Danke, ich schlafe gut. Keine Sorge, ich schlafe sehr gut! Die Bettdecke ist so schwer, dass ich mich manchmal frage, ob nicht eigentlich sie es ist, die auf mir schläft. Und siehst du nicht, wie viele Kissen es sind? Mehr, als ein einzelner Kopf je brauchen könnte, so viele, dass ich manchmal nicht weiss, wo ich meinen Kopf ablegen soll. Das eine ist zu weich, das andere ist zu klein; wieder ein anderes hat einen Bezug, der auf der Haut kratzt und dann ist da noch eins mit einem hartnäckigen Geruch, als würde es sich an etwas erinnern, das ich längst vergessen habe. Was wäre, wenn ich, nur um keinen Fehler zu machen, meinen Kopf einfach gar nicht ablegen würde?

(Text von Margherita Martini)

Die Gemälde der Serie Danke, ich schlafe gut (2026) der Schweizer Künstlerin Klodin Erb bilden eine lose Topologie bewohnter Innenräume. In Öl auf schwarzer Leinwand – einem Bildträger, der nicht nur Hintergrund, sondern auch strukturelles Element ist – lassen die kleinformatigen Arbeiten Bilder aus einer traumartigen Tiefe hervortreten. Erbs räumliches Gespür ist zentral für die Serie. Betten, Vorhänge, Polstermöbel und Alltagsgegenstände sind in Räumen verteilt, die sich oft durch scharfwinklige Ecken definieren. Der Blick wird wie magnetisch angezogen. Es entsteht der Eindruck, in eine psychologische Welt einzutreten, die zugleich einer persönlichen wie kollektiven Traumlogik folgt. In dieser Szenografie koexistieren menschliche Figuren, Tiere, Mannequins und hybride Wesen in einem Zustand ontologischer Gleichwertigkeit, jeweils in Handlungen vertieft, die zwischen Selbstversunkenheit und Wiederholung oszillieren. Erbs bildnerische Sprache bewegt sich innerhalb einer figurativen Traditionslinie, die über den historischen Surrealismus und zeitgenössische Ausprägungen eines magischen Realismus hinausreicht. Ihre Methode, Formen aus der Dunkelheit ins Licht treten zu lassen, offenbart eine deutlich barocke Sensibilität und erinnert zugleich an die psychologischen Atmosphären von Künstlern wie Füssli, Böcklin und Redon; dabei evoziert sie symbolistische Bildwelten ebenso wie Anklänge an eine gotische Groteske.

Ihre Innenräume resonieren mit weiblichen Rekonfigurationen des Häuslichen als Raum von Spannung und Transformation, von den körperlichen Erzählungen einer Paula Rego bis zu den Kosmologien von Remedios Varo und Leonora Carrington. Anstatt die Eruption des Fantastischen zu inszenieren, kalibriert Erb den Status der Dinge neu: Ein Telefon wirkt plötzlich wachsam; ein Vorhang wird zur psychologischen Bühne; ein Bett bietet sich zugleich als Plattform und als Ort ausgesetzter Zeit an. Allmählich verschiebt sich das Vertraute ins Unheimliche - nicht durch den Schock plötzlicher Fremdheit, sondern durch die wachsende Vermutung, dass sich das Gewöhnliche von sich selbst entfremdet hat. Diese Sensibilität setzt sich im Ausstellungsraum fort, wo reale Möbel, Vorhänge und Tapeten mit Bettwäschemustern in Kontinuität mit ihren gemalten Gegenstücken treten und einen Zustand des Duchamp’schen Inframince erzeugen: ein minimaler, aber entscheidender Zwischenraum, vergleichbar mit der Wärme, die ein Kissen speichert. Diese Elemente erweitern den Blick auf die Architektur der Galerie und lassen sie vom Ausstellungsraum zur Bühne und zum bewohnten Zimmer werden.

Eine Auswahl früherer Arbeiten akzentuiert den Raum, darunter Werke aus der Serie Avatar (2020), deren schwebende, gesichtslose Köpfe die Interieurs der Danke, ich schlafe gut-Gemälde wie im Traum hervorzubringen scheinen. Ohne klare Physiognomie fungieren sie als Gefässe für Identifikation, Substitution und kollektive Projektion. In der Nähe evoziert ein frei im Raum schwebendes Nachthemd den abwesenden Körper, zu dem die gesichtslosen Köpfe gehören könnten. Die gespiegelten Avatare verschmelzen mit der Reflexion der Betrachtenden und gleiten zwischen Selbsterkennung und Entfremdung. Das „Ich“, das in Danke, ich schlafe gut aufgerufen wird, ist daher keine einzelne autobiografische Stimme, sondern eine wandelbare, geteilte Subjektivität, die sich von den Köpfen in eine psychische und soziale Landschaft ausdehnt.

Danke, ich schlafe gut. Oder zumindest glaube ich das. Wieder einmal hat heute Nacht jemand die Regeln ohne Vorwarnung neu geschrieben. Kleine administrative Ereignisse, über die keine Aufzeichnungen geführt werden: Stühle haben ihre Meinung geändert, Lampen meldeten sich freiwillig zur Nachtschicht, und Gedanken wechselten von einem Kopf in den anderen. Wir fanden uns am Tisch wieder. Du hast mir etwas Warmes gereicht – vielleicht ein Getränk, vielleicht ein Kaninchen – und dann blieben wir schweigend sitzen, während sich im Nebenzimmer jemand auf einen Termin vorbereitete, der bereits vorbei war. Um uns herum begann sich eine kleine, gefasste Menge zu versammeln. Ich vermute, sie erwarteten eine Ankündigung. Vielleicht von dir. Vielleicht von mir. Vielleicht von jemandem, der mir ähnlich genug ist, um meinen Platz einzunehmen, ohne einen Skandal zu verursachen.

Klodin Erb begreift ihre Räume als geschlossene Welten, in denen sich Identität verdoppelt, fragmentiert und mit beinahe theatralischer Logik gelegentlich selbst inszeniert: Ein Selbst flackert in einem Paar elegant gekleideter Beine auf, ein anderes lässt sich mit der ruhigen Autorität eines Papageis in einer Badewanne nieder. In diesen ironisch-oneirischen Mikroereignissen bewegt sich Identität wie ein Strom, und das Interieur wird zu einem Ort der Zirkulation statt Abgeschlossenheit. Das Gedächtnis folgt einer ähnlichen, eigensinnigen Logik. Es sammelt sich und fliesst zurück. Diese Bewegungen stossen an ein kollektives Unbewusstes aus archetypischen Resonanzen, die Körper und Generationen durchqueren und sich in Gesten, Haltungen und Wiederholungen einschreiben. Solche mnemonischen Spuren erscheinen in Erbs Gemälden häufig durch minimale Akte der Fürsorge, die das Häusliche als Ort fortwährender Selbst-Erhaltung kennzeichnen, an dem Identität und Erinnerung ständig gestützt und repariert werden.

Diese Dynamiken tragen eine konkrete autobiografische Dimension: die emotionale und praktische Verantwortung, eine Mutter durch eine Demenzerkrankung zu begleiten, und die fortwährende Strukturierung ihres täglichen Lebens. Von diesem intimen Ausgangspunkt aus beginnen sich Erbs Interieurs nach außen zu öffnen und eine breitere zeitgenössische Situation zu registrieren: Die Desorientierung des privaten Raums spiegelt eine allgemeinere Lage wider, in der grundlegende Strukturen des Zusammenlebens zunehmend instabil erscheinen und gemeinsame Orientierungsrahmen zu bröckeln beginnen. Fürsorge und Erinnerung, zunächst in persönlicher Erfahrung verankert, gewinnen dabei eine metaphorische Dimension und verweisen auf eine umfassendere Atmosphäre sozialer und kollektiver Verunsicherung. Private und öffentliche Unruhe stehen daher nicht im Gegensatz, sondern sind eng miteinander verwoben. Doch Erb dramatisiert diese Instabilität nicht; sie zeigt relationale Versuchsanordnungen, die ruhig und gefasst bleiben und in denen man aufgefordert sein kann, zu stützen oder gestützt zu werden, zu erinnern oder zu vergessen, Singular zu bleiben oder sich in Doppelungen aufzuspalten. Danke, ich schlafe gut. Ruhe? Beruhigung? Eine kleine Formel des Ausharrens, bis unters Kinn gezogen wie eine schützende Decke.

Danke, ich schlafe gut. Ich bewege mich durch Räume, die sich bereits an mich zu erinnern scheinen. Gegenstände begrüssen mich mit einer verdächtigen Vertrautheit: Eine Kerze neigt ihre Flamme, ein Vorhang atmet aus, und sogar ein Spiegel beschliesst, mich ungefragt zu verdoppeln. Ich betrachte mich, ich, nun in zwei geteilt. Eine Version von mir steht still und schaut zu, während die andere den Tag fortsetzt. Im Spiegelbild werden kurze Anleitungen zum häuslichen Überleben angeboten: wie man eine Decke glättet, wie man Gedanken stapelt wie empfindliches Geschirr. Wir wechseln uns darin ab, die Szene zusammenzuhalten. Ich lasse ein Stichwort fallen, und du entwickelst den Instinkt, es aufzufangen, bevor es den Boden berührt. Wir erinnern als gemeinsame Aufgabe, wie beim Tragen eines Möbelstücks eine Treppe hinauf. Schliesslich beginnt das Licht zu schwinden, und es ist Zeit, die Logistik des Schlafs zu verhandeln (wer schliesst zuerst die Augen?), bis wir uns in derselben Ruhe einfinden und die Nacht uns umschliesst wie ein gutsitzendes Kostüm. Danke, ich schlafe gut!