And there is a breath,
inhale. Expire, and,
there is touch, oh
water body.(Conil)
Wann immer ich unter Wasser tauche, schließe ich meine Augen.
Nach Momenten erst wage ich es, sie zu öffnen, um die Partikel des Meeres, sein Salz, sein Mikroplastik, sein Phytoplankton in ihren kleinsten und feinsten Details zu erfassen. Diese, die ich von der atembaren Welt aus nicht wahrnehmen kann, sind nun nebelhafte Umwelt, die ich nach kurzer Zeit wieder verlasse, um Luft einzuziehen.
Conil vergegenwärtigt heute wie damals – im Jahr 2003, als Dörte Eißfeldt die Bilder an der südspanischen Costa de la Luz fotografierte – einen Blick zwischen der atembaren und der erstickenden Welt. Die Serie verfängt meine Blicke in eine auf- und abwandernde, sich bewegende Rastlosigkeit und gleichzeitig ist jedes einzelne Bild still, gebirgig, umarmend. Und in diesem Halten, wie Bergson über die Fotografie schrieb, ist das „Aufzeichnen der Metamorphose nicht gegeben”. Aber hat er auch den Schock in Folge eines abrupten Anhaltens der Welle bedacht? Diesen transformierenden Moment, in dem das Dokumentarische und das Erfindende eins sind in der Fotografie?
Im Wasser „geht es mir um das Zeugnis des Involviert-Seins, der Anwesenheit, des Kontaktes”, schreibt Eißfeldt zu Conil.
Zwischen mir, der Betrachterin, und den Prints bewegen sich die Staubpartikel in der leisen Luft. Ich sauge diese ein, schließe meine Augen und lasse das Nachbild von Conil sich aufbauen. Partikel in meiner Lunge, Wasser in meinen Augen. Wasser in der Kamera.
Photography and liquid intelligence, Jeff Walls Essay aus dem Jahr 1989, schiebt sich in meine Gedanken, unweigerlich. Beim Schreiben erkunde ich diesen, again, und mit noch immer geschlossenen Augen wispert Wall: „I think of this sometimes as a confrontation of what you might call the ,Liquid intelligence’ of nature with the glassed-in and relatively ,dry’ character of the institution of photography. Water plays an essential part in the making of photographs, but it has to be controlled exactly and cannot be permitted to spill over the spaces and moments mapped out for it in the process, or the picture is ruined. You certainly don’t want any water in your camera, for example!” Dörte Eißfeldt hat dies untersucht, indem sie sich und die Unterwasserkamera ins Meer tauchte und alles der transformierenden Kraft der Wellen aussetzte.
In der Arbeit verhandelt sie wieder und wieder unsere Wahrnehmung hin zum Fassbaren. Welle, Lichtblitze, nebelhaftes Gebirge, Natur in ihrer ganzen Unzuverlässigkeit, die Horizontlinie abgebrochen vom Ende des Films. Mattes Schwarz, schimmernder Lack. Im Jahr 2023 fuhr ich von der Beduinen-Stadt Tayma nach AlUla im nördlichen Saudi-Arabien. Ich erinnere mich an den Moment, als aus den ebenmäßigen, wüstenartigen Flächen die ersten Felsen auftauchten und ich das längst ausgetrocknete Meer vor mir sah. Erstarrte, riesenhafte Korallenriffe in ihren komplexesten Formationen ragten aus dem Sand. Ich konnte ohne zu ersticken die Unterwasserwelt erfassen. Sie birgt gigantische Zeugnisse eines Meeres, welches atembar geworden ist.
Im Galerieraum, vor den gerahmten Archiv-Pigment-Drucken der Serie Conil, kommt dieser so starke Eindruck zurück. Und aus den Werken, die auch Versalzen, Verschlucken, Spucken und Nasenblasen evozieren, steigt etwas weniger Sicherheit Ausstrahlendes auf.
Diese Verhandlungen, die Conil in mir auftun, liegen eben in der Transformation, die nicht so sehr innerhalb der Bildwelt der erstarrten Momente liegt, sondern sich durch den Raum schiebt und durch die eingeatmeten Partikel und die geschlossenen Augen ganz ins Innere des Körpers eindringt und einen Moment aus 2003 wieder erlebbar macht. Bis in das Morgen. In dieser Serie wird durch erstarrte Bewegung fassbar, was für die Kamera und für uns bedingt tödlich enden könnte und gleichzeitig das Zentrum allen Lebens ist. Meer. Metamorphose. Enfin.
(Text von Susanne Kriemann, Februar 2026)















