Die englische Redewendung A delicate matter bezeichnet ein sensibles Thema, das einen behutsamen Umgang verlangt. Wörtlich gelesen verweist sie zugleich auf etwas Fragiles – etwas, das leicht verändert, beschädigt oder geformt werden kann. Die Ausstellung versteht menschliche Existenz in beiden Bedeutungen des Begriffs als etwas Delikates. Unsere Körper sind der materiellen Welt ausgesetzt und unsere inneren Welten werden fortwährend von dem geprägt, was wir erleben. Erfahrungen schreiben sich in die Erinnerung ein und beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen und uns selbst verstehen.

A delicate matter versammelt sechzehn Positionen aus Daniel Richters Fachbereich Kunst und bild | Expansion an der Akademie der bildenden Künste Wien und markiert die vierte gemeinsame Ausstellung der Klasse in der Galerie Krinzinger Schottenfeld. Monumentale Leinwände, intime Arbeiten auf Papier und eine skulpturale Intervention entfalten sich in wechselnden Maßstäben, Materialien und Gesten. Gedämpfte Farbpaletten und feine tonale Abstufungen schaffen eine Bildsprache, in der Zärtlichkeit neben Spannung und Ungewissheit besteht.

Figuren treten hervor und lösen sich wieder auf. Körper erscheinen fragmentiert und hinterfragen Vorstellungen von Vollkommensein, Präsenz und Identität. Menschliche und tierische Figuren thematisieren Begehren, Konsum, Gewalt und Vergänglichkeit, während alltägliche Gegenstände Erinnerung, Kindheit und gelebten Alltag in sich tragen. An anderer Stelle verleiht Abstraktion inneren Zuständen Gestalt, die sich sprachlicher Beschreibung entziehen. Arbeiten zu Weiblichkeit, Queerness und dem Körper hinterfragen tradierte Identitätsvorstellungen durch Ironie und stille Formen des Widerstands.

Die Arbeiten bewegen sich zwischen Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremdheit. Sie entziehen sich eindeutigen Lesearten und entfalten ihre Bedeutung allmählich durch Atmosphäre, Geste und Assoziation. Widerspruch, Zärtlichkeit und Ambivalenz bleiben dabei nebeneinander bestehen und eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten des Sehens und Verstehens. Die Ausstellung eröffnet einen Raum, in dem Komplexität sichtbar bleiben darf, ohne erklärt oder aufgelöst werden zu müssen. Sensibilität erscheint hier nicht als Schwäche, sondern als die Fähigkeit, der Welt gegenüber empfänglich zu bleiben, das Erlebte in sich zu tragen und die menschliche Existenz als etwas zutiefst Fragiles zu begreifen.

(Text von Yana Aleksejevna Brendel)