Die Zander Galerie freut sich, Full moon party zu präsentieren, die erste Ausstellung des mexikanischen Künstlerinnenduos Lake Verea in der Galerie. Die Präsentation versammelt zentrale Arbeiten aus ihrer seit 2011 fortgesetzten Serie DarkRooms und lädt die Betrachtenden als Gäste einer nächtlichen Party in den Ausstellungsraum ein.

Mit verschiedenen Kameras und Formaten – analog wie digital – erkundet Lake Verea ikonische Bauten der Moderne unter den Bedingungen der Dunkelheit und im reflektierten Licht des Vollmonds. In Langzeitbelichtungen und einer Praxis der „slow photography“ lässt sich das Duo auf ein Experimentieren mit deep time ein, auf der Suche nach „intimacy and sexiness“. Ihre Aufnahmen offenbaren Stimmungen und räumliche Erfahrungen, die bei Tag nicht sichtbar sind. Die Arbeiten verlagern den Blick von architektonischen Formen hin zum subtilen Wechselspiel von Licht, Schatten und Zeit.

Die Ausstellung umfasst Nachtansichten kanonischer Gebäude des 20. Jahrhunderts, entworfen von Luis Barragán, Philip Johnson, Richard Neutra, Albert Frey und Lawrence Kocher. Lake Verea eröffnen ein Erlebnis im Dunkel und ermöglichen es, die Architekturikonen so zu erkunden, wie ihre Bewohner sie einst erfahren haben mögen: in der Stille, bei Nacht, durch Schatten tastend. Die vielfach fotografierten Bauten, die üblicherweise im Tageslicht festgehalten werden, erscheinen hier als intime, beinahe filmische Räume, in denen das Mondlicht mit den architektonischen Elementen in Resonanz tritt und völlig neue Wahrnehmungsweisen eröffnet.

Ausgangspunkt der offenen Serie DarkRooms war das 1947 fertiggestellte Haus und Atelier von Luis Barragán in Mexiko-Stadt. Lake Verea fotografierten den persönlichen Wohnraum des Architekten als Hommage an die Stille und die kostbaren Momente der Einsamkeit, die er während seiner vierzig Jahre dort erlebt haben muss. Über zwei Jahre lang fingen die Künstlerinnen die Farben der Straßenlaternen ein, die durch die Fenster drangen, sowie die Texturen des Mondlichts, das Möbel und Bücher umhüllte … Die Vision eines Hauses, das Barragán für Barragán gebaut hat.

Philip Johnsons Brick house (1949) ist ein Gästehaus, das nur 25 Meter vom berühmten Glass House entfernt liegt, wo Johnson und sein Lebenspartner jahrzehntelang lebten und prägende Persönlichkeiten aus Kunst, Architektur und Kultur empfingen. Als provokanter wie einladender Rückzugsort war das Brick House Schauplatz von Performances, Tanz und Partys jeder Art – ein Epizentrum der amerikanischen Avantgarde.

Im Gegensatz zur häuslichen Wärme und Lebendigkeit der anderen Häuser repräsentierte das Aluminaire house (1931) von Albert Frey und Lawrence Kocher einen revolutionären Entwurf: ein maßstabsgetreues Modell für seriellen Wohnungsbau in den USA. Ursprünglich in zehn Tagen errichtet, wechselte das Aluminaire House mehrfach Standort und Eigentümer und ist heute Teil des Palm Springs Art Museum. Fotografiert wurde ausschließlich die Außenfassade – das Mondlicht erzeugt dabei graffitihafte Reflexionen auf der Aluminiumoberfläche, und die beleuchteten Schrauben erscheinen wie das Bild eines Sternenhimmels.

In der Wüstenlandschaft gelegen, wurde das Kaufmann house (1946) bei Richard Neutra als Winterresidenz in Auftrag gegeben. Das Gebäude wurde in die Landschaft eingepasst, wodurch eine Spannung zwischen dem gebauten Raum und seiner natürlichen Umgebung entsteht. In Lake Vereas mondbeschienener Darstellung verwandelt sich Neutras Bau: Er leuchtet wie eine Zeichnung aus Licht, ganz im Einklang mit der umgebenden Nachtlandschaft – und in deutlichem Kontrast zu seinem Erscheinungsbild bei Tag.

Das Albert Frey house II (1964) war zum Zeitpunkt seiner Errichtung das höchstgelegene Gebäude im Tal. Der Standort war dem Architekten so wichtig, dass er den Bau um einen Felsblock herum anlegte, der nun mit ihm koexistiert – halb drinnen, halb draußen. Die Farben der Räume und Stoffe orientieren sich an der Flora und den Mineralien der Umgebung, während die Glaswände den Bewohnenden erlauben, Sonnen- und Monduntergänge zu genießen – auf den Millimeter genau ausgerichtet, um das visuelle Erlebnis zu intensivieren. Lake Verea halten die Architektur nicht nur in der Dunkelheit, sondern auch im Raum fest und verewigen einen singulären Moment, in dem die Positionen von Mond, Sonne, Erde und den Künstlerinnen gleichermaßen eine Rolle in der Full moon party spielen.

Die Ausstellung reflektiert über Wahrnehmung, Innerlichkeit, Einsamkeit, Stille und das transformative Potenzial des Lichts – oder dessen Abwesenheit – und lädt die Betrachtenden ein, der Architektur jenseits ihres vertrauten Bildes zu begegnen. Dieser beinahe meditative Prozess kontextualisiert ikonische Architektur des 20. Jahrhunderts neu als poetische Erkundung des Zeitvergehens. Ausgehend von den Vermächtnissen Barragáns, Freys, Neutras und Johnsons, verdichtet sich hier eine persönliche Suche nach Augenblicken der Freude in der Nacht und nach der Freiheit des Verweilens – um „hautnah“ die Glückseligkeit, die Geheimnisse und den Zauber zu erleben, die diese Gebäude in sich tragen.

Entstanden aus einer taktilen Begegnung zwischen dem menschlichen Körper und der architektonischen Oberfläche, spielen die Künstlerinnen mit Selbstporträts innerhalb der Räume. Die fotografischen Arbeiten werden mit Frottagen kombiniert – oder „Frottografie“, wie Lake Verea es nennen: ein hybrides Medium, in das sich Spuren der Gebäudeoberfläche einprägen und ihre Auseinandersetzung mit den Fragen vertieft, wie der Körper Eindrücke aufzeichnet und wie Berührung unser Verständnis von Architekturgeschichte zu verändern vermag. Lake Verea integrieren ihre eigene performative und visuelle Präsenz, bringen die Freude des Entdeckens in die Arbeit ein und verleihen ihr eine affektive wie sinnliche Dimension.

Full moon party – durch die Linse von Lake Verea betrachtet – ist eine Einladung, einen Raum der Intuition zu betreten, in dem moderne Architekturmonumente keine starren historischen Objekte mehr sind. Sie werden zu lebendigen Gastgebern, die uns in ihre privaten, nächtlichen Welten einlassen.