König Telegraphenamt präsentiert Eeuwen, die erste Ausstellung der Künstlerin in der Galerie.
Joana Schneiders Arbeiten scheinen aus einer anderen Welt zu kommen. Sie schweben zwischen klassischen Gattungen wie Malerei und Skulptur und sind aus Textilien und Stoffen erschaffen, die Schneider meist aus gefundenen Materialien wie Fischereinetzen und anderem marinen Abfall herstellt und weiterverarbeitet. Man meint, etwas organisches zu erkennen: pilzartige Blüten sprießen an den Wänden, mäandernde Formen ähneln Querschnitten von Baumstämmen oder Luftaufnahmen von Marschlandschaften, Wasserfälle und mit Stoff überzogene Leinwände aus denen farbprächtige Blüten platzen. Die Formen scheinen im Wachsen und Werden zu sein und besetzen einen Zustand des Dazwischen und der Traumwelt.
Ein zentrales Werk der Ausstellung—Waddeneinland—erinnert in Farbigkeit und Format an eine klassische Land- schaft. Durch die für Schneiders Werk typischen textilen Seile, die sie selbst einfärbt, ergibt sich der Eindruck einer Verwischung, als würde man die Landschaft durch einen Schleier betrachten.
Schneider ließ sich für diese Arbeit und andere Werke der Ausstellung von der Dünenlandschaft De Slufter auf der Insel Texel in der Wahlheimat der Künstlerin, den Niederlanden, inspirieren. Diese besondere Landschaft ist das Ergebnis eines Dammbruchs im 19. Jahrhundert, der dazu führte, dass Land und Meer ineinander verschmolzen und eine Art Lagunenlandschaft entstand. Visuell wie auch symbolisch ist dieses Phänomen eine Inspiration für die Künstlerin. Als Ergebnis einer Katastrophe ist eine Landschaft entstanden, die heute ein einzigartiges Ökosystem und vielfältigen Lebensraum bietet: Aus Chaos und Zerstörung entstand Schönheit, und die Landschaft ist geprägt von ständigem Werden und Vergehen. Diese Offenheit der Form prägt auch Schneiders Werke, die zugleich stark und zart erscheinen und wie Portale ins Imaginäre und kollektive Unbewusste fungieren.
















