Persons Projects freut sich, eine Einzelausstellung mit neuen Werken der finnischen Künstlerin Riitta Päiväläinen von der Helsinki School zu präsentieren. Die Serie mit dem Titel Phantasma entstand in den dramatischen, abgelegenen Landschaften Islands und Lapplands. Phantasma erinnert an eine flüchtige, geisterhafte Präsenz, wobei Päiväläinen mit ihren Textilinstallationen vergängliche Momente einfängt, in denen Erinnerung, Imagination und Natur ineinanderfließen.

Seit 1997 fotografiert und realisiert Päiväläinen ortsspezifische Stoffinstallationen in natürlichen Umgebungen. Sie hat eine einzigartige Bildsprache entwickelt und schafft zarte, temporäre Interventionen an abgelegenen, unberührten Orten, die scheinbar von menschlichen Aktivitäten verschont geblieben sind. Ihre Standorte wählt sie sorgfältig aus: Wälder, Täler oder Flussufer dienen als Bühne für ihre Arbeiten. Aus Secondhand-Kleidung und gefundenen Textilien konstruiert sie vorübergehende, organische Skulpturen, die mit der Landschaft in einen stillen Dialog treten. Es entstehen fragile Unterkünfte und intime Orte, die Kindheitserinnerungen wachrufen und zur Reflexion über unsere Beziehung zur Natur einladen.

Die Installationen sind vergänglich und existieren nur für kurze Zeit in der Landschaft, bevor sie sorgfältig wieder abgebaut werden. Ihre Erinnerung bewahrt sich in einer einzigen Fotografie, die ihre fragile Präsenz festhält, wobei der Künstler geduldig auf das perfekte Zusammenspiel von Licht, Wind und Atmosphäre wartet. Diese Bilder verwandeln flüchtige Gesten in bleibende Kunstwerke und offenbaren eine poetische Spannung zwischen Vertrautem und Unbekanntem, zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung. Die Stoffe, durchzogen von Spuren menschlicher Erfahrung, fügen sich nahtlos in das Terrain ein – mal getarnt, mal die Essenz der Landschaft hervorhebend.

Die Künstlerin wurde in einem kleinen Dorf in Zentralfinnland geboren, das etwa 150 Einwohner zählt. Die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie inmitten dichter Wälder und einer Landschaft, die kaum offene Horizonte bot. Indem sie Unterkünfte in den Wäldern und abgelegenen Buschgebieten errichtet, lässt sie Erinnerungen an ihre Kindheitserlebnisse wieder aufleben. Diese Fotografien sind so gestaltet, dass sie ihr Gefühl von Freiheit und jugendlichem Spiel widerspiegeln. Diese Erinnerungen ermöglichen es ihr, sich mit ihrem jüngeren Selbst und mit Erinnerungen an eine tiefe Verbundenheit mit der Natur zu verbinden.

In der Serie Phantasma werden die isolierten und elementaren Landschaften zur Bühne für Päiväläinens fortwährende Erforschung von Stoff als Rohmaterial. Sie nutzt Textilien, um ungezähmte Orte zu domestizieren und imaginäre Behausungen für unsichtbare Bewohner zu schaffen. Gedämpfte Erdtöne, moosige Grüntöne, Schnee und vulkanisches Schwarz spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Stoffe werden sorgfältig ausgewählt, um entweder mit der Umgebung zu harmonieren und sich subtil einzufügen oder bewusst Kontraste zu setzen und einen visuellen Dialog mit der Umgebung zu erzeugen. Der bewusste Umgang mit Farben verstärkt die poetische Interaktion zwischen Textil und Landschaft und betont zugleich die flüchtige Tarnung der Schutzräume sowie ihre zarte, ephemere Präsenz in der weiten isländischen Wildnis.

Ihre Arbeiten bestehen aus Materialien wie gebrauchter Kleidung, Kimono-Obis, langen Bändern und Textilien aus Secondhand-Läden. Gebrauchte Kleidung nimmt in ihrer Praxis eine zentrale Rolle ein. Sie spiegelt nicht nur ihr Engagement für Nachhaltigkeit wider, sondern auch ihre Faszination für die Geschichten, Erinnerungen und menschlichen Spuren, die in den Fasern eingeschrieben sind. Jedes Stück trägt seine eigene Geschichte. Indem Päiväläinen diese Materialien in ihre Installationen einwebt, entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ihre Absicht ist es, die Betrachter:innen dazu einzuladen, den Spuren des Abwesenden zu folgen und über die fragile, vergängliche Harmonie zwischen Mensch und Umwelt nachzudenken.

Päiväläinens Arbeit lässt sich auch in die breitere Tradition der Land Art einordnen. Wie frühe Vertreter dieser Bewegung, etwa Robert Smithson oder Richard Long, arbeitet sie direkt mit der Landschaft. Ihr Ansatz ist jedoch eher subtiler und intimer als monumental. Anstelle großformatiger Eingriffe setzt sie auf Vergänglichkeit, arrangiert Stoffe behutsam und wartet auf die idealen Bedingungen, um einen einzigen fotografischen Moment festzuhalten.

Riitta Päiväläinen erklärt: „Natur gewinnt ihre Bedeutung durch die menschliche Fähigkeit, sich auf sie als Quelle von Imagination, Träumen und Kreativität einzulassen. Ich betrachte Landschaften als Mise-en-scènes, als mentale, unterbewusste und persönliche Gedankenlandschaften. Mit meinen Fotografien versuche ich, stillen Orten eine Stimme zu geben.“