Zinnobjekte sind als integraler Bestandteil der europäischen Kulturgeschichte im Kunstgewerbe weit verbreitet und dennoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Kunstgewerbemuseum in Berlin widmet diesem Material eine Sonderausstellung in seiner Dependance im Schloss Köpenick, die dessen Verwendung vom Mittelalter bis in den Jugendstil nachzeichnet. Anhand von rund 100 Kunstwerken wird nicht nur die Entwicklung vom Sakralobjekt zum Gebrauchsgegenstand sichtbar gemacht, sondern auch die Vielschichtigkeit dieses oft unterschätzten Materials hervorgehoben.
Die Ausstellung richtet den Blick insbesondere auf die kunsthandwerklichen Qualitäten von Zinn und seine Rolle in unterschiedlichen gestalterischen Kontexten. Neben religiösen und alltäglichen Objekten wird auch die komplexe Verarbeitung des Materials in der Möbelkunst thematisiert. Dabei wird deutlich, wie Zinn über seine funktionale Nutzung hinaus als dekoratives Element eingesetzt wurde und zu einem wichtigen Bestandteil anspruchsvoller Gestaltung wurde.
Einer der bedeutendsten Vertreter dieser sogenannten Boullemöbel ist der Kunsttischler Johann Daniel Sommer, der Ende des 17. Jahrhunderts im württembergischen Künzelsau tätig war. In seinen Möbeln verbinden sich Schildpatt, Horn und Zinn zu einem reich gestalteten Dekor, das eine enge Nähe zur Malerei und Goldschmiedekunst aufweist und die hohe kunsthandwerkliche Qualität dieser Arbeiten unterstreicht.
















