Terminal piece ist eine Ausstellung in fünf Akten, in deren Mittelpunkt die gleichnamige Installation der Künstlerin, Aktivistin und Autorin Kate Millett aus dem Jahr 1972 steht. Als erste Neuerwerbung der Sammlung unter der neuen Leitung des mumok rückt sie den Akt des Betrachtens selbst in den Vordergrund – und fragt nicht nur danach, was zu sehen ist, sondern auch, aus welcher Perspektive wir es betrachten und auf welcher Seite des Werks wir uns befinden. Millett, eine der prägenden feministischen Stimmen ihrer Generation, glaubte an die Fähigkeit von Kunst, Momente intensiver, unmittelbarer Erfahrung zu erschaffen. Die Ausstellung stellt die Frage, was diese Vorstellung heute noch bedeutet.
Wer beobachtet? Wer wird beobachtet? Wo positionieren wir uns? Diese Reflexionen werden zur Linse, durch die rund 400 Kunstwerke aus der Sammlung des mumok betrachtet werden, welche in Dialog mit Leihgaben und neuen Auftragsarbeiten treten. Die Ausstellung ist eine Einladung zur körperlichen Wahrnehmung und zur Entdeckung neuer Sichtweisen: Die Begegnung mit Kunst ist niemals passiv. Sehen bedeutet Teilnehmen.
Jede Ausstellungsebene entfaltet sich als eigenständiger Akt, der die sich wandelnden Beziehungen zwischen Kunst, Leben und Wahrnehmung aufzeigt. Den Anfang macht ein von Anna Viebrock konzipierter Prolog, der das Erdgeschoss transformiert und zu einer neuen Begegnung mit der Museumssammlung anregt. Akt 2 wendet sich nach innen, um die Widersprüche zwischen politischen Idealen und gelebter Erfahrung nachzuzeichnen. Akt 3 greift auf Dokumentation und Zeugenschaft zurück, um sich Realitäten zu nähern, die möglicherweise über die Sprache hinausgehen. Akt 4 erforscht den Apparat des Sehens anhand von Arbeiten Nina Porters und aus der Sammlung. Zusammen zeigen die Akte vielfältige Wege, mit der Welt in Beziehung zu treten.
Das Wort „terminal“ signalisiert typischerweise ein Ende, markiert jedoch auch den Beginn von etwas Neuem: einen Aufbruch, der mit dem Vorangegangenen verbunden ist. Mit einem einzelnen Kunstwerk als Filter behandelt Terminal piece das Museum und seine Sammlung als einen Ort, der durch die Menschen, die ihn durchwandern, immer wieder neu gestaltet wird – offen, lebendig und durch jede Begegnung verwandelt.
















