Die Galerie Eva Presenhuber freut sich, Wallpapers, gathers and mirages zu präsentieren, ihre zweite Einzelausstellung mit der in Wien lebenden Künstlerin Liesl Raff und ihre erste in der Wiener Galerie.
Liesl Raffs neueste Ausstellung nutzt die Gelegenheit, noch einmal die wesentlichen Grundelemente und Anordnungen ihrer Praxis der letzten Jahre wie in einem räumlichen Modellfall durchzuarbeiten, und in einem konkreten Raum der ausstellung zusammenzuführen. Dieser „Raum“ meint aber hier weniger den oft damit angesprochenen gedanklichen Rahmen, als er den konkreten, nahezu prototypisch zu lesenden Ausstellungsraum exemplarisch selbst beschreibt. Die kaskadierende Abfolge der Galerieräume werden durch die präzisen Eingriffe der Interventionen Raffs dabei völlig umstrukturiert, und generieren ein umfassendes Programm, das umso effektiver wirkt, als es der Ausstellungstitel vermuten lässt. Dieser ist dabei nicht als bloße Aneinanderreihung der jeweiligen Titel der Werkgruppen zu verstehen, sind also keine reine Aufzählung, denn als eine Anordnung zu lesen, deren wesentliche Elemente im Plural liegen.
Gathers, verstanden als einfaltenden Aufwurf von Material, und mithin als ein Verfahren, dass mit dem doppeldeutigen Begriff der Ver- und Ansammlung auch die materielle Komponente sozialer Verhandlungen in die Produktion mitdenkt, steht dabei im Mittelpunkt.
Dabei erscheint als wesentlicher Shift, dass ein Hauptmerkmal dieser Praxis, das Interesse an und die Frage nach der (Mit-) Produktion sozialer Kontexte, hier in eine Versuchsanordnung überführt zu sein scheint, in denen sich die Interaktion ganz auf die Betrachtenden bezieht. Denn anders als in früheren Ausstellungen Raffs, in denen die Arbeiten zwischen Display, Objekt und als mittelbar sozialem Katalysator für Handlungen oszillierten, und sich die künstlerische Produktion vor allem in der Herstellung von definierenden Handlungsräumen, in der Anordnung von Settings für performative und soziale Praxen, sowie (nicht ohne biographischen Hintergrund) in Form des „Stagings“ positionierten, scheint die klare Setzung der Elemente hier in den Galerieräumen ein Modell vorzuschlagen, dass stärker lenkt, und auch, gemessen an der Intimität und gegebenen Zonierung der Räume, eine deutlich direktere, nahezu unmittelbare Logik der Adressierung verfolgt.
Besonders signifikant erscheint, die Ausstellung als Zusammenstellung von diskreten Objekten –seriell angeordneten Werkgruppen– zu sehen, die wiederum einen Bühnenraum zu konstituieren scheinen, in dem allerdings die Besucher:innen der Galerie Zuschauer:innen und Akteur:innen zugleich sind.
Dies geschieht mit großer Ökonomie, was zunächst erstaunt, bedenkt man die formale Fülle der Objekte, deren Formensprachen zwischen assoziierten (Blind-)Spiegeln, Theatervorhängen, Festons und Girlanden eine stark funktionale Komponente verfolgt, die eben nicht in der illusionistischen Durchbrechung von Raumgrenzen, sondern auf klarer Zuordnung und Zonierung räumlicher Anordnungen zu bestehen scheint. Umso logischer erscheint diese Aufzählung, als sie den einzelnen Objekten und Serien klare Repräsentations-Aufgaben zuweist, die entlang der Objekte eindeutig verteilt sind: Verdecken, Zeigen, Verdichten, Fixieren, Umlenken.
Raff fokussiert sich dafür auf wenige Materialien, in diesem Fall Gewebe, Latex und Formstahl, die in einer technischen und formalen Abhängigkeit zueinanderstehen, und die in einer dafür umso größeren Varianz gemeinsam an der jeweiligen Objektform und deren Zusammenspiel wirken. So entsteht trotz der arbeitsteiligen Aufspaltung eine erstaunliche Spannung, denn obwohl die Ausstellung vermehrt Objekte als installative Strukturen hervorhebt, so wirken sie gerade in dieser Arbeitsteilung umso stärker raumbildend, und greifen in ihrem Zusammenspiel eng ineinander.
So definiert die Anordnung der Elemente im Raum vor sich geht, so übergibt sich die konkrete Objektproduktion einem strukturierten Verfahren. Als würde sich Raff fragen, welcher Elemente, welcher Berechnungen sie in der Formation bedarf, um zu einem wesentlichen Aspekt der Aufführung dieser "theatralischen“ Setzung zu gelangen, werden die Elemente in leichten Variationen zum Einsatz gebracht; ein weniger kalkulierter als vielmehr orchestrierter Vorgang. Bis auf wenige, additive Elemente, etwa eine leicht variierend behandelte Oberfläche, ein Wechsel des Stahlprofils, eine alternierend gesetzte Naht im Textil, gestatten die Arbeitsschritte dabei lediglich ein Minimum an Postproduktion.
Die Objekte verdanken sich vor allem einer klaren Regelsetzung, der Definition von Arbeitsschritten und Abläufen, und der gezielten Übertragung in einen strukturierten Produktionsprozess. Es ist dabei nicht unwesentlich, dass Latex, als milchiges Naturprodukt in seiner Erstarrung nur im Schüttmoment und in der unmittelbaren Situation der Anordnung eine Bearbeitung erfährt. Der Prozess sonst kann und wird ab dem Moment kaum mehr beeinflusst oder gesteuert werden, es hängt also am Produktionsaufbau. Die gefällten Entscheidungen sind ab dem einsetzenden Erstarrungsmoment, kurz nach dem Gussvorgang, weitgehend irreversibel. Hier bestimmen sich Hängung, Form, Festigkeit und Oberfläche, die keine nachträgliche Justierungen, und auch keinen Beschnitt erlauben. Das Material selbst muss ebenfalls als organisch, alternd, veränderlich in Struktur, Gewicht und Größe vor- und mitgedacht werden, Anpassungen in Größe und Gewicht durch Schwund und Trocknung sind eine mitzudenkende Variable im Produktionsprozess.
Wallpapers, gathers, und mirages sind Serien von Objekten, an denen auch etwas Archetypisches zur Aufführung kommt, oder anhand derer simuliert wird, und deren formale Variationen auch Schatten sozialer Operationen und Beziehungen werfen. Der Raum dieser Objekte ist mithin weiterhin als sozialer Raum lesbar, der seine Parameter ebenso sorgsam aus materialtechnischen und produktionsästhetischen Fragestellungen ableitet. Sich beim Anschauen selbst anschauen, geschieht mit der gleichen Ungläubigkeit, den eigenen Händen beim Notieren von Zeilen, beim Erarbeiten von Gussformen distanziert beim Handeln zuzusehen, und sich dennoch als Handelnde:r zu identifizieren.
(Text von Robert Müller)
















