eingeschrieben. Eine Stoffinstallation, inspiriert vom Namsan-Hügel in Seoul, entfaltet sich aus Fäden und Fragmenten, die auf dem Dongdaemun-Markt gesammelt und von Hand zusammengesetzt wurden. Ihre vielschichtigen Texturen spiegeln die Dichte und Vertikalität der Stadt wider.
Keramikskulpturen, die während eines Aufenthalts auf Mallorca entstanden sind, strahlen die Wärme ihres mediterranen Ursprungs aus; ihre Konturen wirken wie durch Berührung geformt, als hätte der poröse Ton die Erinnerung an die Handflächen und Fingerspitzen der Künstlerin bewahrt. Diese Formen tauchen in einem anderen Kontext in den Bronzearbeiten wieder auf, die in der Noack-Gießerei in Berlin entstanden sind, wo die Unmittelbarkeit ihrer handgeformten Tonmodelle in Metall erhalten bleibt.
Eine neue Serie von Malereien begleitet die Skulpturen. Deren fließende Farben lassen Berge, Meer und Landschaften erahnen, ohne sie festzuschreiben – sie entstehen, wie die Skulpturen, aus einem Zusammenspiel von Ort, Empfindung und Berührung. In diesem Prozess werden Landschaften nicht dargestellt, sondern erfühlt.
Über die gesamte Nave hinweg bilden Rokkakus Werke eine Umgebung, in der Berührung und Wahrnehmung zusammenwirken und Szenen Gestalt annehmen, die sich noch im Entstehen befinden und sich erst allmählich vor dem Betrachter offenbaren.
















