Galerie Eva Presenhuber freut sich, ihre neunte Einzelausstellung mit der US-amerikanischen Künstlerin Karen Kilimnik zu präsentieren.

Seit den späten 1970er-Jahren integriert Karen Kilimnik konsequent eine Vielzahl unterschiedlicher Medien in ihre Arbeit – von Zeichnung und Malerei über Collage und mise-en-scène-Skulptur bis hin zu Fotografie und Video. Trotz dieser Offenheit gegenüber verschiedenen Medien folgt ihr Werk einer konzeptuellen Präzision. Kilimnik arbeitet mit einem ikonografischen Archiv, das mehrere Jahrhunderte umfasst: von höfischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts über romantische Landschaften und Historienmalerei bis hin zu Bezügen auf Popkultur, Mode, Fernsehen und Film.

Diese unterschiedlichen Bildquellen erscheinen jedoch nicht als lineare kunsthistorische Zitate. Vielmehr treten sie in Kilimniks Werken als kulturelle Wiederkehrformen auf – als Bildformeln, die sich im Verlauf der Geschichte sedimentiert haben und in der Gegenwart erneut sichtbar werden. Ihre Bilder erscheinen daher oft als vielschichtige Bildräume: Schichten aus Kunstgeschichte, Dekor, Popkultur und Fantasie überlagern sich zu einer eigentümlichen Bildwelt, die zugleich vertraut und irritierend wirkt.

Ein möglicher Zugang zu Karen Kilimniks Werk ist die Betrachtung des Begriffs Glamour, der in der Rezeption ihrer Arbeiten immer wieder als beschreibende Kategorie verwendet wird. In ihrem Werk erscheint Glamour nicht als bloßer Glanz oder luxuriöse Oberfläche, sondern entfaltet seine Bedeutung in der Tiefe seines etymologischen Ursprungs. Das Wort „Glamour“ geht auf das schottische glamer des frühen 18. Jahrhunderts zurück und bezeichnete ursprünglich einen Zauber, der das Auge täuscht und die Welt schöner erscheinen lässt, als sie ist. Diese Bedeutung wiederum leitet sich von „grammar“ ab, einem Begriff, der im Mittelalter mit gelehrtem, bisweilen okkultem Wissen verbunden war. In diesem Sinne verweist Glamour weniger auf Schönheit als auf eine Form von Wissen und Macht über Erscheinung – eine künstlich erzeugte, blendende Sichtbarkeit.

(Text von Dr. Raphael Gygax)