Barbara Wien freut sich, Horizontal fold anzukündigen, Andreas Erikssons erste Ausstellung in der Galerie – realisiert in Zusammenarbeit mit neugerriemschneider, Berlin. Gleichzeitig wird bei neugerriemschneider die Ausstellung painting the path eröffnet: ein Dialog zwischen dem schwedischen Künstler Andreas Eriksson und dem koreanischen Künstler Kim Chong Hak. Horizontal fold ist eine umfassende Präsentation von Erikssons künstlerischem Werk, die neuere und für die Ausstellung entstandene Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Weberei und Skulptur sowie Publikationen des Künstlers aus mehr als zwei Jahrzehnten zusammenführt.
In Andreas Erikssons Werk kann ein Gemälde mit der Verhaltensweise des Materials beginnen, ein Aquarell kann zu einem Schatten werden, ein Fenster zu einem Gewebe, eine Landschaft zu einer Fotografie und einem Gemälde, eine Ausstellung zu einem Buch.
Es ist, als würde ich immer wieder über dasselbe sprechen – auf verschiedene Weise.
Im Südraum der Galerie bringt Eriksson Teile seines Hauses und seines Ateliers in Medelplana in Schweden in die Ausstellung. Eine Veranda aus durchscheinendem, gewebtem Woll-Damast hängt im Raum. Sie ist Teil von Huset lutar men gardinerna hänger rakt (2024) – Das haus neigt sich, aber die Vorhänge hängen gerade –, einer groß angelegten, aus 25 Teilen bestehenden Installation, die die Fenster und Türen von Erikssons Haus nachbildet. Der Titel ist einem Satz aus Thomas Bernhards Monologe auf Mallorca (1981) entlehnt. Die vollständige Installation wurde 2024 im Lillehammer Kunstmuseum in Norwegen präsentiert. Veranda (2026), ein neuer 6-teiliger Siebdruck im Maßstab 1:1, greift dieselbe Architektur auf. Die durch übereinanderliegende Schichten stark verdünnter Ölfarbe entstandene dunkle Oberfläche zeigt die Fenster der Veranda, Äste und die dahinterliegende Landschaft. Architektur, Bild, Innen- und Außenraum beginnen, sich zu überschneiden.
Als Eriksson im April 2026 in unserem Gespräch gefragt wurde, ob er sein Atelier in die Galerie bringen wolle, antwortete er:
Was ich hierher mitbringe, ist ganz und gar mein Zuhause. Ich meine, was sonst könnte ich bringen? Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Was soll ich sonst bringen? Es ist meine Umgebung.
In gewisser Weise ist es eine Landschaft und ein Porträt meiner Umgebung, aber irgendwie ist es auch eine Landschaft und ein Porträt von mir selbst.
In der gewebten Arbeit erinnern weiße Fäden und die Transparenz des Stoffes daran, wie man durch ein Fenster auf den Schnee blickt.
Es fühlt sich auch ein bisschen wie ein Traum an, als hätte man das Haus geträumt. Es ist wie ein Geist des Hauses.
In der Nähe stehen Bronzeskulpturen aus Erikssons fortlaufender Serie Content is a glimpse (seit 2003). Die Serie begann mit Vögeln, die tot aufgefunden worden waren, nachdem sie gegen die Fenster von Erikssons Ateliers in Medelplana geprallt sind. Die Spiegelungen der umgebenden Landschaft waren den Vögeln wie ein offener Raum erschienen. Eriksson konservierte ihre Körper und goss sie in Bronze. An anderer Stelle hat er beschrieben, dass sie den Fehler begangen hätten, an eine Illusion zu glauben – die Spiegelung der Landschaft im Glas. Der Vogel vertraut dem, was er sieht.
In unserem Gespräch erinnerte sich Eriksson an eine Beobachtung von Willem de Kooning: Ein Stock, der ins Wasser getaucht wird, erscheint durch die Lichtbrechung optisch gebrochen, obwohl wir wissen, dass er eigentlich unversehrt bleibt.
Man kann nicht einmal mehr von Illusion sprechen; es ist einfach eine Art zu sehen.
Der Fries Walking the dog (2026) wurde für den Nordraum der Galerie konzipiert und erstreckt sich über eine Länge von etwa 16 Metern durch den Raum. Die Arbeit vereint 15 Gemälde und elf Fotografien, die die Winterlandschaft rund um Medelplana zeigen. Malerei und Fotografie wechseln sich ab, ohne dass das eine als Schlüssel zum anderen dient. Eriksson experimentiert seit den 1990er-Jahren mit der Form des Frieses und beschreibt, dass er besonders interessiert sei an dem, was „zwischen Fotos und Gemälden geschieht“.
Unterschiedlich aussehende Dinge können zu einem ähnlichen Ergebnis führen.
Ich liebe die Verbindungen zwischen den Fotos und den Gemälden.
Ich versuche, das Gemälde zu entdecken, während ich daran arbeite.
Dann höre ich einfach hin und höre und höre. Und dann ist es plötzlich da. Es hat Gestalt angenommen.
Walking the dog ist den Fenstern der Galerie zum Schöneberger Ufer zugewandt. Eriksson fühlte sich bei der Konzeption der Ausstellung von der Korrespondenz zwischen seinem Fries und dem Ausblick aus dem Fenster auf den Landwehrkanal angezogen: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, ihn zu zeigen, weil mir der Fluss draußen gefällt – er steht also irgendwie im Dialog damit.“ Die Winterlandschaft von Medelplana gelangt in den Raum der Galerie, mit Blick auf das Wasser in Berlin, während sich draußen die Jahreszeiten vom Spätsommer über den Herbst bis in den Winter hinein wandeln. Eriksson sagt über die Darstellungen im Fries:
Das ist meine Außenwelt, vielleicht von meinem Haus aus gesehen.
Da ist also irgendwie wieder der Geist.
Seit etwa 25 Jahren läuft Eriksson fast jeden Tag denselben Weg rund um sein Haus in Medelplana. Normalerweise legt er diese Strecke zweimal am Tag zurück. Er braucht dafür etwa 27 Minuten.
Wenn jemand mal mein Fotoarchiv durchschaut, wird er immer wieder dasselbe, denselben Weg sehen, aber die Bäume sind größer.
Inzwischen habe ich eine ganz persönliche Beziehung zu jedem Stein und jedem Ast dort, zu jedem Baum.
Ich glaube, das hat auch sehr viel mit Kunst zu tun – damit, wie man sich zu Dingen in Beziehung setzt.
Ambitionierte Kunst ist das Schlimmste, finde ich.
Ich habe keine Mission. Ich möchte niemandem etwas vorschreiben.
Es geht einfach darum, meine Freude an der Arbeit im Atelier zu teilen und vielleicht irgendwie zu zeigen, wie es ist, ein Mensch zu sein.
Ich setze großes Vertrauen in die Natur.
Spaziergänge im Naturreservat Halla inspirierten auch die Werkgruppe Halla (2026).
Im Foyer der Galerie hängen Erikssons Bücher aus mehr als zwei Jahrzehnten von der Decke herab und bilden so eine schwebende Bibliothek.
Bücher begleiten die künstlerische Praxis von Andreas Eriksson von Beginn an und dienen nicht nur der Dokumentation, sondern sind auch ein anderer Raum, in dem Werke entstehen und erlebt werden. „Ich habe Ausstellungen in Buchform gemacht“, sagt Eriksson. Eine Publikation kann mit den Dimensionen einer Gruppe von Gemälden, einer Reproduktion, einer Sequenz oder einer Faltung beginnen:
Es ist genauso wie beim Malen. Es fängt damit an, wie man ein Buch falten oder wie man über die Bilder nachdenken und sich vorstellen kann, wie sie in dieser Größe aussehen würden.
Während einem Atelierbesuch in Medelplana scherzte Eriksson, als er die schiere Anzahl seiner Publikationen und Verlagsprojekte betrachtete, er halte die Druckereien auf Trab.
Anlässlich von Horizontal fold, Erikssons erster Ausstellung bei Barbara Wien, wird der Künstler eine Leporello-Ausgabe veröffentlichen, die auf der Grundlage von Walking the Dog entstanden ist. Sein Werk wird so – durch Faltung – in ein Buch verwandelt.
(Text von Alberto Morreo)
















