Die Gemälde von Pourea Alimirzaee ziehen die Betrachtenden sofort in ihren Bann – mit kräftigen Farben, komplexen Mustern und einer subtilen Mischung aus abstrakten und figurativen Formen. Als Künstler und Geschichtenerzähler beobachtet Alimirzaee seine Umgebung und lässt alles, was ihn berührt oder inspiriert, in seine Arbeiten einfließen. Oft beginnt er mit einer grundlegenden Idee, doch er begrüßt freie Improvisation während seines Malprozesses. Dieser intuitive Ansatz verleiht seinen Gemälden Offenheit und Lebendigkeit.
Die menschliche Erfahrung, das Leben selbst und die Beziehung zu sich und zu anderen bilden zentrale Themen. Nicht zufällig nimmt das Porträt in seinem Werk einen bedeutenden Platz ein: ein Genre, das Alimirzaee mit selbstbewussten, oft androgynen Figuren meisterhaft beherrscht, die häufig an Selbstporträts erinnern. Seine Figuren werden oft mit langem, fließendem Haar dargestellt, das sowohl ein Symbol kultureller und sozialer Bedeutung als auch ein Spiegel von Themen der Selbstidentität ist. Alimirzaee zeigt zudem, wie Haar sowohl eine Form der Repräsentation als auch eine politische Aussage sein kann. Weibliche Figuren mit kürzerem Haar erinnern daran, wie das Schneiden der Haare als Protest gegen Ungerechtigkeit dient. Es verweist auch auf eines der stärksten jüngeren Symbole dafür: als iranische Frauen 2022 nach dem Tod von Mahsa Amini – die nach ihrer Festnahme wegen angeblich falsch getragenem Hijab starb – aus Solidarität ihre Haare abschnitten.
In seiner neuesten Werkserie, präsentiert in der Galerie Nagel Draxler, setzt Alimirzaee seine Auseinandersetzung mit Identität und Herkunft fort. Anfang dieses Jahres reiste er in den Iran, wo er begann, an diesen Arbeiten zu arbeiten. Seine Auseinandersetzung mit seinem kulturellen Erbe, dem lokalen Leben, der Sprache und Symbolik beeinflusste die frühen Stadien der Gemälde stark. Kurz darauf wurde seine Arbeit durch den Iran-Israel-Krieg unterbrochen. Nach seiner Rückkehr nach Wien nahm Alimirzaee die Arbeit wieder auf – nun geprägt von einem eindrucksvollen „Mix aus beiden Welten“. Diese Werke können als Brücke zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kontexten verstanden werden, die für den Künstler jeweils eine Form von Heimat darstellen.
In Flattered by the green beispielsweise verweist Alimirzaee auf eine Handgeste, die in der persischen Kultur zur Feier oder als Ausdruck der Freude verwendet wird. Gleichzeitig kann die Geste auch als subtile Anspielung auf Albrecht Dürers ikonische Betenden hände (1508) gelesen werden.
Pourea Alimirzaees zarte Aquarell- und Ölporträts sind politisch aufgeladen, doch er behandelt diese Themen auf entwaffnend sanfte Weise. Reich an Symbolik erzählen seine Gemälde Geschichten, die Macht und Freiheit in Zeiten der Unterdrückung gegenüberstellen.














