Sies + Höke freut sich, Kuriosität zu präsentieren, die erste Einzelausstellung des französischen Künstlers Laurent Le Deunff in der Galerie. Die Ausstellung vereint neue und aktuelle Arbeiten und wird von der einfachen, aber drängenden Frage geleitet: Was betrachten wir hier eigentlich?
Der Titel ist eine Anspielung auf die Wunderkammer, in der Objekte zwischen Wissen und Faszination oszillieren. Bei Le Deunffs Skulpturen handelt es sich gewissermaßen um Präparate: Sie wurden entdeckt und anschließend sorgfältig inszeniert, als wären sie Teil eines Dioramas. Diese Atmosphäre wird durch den Dialog zwischen den beiden Materialien Echt- und Kunstholz noch verstärkt. Die Technik wird hier zu einem Wahrnehmungsinstrument, das über die Funktion eines reinen Displays hinausgeht.
Eine zentrale Skulpturengruppe wurde aus einzelnen Baumstämmen geschnitzt. Le Deunff arbeitet allein und von Hand. Ausgangsmaterial sind Baumstämme, die er in den Wäldern rund um Bordeaux gesammelt hat. Er markiert jeden Stamm mit Holzkohle und teilt ihn in drei Segemente ein. Dann nimmt er seine Arbeit auf, ohne vorab festzulegen, was aus dem jeweils nächsten Segment werden soll. Eine Form führt zur nächsten, wodurch eine zeitgenössische, im Atelier entstandene Version des surrealistischen Cadavre exquis entsteht. Jede Skulptur besteht aus drei unterschiedlichen Segmenten, die übereinandergestapelt sind und Tiere, Pflanzen und Objekte in totemartigen Konstellationen vereinen.
Die Titel der Skulpturen bewahren die Namen der verwendeten Baumarten. Werke wie Aulne (Erle) oder Cèdre rouge (Rote Zeder) verweisen auf das jeweilige Ausgangsmaterial und unterstreichen, dass jeder Stamm seine eigene Geschichte hat. Dabei ist Vielfalt entscheidend: Verschiedene Hölzer haben unterschiedliche Maserungen, Dichten und Farben, die sowohl die Form als auch die Größe beeinflussen. Ein kleinerer Stamm erfordert Verdichtung, ein größerer bietet Raum für Weite. Zusammengenommen vermitteln die Schnitzereien den Eindruck eines „Waldes“ innerhalb der Galerie, der sich aus einzelnen Bäumen zusammensetzt und nicht einer abstrakten Vorstellung von Natur entspringt.
Le Deunff interessiert sich darüber hinaus für Techniken aus den Bereichen Kunsthandwerk und dekorative Kunst. Schon früh wandte er sich der Collage und dem Pappmaché zu und betrachtete das Handwerk nicht als Zierat, sondern als visuelle Strategie. Neben Skulpturen aus Massivholz präsentiert er Werke, die mit den im Frankreich des 19. Jahrhunderts beliebten dekorativen Techniken Rocaillage und Rusticage gefertigt wurden. Dabei wird Beton so bearbeitet, dass er wie Holz aussieht. Der Prozess beginnt mit einem Eisengerüst in Originalgröße, das nach bekannten Formen modelliert wird. Zwei Schichten Zement, gemischt mit Sand und Latex, trocknen langsam, sodass der Künstler sie mit Messern, Pinseln und anderen Werkzeugen bearbeiten kann. Anstatt Holz zu imitieren, reproduziert er dessen Logik von Schnitten, Rillen und Astlöchern, sodass die Oberfläche die Erinnerung an die Schnitzerei bewahrt.
















