Seit den 80er Jahren wirkt das von Heimo Zobernigs praktizierte „anti-essenzialistische System“ wie eine künstlerisch konsequent praktizierte negative Dialektik. Regelmäßig widmet sich Zobernig dabei der Frage der Manipulation von Realitäten.

In ohne Titel (Love/Hate) beispielsweise, dient die Verwendung von extra fetten Helvetica-Buchstaben als typische Schriftart der Moderne, der Aneignung/Neuinterpretation von Robert Indianas Gemälde (Love, 1966), der dafür eine Schrift des 19. Jahrhunderts gewählt hatte: Clarendon Bold. 1987 wird Zobernigs Sujet dann von der kanadischen Gruppe General Idea für eine „Art against Aids“-Kampagne politisch aufgegriffen und zu einem AIDS-Emblem adaptiert.

Seit 1986 verwendet Heimo Zobernig für Katalog- und Plakatentwürfe die serifenlose Schrifttype Helvetica. Einst als Ikone des Swiss Style gefeiert, verlor Helvetica im Laufe der 80er Jahre zunehmend an Prestige. Unter den Schrifttypen wurde sie zu so etwas wie die Pressspanplatte unter den Möbelhölzern. Ihre Form wirkt so neutral, dass der Betrachter vergisst, dass es sich um Schrift handelt. Ab 1990 beginnt Zobernig seine Ausstellungen von A-Z fortlaufend mit Helvetica Buchstaben zu bezeichnen. 1993 entwirft er für eine Gruppenausstellung ein Plakat in den Farben Orange, Braun, Grau, Schwarz und Weiß, indem erstmals das Wort Real erscheint. Ein Jahr später entstehen in den gleichen Farben die ersten Real Bilder. Ursprünglich nehmen vier Buchstaben r-e-a-l als serifenlose Schrift die gesamte Bildfläche ein und unterteilen diese in vier gleich große Paneele. Zusammengesetzt hat Zobernig die Lettern aus einer fixen Anordnung verschiedenfarbiger geometrischer Formen.

Stück für Stück erweitert Zobernig die Farbskala der Real Bilder und fügt schließlich das Wort Egal hinzu, das nun in gleichem Ausmaß wie Real die Leinwand füllt. Die Worte erscheinen ineinander geschrieben, ihre Bedeutung hebt sich auf. Ein neuer, interpretatorischer Nullpunkt von komplexer Konstruiertheit ist erreicht.

Auch spätere Gemälde folgen jeweils ein und derselben Schablone, nur die Farbkombination unterscheidet sich. Die Lesart dieses Mosaiks überlässt Zobernig dem Betrachter. Schaut man genau hin, ergeben die Kreise und Rechtecke weitere, auf den Kopf gestellte Buchstaben. Aus dem weltversichernden r-e-a-l schält sich so am Ende wieder Beliebigkeit: e-g-a-l.

Die Komposition der räumlichen Beziehungen und Farbtöne auf der Leinwand ergibt insgesamt ein Werk, das gleichermaßen leicht komisch und ästhetisch ansprechend ist, ohne dabei rein funktional oder rein visuell zu sein.

Das Bild benennt hier, wie Helmut Draxler anmerkt, einen Sachverhalt buchstäblich, ohne ihn einzulösen.

Wie in der vorhergehenden Galerieausstellung Splendid playground zu sehen, entwickelte auch Ei Arakawa-Nash, der im heurigen Jahr Japan auf der Biennale in Venedig vertritt, gemeinsam mit Nikolas Gambaroff ein Spiel mit Buchstaben, sogenannte Two-alphabet monograms, als dysfunktionale, geschriebene und gesprochene Sprache.

Heimo Zobernigs Methode verwandt, ist das ständige Austesten von Produktions- und Bedeutungs möglichkeiten traditioneller künstlerischer Praktiken. Beide Künstler werfen im bewussten Umgang mit den jeweiligen Medien Fragen nach Prozess, institutionellem Kontext und Performativität auf.

Da Ei Arakawa-Nash selbst keine Gemälde anfertigt, ist er stets auf die Werke anderer Künstler:innen angewiesen, was zu einer Art Verdopplung dieser innerhalb seiner Arbeit führt, wobei er ständig in andere Identitäten schlüpft. So hat er sich in seiner Arbeit Cologne of the Maghreb (Bodyphilia song) 2016 anlässlich seiner Ausstellung im Museum Ludwig auf den Kölner Maler Michael Buthe (1944–1994) bezogen, zu dessen Werken er eine starke konzeptuelle und identitätsmäßige Verbindung empfindet. So hat er eine Installation mit einem singenden LED-Gemälde geschaffen, das über Identitäts- und Körperpolitiken spekuliert.

2018 testete Arakawa-Nash dann die performativen Potentiale von LED-Gemälden in der Arbeit Harsh citation – Harsh pastoral – Harsh münster, head of installation, im Kunstverein Düsseldorf und schlug darin eine alternative Lesart von Performancekunst vor. Acht LED-Arbeiten, wurden dabei von der amerikanischen Künstlerin Sarah Chow astrologischen Analysen in Bezug auf ihre jeweiligen Geburtsstunden, sowie ihre Geburtsorte unterzogen. Dabei wurde unter anderen die Performance 7360 Sukiyaki von Tony Conrad (1973) in Arakawa-Nashs multimedialer LED-Arbeit buchstäblich als „Person“ adressiert – einschließlich ihrer jeweiligen psychologischen Eigenheiten. Wie denken und fühlen Performances?