Im Sudan ereignet sich derzeit die größte humanitäre Katastrophe der Welt. Jeden Tag lesen wir erschütternde Nachrichten über den Konflikt im Nahen Osten und den Ukraine-Krieg, und dabei wird proportional weniger über Subsahara Afrika berichtet, so dass andere Regionen der Welt oft vergessen werden. Liegt es daran, dass die Situation dort als hoffnungslos erscheint, in dem Sinne, dass die Mehrheit der Menschen Sudan als ein per se chaotisches, undemokratisches und gewalttätiges Land betrachtet? Oder sind internationale Nachrichtendienste immer noch zu westlich geprägt und fokussieren sich daher auf Konflikte, die einem näher und unmittelbarer erscheinen? Jedenfalls scheinen auf dem ersten Blick nur wenige nationale Regierungen ein Interesse daran zu haben, sich für die Menschen vor Ort im Sudan einzusetzen, so dass die humanitäre Lage weitgehend von internationalen Hilfsorganisationen wie UNICEF, Caritas oder die Welthungerhilfe abhängt.
Der Krieg im Sudan hält seit über drei Jahren an und bringt weitgehende humanitäre und wirtschaftliche Folgen mit sich. Über 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht und zwangsläufig hat der Krieg zu einer enormen Zunahme von Gewalt und Armut geführt. Auf den sozialen Medien sieht man TikTok-Videos von Kindersoldaten, die durch die von der rebellischen Miliz RSF (“Rapid Support Forces”) eingenommene Stadt Babanusa laufen, und dabei durch die Gegend schießen, ein trauriges, aber deutliches Zeichen von Menschenrechtsverletzungen und andauerndem Ausnahmezustand.
Daneben wird über Frauen berichtet, die auf der Straße entbinden müssen, weil eine angemessene Gesundheitsversorgung praktisch nicht mehr existiert. In diesem Zusammenhang werden die desaströsen Konsequenzen der entwicklungspolitischen Kürzungen der US-Regierung von Donald Trump deutlich, die mit wegfallenden Mitteln für die UNFPA, die UN-Agentur für sexuelle und reproduktive Gesundheit, einhergehen. Aber auch die deutsche Regierung hat zwischen 2022 und 2026 die Gelder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um 30% gekürzt. Fakt ist, dass schätzungsweise seit Beginn des Krieges 150.000 Menschen getötet wurden und der Konflikt als aktuell größte humanitäre Katastrophe der Welt eingestuft wird (UN OCHA, Amnesty International). Daher ist es unerlässlich, sich mit diesem Krieg auseinanderzusetzen.
Grundsätzlich geht es um einen innerstaatlichen Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den bereits erwähnten paramilitärischen Kräften (RSF). Die Ursprünge dieses Konfliktes reichen bis ins Jahr 2019, als der autoritäre Präsident Omar al-Bashir gestürzt wurde. Die Eskalation erfolgte 2023 mit dem Beginn des Machtkampfes zwischen SAF und RSF. Dieser Machtkampf hält bis heute an, mit Kämpfen die sich stark auf Regionen wie Darfur, Kordofan und den Blue Nile konzentrieren. Beide Seiten setzen zunehmend Drohnen und Luftangriffe ein und sowohl regionale Sicherheitsinteressen als auch internationale Einflussfaktoren spielen eine zunehmend große Rolle. Beispielsweise gilt Ägypten als wichtiger Unterstützer der regulären Armee aufgrund von strategischen Interessen am Nil und Stabilität an der Grenze.
Die Vereinigten Arabischen Emirate werden international häufig mit Unterstützung der RSF in Verbindung gebracht, das bestreitet das Land jedoch offiziell. Auf internationaler Ebene versuchen die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union Friedensverhandlungen zu koordinieren, stoßen aber immer wieder auf eine fehlende Kompromissbereitschaft der Konfliktparteien. Weder Russland noch die USA oder die EU haben einen direkten Einfluss auf den Verlauf des Krieges, wobei alle aufgrund von wichtigen Rohstoffen wie Gold und dem Zugang zum Roten Meer strategische Interessen haben.
Laut einem Interview von Amnesty International mit dem südsunanesischen Rechtsanwalt George Tai stellt der Krieg eine existenzielle Bedrohung für den Südsudan dar: „Die aktuelle Lage ist auch dramatisch, es gibt außergerichtliche Hinrichtungen, der Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft schwindet, ihre AkteurInnen sind inhaftiert“. Es gibt immer mehr Berichte von Vergewaltigungen und die Anzahl der vertriebenen Menschen steigt. Seit 2019 sind es 1,7 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Nicht nur aufgrund des Krieges, sondern auch weil Dörfer, Äcker und Infrastruktur von Überschwemmungen zerstört wurden.
Sudan ist eines der Länder, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen ist (Germanwatch, Climate Risk Index). Neben Überschwemmungen stellen auch Dürren ein großes Problem dar und verschlimmern die Hungersnöte. Die sudanesische Klimaaktivistin Nisreen Elsaim berichtete in einem Interview mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ausführlich über die Konsequenzen des Klimawandelns in Sudan: “Es ist sehr frustrierend, weil jetzt über den Klimawandel in Sudan nicht mehr diskutiert wird. Aber ich weiß, dass der Klimawandel nicht wartet, bis der Krieg zu Ende ist. Wir haben vergangenes Jahr mit einer Dürre gerechnet und sie ist auch eingetreten. Sudan steht jetzt vor einer großen Hungersnot, und zwar aus zwei Gründen: wegen des Klimawandels, aber natürlich auch wegen der Kämpfe.” Es wird also deutlich, dass der Krieg im Sudan nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern eng mit den Folgen des Klimawandels verbunden ist, die bestehende humanitäre Krisen zusätzlich verschärfen und Millionen Menschen die Lebensgrundlage entziehen.
Schlussendlich ist es essentiell, dass sich mehr Menschen über diesen Konflikt informieren und der Druck auf die Kriegsparteien erhöht wird. Denn ohne internationale Aufmerksamkeit und politischen Druck besteht die Gefahr, dass sich die humanitäre Katastrophe weiter verschärft und noch mehr Menschenleben verloren gehen, während der Konflikt im Sudan im Schatten anderer Krisen weiter eskaliert.















