Die Zander Galerie freut sich, die erste Einzelausstellung mit Fotografien des US-amerikanischen Künstlers Clark Winter in Deutschland zu präsentieren. Die Auswahl fokussiert Schwarz-WeißArbeiten aus den 1970er Jahren und wird durch einige spätere Werke ergänzt. Die Bilder umspannen flüchtige Blicke und Gesten ebenso wie alltägliche Gegenstände und jene ganz besondere Atmosphäre, die manchen Orten innewohnt. Ob Winter die Eigenheiten urbaner und ländlicher Räume im Amerika der 1970er Jahre in den Blick nimmt oder die bedächtigeren Rhythmen des südeuropäischen Lebens in seiner Bildsprache spürbar werden lässt – seine Fotografien sensibilisieren für eine offene Form visuellen Erzählens.
Clark Winters Ansatz ist beobachtend und empfänglich gegenüber dem menschlichen Schauspiel vor seiner Kamera. Er ist vertraut mit den Formen der Alltagsarchitektur und sich der Traditionen seines Mediums bewusst. Einflüsse von Walker Evans, Robert Frank, Lee Friedlander und anderen amerikanischen Fotografen der vorangegangenen Generation durchziehen sein Werk.
Viele der frühesten Arbeiten Winters kreisen um das Sehen: Wir schauen auf Momentaufnahmen von Menschen, die etwas oder jemanden ansehen – auch wenn das Objekt ihres Blicks für die Betrachtenden nicht immer sichtbar ist. Sie sitzen in einer Bar, fahren U-Bahn, besuchen den Jahrmarkt. Die Blickachsen bauen eine Dynamik von Beziehungen auf, welche oft im Vagen bleibt. Die kompositorische Klarheit verstärkt diese Bedeutungsoffenheit noch, die bisweilen eine leise Absurdität annimmt. In einer Fotografie steht ein Pferd in der Mitte einer Weide, weiter hinten steht ein weißes Auto. Durch die Perspektive auf nahezu gleiche Größe gebracht und auf derselben Linie ausgerichtet, erscheinen ihre Profile in einer sonderbaren Entsprechung.
Als Winter beruflich nach Europa reiste, begegnete er den alten Städten Italiens und Spaniens – einer Welt, die sich grundlegend von der amerikanischen Landschaft mit ihrer auf das Automobil ausgerichteten Infrastruktur und den ausladenden Wohngegenden unterschied. Diese kulturellen Unterschiede schreiben sich in die Formensprache seiner europäischen Fotografien ein, die eine grafische Qualität entwickeln: enge, verwinkelte Gassen, mächtige Schatten schneiden diagonal ins Bild, Passanten wahren Distanz, und Autos wirken wie kleine, auf Effizienz geschrumpfte Kisten. Mitunter überlagern Schilder Teile des Bildraums – Pizza, Pucci, Gucci, Eden – in fetten Großbuchstaben vor bescheidenem Hintergrund.
In den USA hingegen fotografierte Winter häufig durch das Seitenfenster seines Autos, verlangsamt an einer Ampel oder hält kurz an, um eine unerwartete Szene festzuhalten. Gelegentlich bietet sich ihm dabei die Gelegenheit, eine Person im Wagen neben ihm aus beinahe unbehaglicher Nähe zu fotografieren: Eine Frau fährt mit Lockenwicklern im Haar, ohne zu ahnen, dass sie fotografiert wird, den Blick geradeaus auf die Straße gerichtet. Das Bild vermittelt den Eindruck, als behandle sie das Auto als Erweiterung ihrer häuslichen Umgebung, vollkommen unbekümmert um den öffentlichen Außenraum – genau diesen Moment der Selbstvergessenheit hält Winter fest.
Die Betrachtenden dieser Ausstellung sehen Momente der Ambiguität – visuelle Anfänge der Untold stories, die jede und jeder für sich weiterdenken darf. Durch alle Bilder zieht sich dabei eine stille Freude darüber, dass die Welt, so man ihr mit offenen Augen begegnet, in ihren unerwarteten Begegnungen und Augenblicken immer neu und unerschöpflich ist.
















