Jedes Jahr kehren wir zu dieser Geste zurück.
Eine Gruppenausstellung mit Künstlerinnen – nicht als Statement, sondern aus Notwendigkeit.

Im Jahr 2026 fällt diese Rückkehr mit einem Wendepunkt zusammen. La vie en rose mit Maike Freess, Barbara Boekelman, Mana Urakami und Clara Tournay ist die erste Ausstellung unter dem Namen Luisa Catucci Contemporary und markiert den Übergang von der ehemaligen Luisa Catucci Gallery.

Was einst als klassische Galerie operierte, hat diese Haut bewusst abgelegt. Luisa Catucci Contemporary versteht sich nun als erweiterte Plattform für zeitgenössische Kunst – verankert in Ausstellungen, getragen von langfristigen künstlerischen Beziehungen und geöffnet hin zu Wissensaustausch, gemeinsamer Praxis und Community-Building. Masterclasses, Kurse und Begegnungsformate sind keine Nebenprojekte mehr, sondern integraler Bestandteil einer Haltung, die Kunst als etwas Begreifbares, Vermittelbares und Kollektiv Getragenes versteht.

Innerhalb dieses erneuerten Rahmens entfaltet sich La vie en rose nicht als Thema, sondern als Puls. Rosa durchzieht die Ausstellung wie ein Bindegewebe – nicht dekorativ, nicht beiläufig, sondern beharrlich präsent.

In der Kunstgeschichte war Rosa nie unschuldig. Als aufgehelltes Rot entstammte es einst dem Fleischlichen, der Vitalität, der spirituellen Verkörperung und erschien in der religiösen Malerei als Farbe der Inkarnation, nicht des Geschlechts. Im Rokoko entfaltete es sich in Übermaß und Lust – Seide, Haut, Ornament, Begehren –, eine Machtfarbe im Gewand der Raffinesse. Erst später, mit dem Aufstieg bürgerlicher Normen, industrieller Produktion und Konsumkultur, wurde Rosa diszipliniert: zum Symbol von Weiblichkeit, Süße und Anpassung. Eine Farbe, die sich zu fügen hatte – wie ein Geschlecht sich zu fügen hatte.

Hier tut sie das nicht.

In den Arbeiten von Maike Freess, Barbara Boekelman, Mana Urakami und Clara Tournay – in Malerei, Zeichnung, bestickter Fotografie und Skulptur – verdichtet sich Rosa, färbt, unterbricht. Es trägt Zartheit ohne Unterwerfung, Intimität ohne Fragilität. Stärke hebt Sanftheit nicht auf; sie schärft sie.

Der Titel erinnert an das durch Édith Piaf unsterblich gewordene Lied, deren Leben weit von romantischer Verklärung entfernt war. Geprägt von Entbehrung, Exzess, Verlust und unermüdlichem Überleben verkörperte Piaf eine Resilienz, die der Ausstellung ihren Unterton verleiht: Sanftheit als Ausdauer, Schönheit als Beharrlichkeit.

Der französische Titel verweist zugleich leise auf einen persönlichen Übergang – den jüngsten Umzug des Ausstellungspartners Mario Bermel, ehemals Berliner Galerist, nun in Paris ansässig. Ein Übergang statt ein Abschluss, spiegelnd die Bewegung der Ausstellung selbst: weg von zugeschriebenen Bedeutungen hin zu selbst beanspruchten Narrativen.

Paris erscheint erneut – biografisch bei Maike Freess, die dort studierte und ihren künstlerischen Weg maßgeblich prägte, sowie bei Clara Tournay, deren Praxis sich aktuell in Paris formt. Doch die verbindende Kraft der Ausstellung bleibt Rosa.

Hier ist Rosa befreit von Infantilität, von zugeschriebenen Geschlechterrollen, von marketinggetränkter Süße. Gelöst von Erwartung wird es zur Farbe, durch die Stärke und Widerstandskraft leise sichtbar werden – nicht als Ausnahme, sondern als geteilte Bedingung. Rosa trägt hier Erfahrung, Ausdauer und Persistenz, ohne sich erklären zu müssen. Es ist weder dominant noch demonstrativ. In manchen Arbeiten erscheint es kaum, in anderen verweilt es – schlicht gegenwärtig. Es muss nicht laut sein, um zu wirken – wie die Stärke, die es spiegelt.

Diese Ausstellung spricht von einer Resilienz, die für sich steht: ohne Pathos, ohne Opposition, ohne Rückgriff auf ererbte Klischees. Eine Stärke, die gereift ist – ruhig, selbstbewusst, vollständig.

Maike Freess begreift die menschliche Figur als bewegliches Terrain. Vor schwarzem Grund – erinnernd an die Dunkelheit des Universums, ein Feld unsichtbarer Materie – erscheinen, lösen und rekonfigurieren sich Körper, gleitend von Figuration in Abstraktion. Sichtbarkeit bleibt instabil, oszillierend zwischen Präsenz und Verschwinden. Die feinen weißen Linien ihrer Zeichnungen umkreisen die Figuren wie energetische Photonen – Spannungsbahnen, die Form aus dem Nichts schneiden. Innerhalb dieser kontrollierten Konstellation greift Farbe präzise ein: Rosa, ruhig und entschieden zugleich, entzündet die Komposition mit Leben und materieller Präsenz. Die in La vie en rose gezeigten großformatigen Zeichnungen und ausgewählten Arbeiten aus der Serie The inheritors folgen diesem kosmischen Gleichgewicht – fragmentierte Körper als Träger innerer Zustände, schwebend zwischen Kraft und Feinheit.

Barbara Boekelman arbeitet in einem Maßstab, der den Körper anspricht, bevor das Auge differenziert. Ihre großformatigen Gemälde entfalten sich als scheinbar abstrakte Felder, die Unmittelbarkeit verweigern; Figuration entsteht erst durch Zeit, Aufmerksamkeit und Nähe. Was zunächst als Geste erscheint, offenbart allmählich Spuren von Körpern, Präsenz und emotionaler Verdichtung. Ihr Pinselstrich ist entschieden und unruhig, getragen von kontrolliertem Chaos. Pastelltöne bilden einen aufgehellten Grund, kontrastiert von vibrierenden Partien und dem tiefen Schwarz der Kohle – eine Reibung zwischen Weichheit und Abrasion. Rosa wirkt als verbindendes Element: mal legt es sich wie eine Haut über die Oberfläche, mal steigert es sich zu rötlichen Spitzen, die Spannung und Leidenschaft markieren. Verletzlichkeit wird hier nicht inszeniert, sondern dem Material abgerungen.

Clara Tournay zeigt vier skulpturale Arbeiten im Zustand des Übergangs. Abstrakt in der Form, präzise in der Konstruktion, entfalten sie sich im Kontrast der Materialien: roher Stein und Marmor treffen auf Plexiglas und Polycarbonat, überzogen mit schillernden, erdölbasierten Reflexionsfolien. Festes steht neben Brechendem, Archaisches neben Industriellem. Die Skulpturen behaupten keine abgeschlossene Form, sondern registrieren Passage. Licht aktiviert ihre Oberflächen, verschiebt Wahrnehmung und destabilisiert die Grenze zwischen Materie und Erscheinung. Rosa ist hier nie Zentrum oder Auftrag; es erscheint als Reflex, als emanierte Aura – sichtbar nur im Zusammenspiel von Licht, Material und Bewegung. Ihre Arbeiten wirken weniger entworfen als gewachsen – in einem Zwischenzustand von Organischem und Konstruiertem, Mineralischem und Synthetischem.

Mana Urakami arbeitet im Raum des Verblassens. Fotografien – gefunden oder selbst geschaffen – begreift sie nicht als Dokumente, sondern als fragile Träger von Präsenz. Mit Handstickerei greift sie behutsam ein, lässt pastellfarbene Fäden leise über die Oberflächen wandern. Ihre Praxis ist von einer präzisen, achtsamen japanischen Sensibilität geprägt, in der Fürsorge selbst zur Geste wird. Nichts ist laut, nichts drängt. Die zarten Fäden lassen die Arbeiten wie verborgene Perlen hervortreten – langsam, im Austausch mit Zeit und Nähe. Geleitet von der Idee, dass der Mensch zweimal stirbt – physisch und durch Vergessen –, rettet Urakami Bilder, die aus dem Gedächtnis gefallen sind. Durch die Stickerei schenkt sie ihnen ein drittes Leben. Der Faden wird zur realen Verbindung: Stich für Stich bindet er das Verschwundene zurück in Sichtbarkeit und lässt die Bilder erneut atmen – bereit, wieder Erinnerung zu werden.