Die König Galerie freut sich, Blue is a gaze, eine Einzelausstellung von Sihan Chen, in der Chapel von St. Agnes zu präsentieren. Dies ist die erste Ausstellung des Künstlers in der Galerie.

Punkt für Punkt, präzise gesetzt, formt sich die Gestalt eines Pferdes auf fluoreszierend pinken Karton. Zusätzlich umgeben von schwarzen sternartigen Formen waren diese fein ausgearbeiteten Zeichnungen die ersten Arbeiten von Sihan Chen, die ich sehen konnte.

Die freiwillige Beschränkung auf zwei Farben, Schwarz und ein leuchtendes Pink als Hintergrund, das Pferd als Hauptthema, gepaart mit anderen, der Natur entnommenen Elementen wie Sterne, Bäume habe ich als radikale selbst auferlegte Aufgabenstellung verstanden. Die Zurückhaltung bei der Motivwahl und die entschlossene Reduzierung auf eine kontrastreiche Kombination von zwei Farben bedeutet bei ihr keine Einengung des künstlerischen Ausdrucks. Im Gegenteil.

In ihren malerischen Arbeiten wird das Pferd als Figur gespiegelt, fragmentiert, erscheint statisch oder bewegt oder wirft einen Schatten. Es erscheint in einer Landschaft, wird positiv oder negativ wiedergegeben, sehr unterschiedlich ausgearbeitet in der individuellen Darstellung, teils realistisch gemalt, teils grafisch prägnant verknappt. Auch die übrigen, die Pferdefigur umgebenden Komponenten wechseln von landschaftlichen Beschreibungen, Wasser, Bäumen und Ästen, bis hin zu abstrahierten Streifenformen und freien Linien, meistens kombiniert mit Sternen in unterschiedlichster Ausformung und Anzahl.

Die Bilder, die alle in dieser gleichen reduzierten Setzung entstehen, sind trotzdem sehr persönlich, immer wieder neu gedacht und immer anders als die zuvor entstandene Arbeit. Mit ihrer seriellen Arbeit entwirft sie ein offenes System, das durch Differenzen innerhalb der Wiederholung geprägt ist. Die Bilder spiegeln die persönliche Situation der Künstlerin, ihre Lebensgeschichte wieder und haben den Charakter eines Tagebuchs.

Die tägliche Stimmung und Verfassung aufzuzeichnen ob in Texten, Zeichnungen oder Bildern ist ein wichtiges Vorhaben der Künstlerin und ihre tägliche Praxis. Ihr Interesse an Film und dem Schreiben von Drehbüchern ist geblieben, aber ihre künstlerische Methode konzentriert sich derzeit auf Malerei und Zeichnung. Die Malerei ermöglicht ihr eine direkte Aufzeichnung des persönlichen Zustands zu einer bestimmten Zeit, diese Form der höchstpersönlichen Wahrnehmung und Dokumentation eines Tages verbindet sie mit konzeptuell arbeitenden KünstlerInnenn einer ganz anderen Generation wie Hanne Darboven oder On Kawara.

(Text von Johannes Wohnseifer)