Das größte Erbarmen auf dieser Welt ist … die Unfähigkeit des menschlichen Geistes, all seine Inhalte miteinander in Verbindung zu bringen.

(H.P. Lovecraft)

Die Arbeiten von József Csató entwickeln eine Spannung zwischen dem, was wir begreifen können, und dem, was sich unserer Vorstellung entzieht. Auf einer einzigen Bildfläche begegnet uns eine Vielzahl von Objekten – anthropomorphe Figuren, Pflanzen, Lampen, Knochen, Pilze und Früchte –, die in einem Spiel zwischen Vertrautem und Fremdem interagieren. József Csatós Kosmos ist weder strikt figurativ noch gänzlich abstrakt; vielmehr entstehen aus seinen botanischen und amorphen Wesen paradeartige Kompositionen, die an kollektive Rituale, Prozessionen oder Demonstrationen erinnern. Hochhackige Stiefel werden zu Gliedmaßen, palmenartige Köpfe wiegen sich über Körpern mit gefäßförmigen Nasen, satyrischen Beinen und überzeichneten Gesäßen. Alles wirkt organisch, lebendig und zutiefst ambivalent, als seien die Figuren einer hybriden Ahnenreihe entstiegen, die gleichermaßen der Vergangenheit wie einer spekulativen Zukunft angehören könnte.

Während der Arbeit an diesem Text führte mich ein Besuch im Kunsthistorischen Museum vor den Fries des Ilissos-Tempels aus Athen (420 v. Chr.). Die in Stein gemeißelten Figuren schreiten über die Fläche, als befänden sie sich noch immer in Bewegung, gefangen zwischen Erzählung und Ornament. Ein ähnliches Gefühl kollektiver Bewegung belebt die Parade der Wesen in József Csatós Werk Even better times. In beiden Fällen entfalten sich die Figuren in einem kontinuierlichen Rhythmus über die Fläche, zeitlich suspendiert und doch voller Dynamik. Innerhalb dieser Prozession ist eine große Erzählung oder zahlreiche Mini-Geschichten präsent, ohne dass sie je eindeutig lesbar werden.

Dichte ist eine zentrale Eigenschaft von József Csatós Bildwelt. Seine Malereien wirken, als seien sie betreten, verlassen und erneut betreten worden. Man durchquert dasselbe visuelle Terrain mehrfach, verändert durch subtile Verschiebungen in Farbe, Form oder räumlicher Logik. Der Betrachter spürt, dass das Bild sein eigenes Werden durchlebt hat. Es trägt Spuren von Überarbeitung. Ohne auf konzeptuelle Weise selbstreferentiell zu sein, ist es einfach von seiner eigenen Geschichte bewohnt, dicht mit vergangenen Jetzt-Momenten, die noch nicht ganz losgelassen haben.

Als Betrachtende begegnet man keinem einzelnen Moment, sondern einer Ansammlung von Momenten innerhalb eines instabilen räumlichen Feldes. Tischplatten kippen, Vordergründe verschmelzen mit Hintergründen und Formen schweben ohne klare Verankerung. Dies sind keine realistischen Darstellungen, vielmehr konstruierte Umgebungen, in denen Hierarchien aufgehoben sind. Figuren existieren gleichberechtigt neben Objekten, Pflanzen, Früchten oder Lampen. Nichts ist zentral. Alles ist beteiligt.

In mehreren Werken ordnet der Künstler die Leinwände in dreieckigen Formationen, wodurch der Blick wie durch ein Fenster geöffnet wird, das teilweise von gestreiften oder gepunkteten Vorhängen verhüllt ist. Dahinter erscheinen Landschaften: vulkanische Berge, grüne Weiten und aufgehende oder untergehende Sonnen. An anderer Stelle beleuchtet eine Lampe ein wiederkehrendes Vokabular: Hüte, Vasen, Früchte, Eier, totemartige Hybride und biomorphe Gestalten. Dieses Lexikon wirkt zugleich zutiefst persönlich und archaisch, als stamme es aus einem inneren Archiv von Bildern, die sich über die Zeit angesammelt haben.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lösen sich in diesem Universum auf. Genau diese Gleichzeitigkeit verleiht den farbintensiven Werken ihre Lebendigkeit. So wie das Sehen durch verschiedene optische Linsen wechselt, scheint der Künstler durch Schichten von Farbe, Form, Struktur und Raum wahrzunehmen. Innenräume gleiten in Landschaften über. Gärten verhalten sich wie Räume. Konventionelle Unterscheidungen zwischen Innen und Außen, Nah und Fern, Intim und Monumental lösen sich ineinander auf.

Diese Neigung zum skulpturalen Denken – Figuren, die wie aus Farbe gemeißelt erscheinen, und gemalte Formen, die in Skulpturen übergehen – verstärkt die Grenzqualität der Arbeiten. In Anlehnung an H.P. Lovecraft, wo der tote Cthulhu in seinem versunkenen Haus in R’lyeh träumt, bewohnen auch József Csatós Werke einen Schwellenraum, der zeitlos, oft unbeschreiblich, fremd und zugleich unheimlich vertraut wirkt. Seine Kunst verweist auf Zivilisationen, die längst verschwunden sind oder noch gedacht werden müssen. Komplexität, Mehrdeutigkeit und Spiel existieren nebeneinander. Die Werke bieten einen Raum, in dem das Unbekannte akzeptiert werden kann.

Die amerikanische Künstlerin Lee Lozano beschrieb 1971 einen vergleichbaren Eindruck: „Es ist kein lineares Denken, sondern eher wie kosmische Stürme, die überall gleichzeitig sind.“ Dieses Bild dichter, vielschichtiger Bewegung beschreibt József Csatós Arbeiten in besonderer Weise.

(Text von Barbara Horvath)