Mit der Ausstellung Popcorn und saure gurken präsentiert der 69salon by Kornfeld vier internationale Künstlerinnen, die sich auf unterschiedliche und tiefgründige Weise mit dem Akt des Sehens und Betrachtens in unserer von Bildern geprägten Welt auseinandersetzen.

Der Titel spielt bewusst mit einem Gegensatz: Popcorn symbolisiert die süße Verführung des Mainstreams und die Schaulust des großen Kinos, während „saure Gurken“ für eine andere, unbequemere Perspektive stehen – ein Kino jenseits von Hollywood, vielleicht osteuropäisch, peripher und widerstrebend. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Anziehung und Irritation, Nähe und Distanz, bewegen sich die Werke von Eugénie Didier, Roxana Halls, Christine Brey und Viktoriia Oreshko.

Ihre Gemälde und Zeichnungen verbinden malerische Präzision mit einer fesselnden, cinematischen Atmosphäre. Die Arbeiten wirken wie Szenen aus Filmen, die nie vollständig erzählt werden, und eröffnen so einen weiten Raum für die eigene Interpretation. Im Zentrum steht dabei eine grundlegende Frage: Wie verändert sich unser Blick in einer Welt, die von der permanenten Sichtbarkeit in sozialen Medien und einer neuen Ökonomie der Aufmerksamkeit geprägt ist?

Die Künstlerinnen hinterfragen klassische Sehgewohnheiten und eröffnen neue Perspektiven, indem sie den historisch männlich dominierten Blick nicht wiederholen, sondern das Schauen selbst neu erfinden:

In den fotorealistischen Arbeiten von Viktoriia Oreshko werden alltägliche Objekte zu stillen Trägern von Erinnerung und Geschichte. Sie sprechen stellvertretend für jene, die abwesend sind, und geben in Zeiten der Destabilisierung Halt, ohne den voyeuristischen Blick des Betrachters je vollständig zu befriedigen.

Eugénie Didier zeigt Körper, aber keine Gesichter. Ihre fragmentierten Darstellungen sind eine radikale Geste in einer von Selfies dominierten Bildkultur. Anders als der klassische männliche Blick, der den weiblichen Körper zur Sexualisierung zerlegt, zielt Didiers Fragmentierung auf Universalität und Identifikation.

Roxana Halls inszeniert in ihren Ölgemälden genau das, was der Blick begehrt, und führt es ad absurdum. Aus queerer Perspektive entlarvt sie den Blick als Konstruktion und zeigt Geschlecht als das, was es ist: Maskerade, Performance und wiederholte Geste.

Die atmosphärischen Graphitzeichnungen von Christine Brey schaffen intime Szenen von großer Nähe, die den Betrachter zum Teil einer Begegnung machen. Sie kehrt die Hierarchien des Blicks um und schafft eine genuin weibliche Perspektive, die den konsumierenden Voyeurismus verweigert.

So entsteht eine Ausstellung, die nicht nur Bilder zeigt, sondern das Sehen selbst zum Thema macht. Sie fragt, was geschieht, wenn Frauen die Regie übernehmen und den Pinsel führen. Die Antwort liegt in vier kraftvollen Positionen, die einen teilnehmenden anstelle eines hierarchisierenden Blicks erzeugen – einen Blick, der berührt, statt besitzt.