Rosmarie Lukassers Arbeiten kreisen um die Frage, was es bedeutet, in einer vernetzten Welt zu leben. Im Zentrum ihres Interesses stehen nicht die Technologien selbst, sondern die Spuren, die sie in unseren Körpern, unseren Wahrnehmungen und unserer Kommunikation hinterlassen. Ihre Arbeiten untersuchen jene oft unsichtbaren Strukturen, die Menschen, Orte und Informationen miteinander verbinden.
Ausgehend von Karten, Diagrammen und den Strukturen globaler Netzwerke übersetzt Lukasser digitale Systeme in eine analoge Sprache. Unterseekabel, Hubs, Flugrouten oder Ortungssysteme werden zu Bildern eines Geflechts, das sich über die Welt spannt und zugleich tief in den Alltag eingeschrieben ist. Was zunächst abstrakt erscheint, offenbart sich als Teil menschlicher Erfahrung. Ein „Echoraum“ eröffnet die Ausstellung Annäherungen an „...bin im netz i5.0, die dritte Einzelausstellung Rosmarie Lukassers in der Galerie Krinzinger. Echo wird dabei nicht als akustisches Phänomen verstanden, sondern als Resonanzraum für die Darstellung eines künstlichen neuronalen Netzwerkes. Die Zeichnung dient Rosmarie Lukasser zur Feldforschung. Die ausgestellten Papierarbeiten zeigen Beobachtungen verbunden mit graphischen Darstellungen von Netzwerktypologien - eine großformatige Karte des weltweiten Energienetzwerkes veranschaulicht die physische Vernetzung der Welt.
Seit vielen Jahren beobachtet die Künstlerin die Gesten und Haltungen des digital vernetzten Menschen. Ihre Skulpturen zeigen Zustände gleichzeitiger Anwesenheit und Abwesenheit: Körper, die an einem Ort verweilen, während Aufmerksamkeit, Gedanken und Beziehungen sich in andere Räume ausdehnen. Die Geräte selbst bleiben unsichtbar, ihre Existenz hat sich längst in die Körper eingeschrieben. Hände, Augen und Ohren werden zu Schnittstellen, technische Erweiterungen zu selbstverständlichen Begleitern eines neuen Körperbewusstseins. Ihre Terrakottaskulpturen, entwickelt in Kikinda, Serbien, einem der europäischen Zentren für Terrakotta-Skulptur und jüngst weiterentwickelt in der Werkstatt von Gmundner Keramik, verleihen diesen Fragen eine besondere Unmittelbarkeit - aus Erde geformt, archaisch und gegenwärtig zugleich.
Mit der Arbeit Navstar_Globus 02 bezieht sich Rosmarie Lukasser auf das Konzept des „Global Village“, das der Philosoph und Medientheoretiker Marshall McLuhan entwickelte. McLuhan beschrieb die Welt als ein globales Dorf, in dem alle Menschen durch elektronische Medien miteinander verbunden sind. Das weltumspannende Netz aus Elektrizität und Kommunikation, das den Globus wie eine Haut umgibt, bezeichnete er als die „vierte Haut“. Darin erkannte er eine Erweiterung des menschlichen Nervensystems, die die Globalisierung vorantreibt und die Bedeutung von räumlichen und zeitlichen Distanzen zunehmend aufhebt.
Selbst Ritual und Gemeinschaft werden in der Ausstellung als wandelbare Formen kollektiver Sinnstiftung sichtbar. Eine an eine Monstranz erinnernde Arbeit greift traditionelle Formen des Zeigens und der Anbetung auf und überführt sie in einen gegenwartskulturellen Zusammenhang.
















