Die Galerie Max Hetzler, Berlin, freut sich, X-rated (1972–1974) zu präsentieren, eine Ausstellung von Gemälden und Arbeiten auf Papier von William N. Copley. Es ist die vierte Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie.

Copleys Zugang zur Malerei war ungewöhnlich: Bevor er Maler wurde, hegte er Ambitionen, Schriftsteller zu werden, und betrieb außerdem in den späten 1940er-Jahren für kurze Zeit eine Galerie in Beverly Hills, die sich auf den Surrealismus konzentrierte. Die Copley Galleries – die er gemeinsam mit seinem Schwager, dem Künstler John Ployardt, führte – brachten ihn in engen Kontakt mit im Exil lebenden Surrealisten wie Man Ray, Max Ernst und Marcel Duchamp sowie mit dem Kunsthändler Alexander Iolas, der ihn ermutigte, seine künstlerische Praxis weiterzuverfolgen. Um die Zeit der Schließung der Galerie nahm er die Signatur CPLY an und zeigte 1951 seine erste Ausstellung in einer Buchhandlung in Los Angeles, kurz bevor er nach Frankreich übersiedelte.

Obwohl er eine Generation jünger war als die Surrealisten, ist Copleys Werk auf konzeptueller wie persönlicher Ebene tief von dieser Kunstströmung geprägt. Zwar erinnern seine kräftigen schwarzen Konturen und sein autodidaktischer, figurativer Stil an Comics und die Pop Art, jedoch näherte er sich der Malerei mit einer literarischen Sensibilität und nutzte narrative Strategien, die sowohl surrealistische Prinzipien verkörperten als auch die strukturelle Entwicklung seiner Kompositionen vorantrieben. Wie viele Surrealisten verstand Copley Humor, Psychologie und Erotik als zentrale Bestandteile seines schöpferischen Prozesses; sein Umgang mit explizit sexuellen Sujets ging jedoch weit über deren spielerische Erotik hinaus.

In der Ausstellung sind Arbeiten aus Copleys innovativer Serie X-rated zu sehen, entstanden zwischen 1972 und 1975 und erstmals 1974 in einer gleichnamigen Ausstellung im New York Cultural Center präsentiert. Diese Werkgruppe greift auf erotische Bildwelten und ritualisierte Motive aus ‚Erwachsenenmagazinen‘ zurück und versucht – in den Worten des Künstlers – ‚die Barriere der Pornografie zu durchbrechen und in den Bereich der Freude vorzudringen‘.1 In einer Zeit, in der der Verkauf von Hardcore-Pornografie in den USA noch illegal war, kaufte Copley diese Magazine unter der Ladentheke, und nutzte sie als Inspirationsquelle für einfallsreiche figurative und narrative Gemälde, in denen er Erotik, sexuelle Machtverhältnisse und das Streben nach Lust untersuchte. In den ‚X-Rated‘-Gemälden entfaltet der Künstler ein breites Spektrum an Stimmungen: Einige, wie The seven year itch, 1973, wirken zärtlich; andere, darunter Viridiana, 1973, überschwänglich; und fast alle Werke sind von offenem Humor geprägt. Copley erklärte über die Unerschöpflichkeit sexueller Ausdrucksformen: ‚Das macht Sex so unterhaltsam: Da ihn eigentlich niemand wirklich versteht, sind die Möglichkeiten zur Originalität endlos.‘2

Bevor Copley mit einem Gemälde begann, fertigte er in der Regel vorbereitende Zeichnungen in zwei Phasen an: zunächst eine kleinformatige Studie, gefolgt von einer größeren Version, in der er die Komposition verfeinerte, Veränderungen einführte und die bildnerische Dynamik steigerte. Die daraus hervorgehenden Gemälde bewahren einen bewusst skizzenhaften, beinahe flüchtigen Stil; die Figuren sind locker behandelt und nicht minutiös ausgearbeitet. Die Ausstellung macht diesen Entwicklungsprozess durch mehrere Gegenüberstellungen von Vorzeichnungen und fertigen Gemälden sichtbar, darunter Calcutta, 1973, und das entsprechende Untitled, 1973.

Szenen von Kopulationen und Orgien sind vor leuchtend farbigen Hintergründen mit markanten, geometrischen Mustern inszeniert, wodurch sie – wie der Kritiker James R. Mellow bemerkte – beinahe ‚zu kunstvoll, um lüstern, geschweige denn lasziv zu sein‘ erscheinen.3 Sowohl diese Behandlung der Hintergründe als auch die verschlungenen, verdrehten Körper mit ihren verlängerten Gliedmaßen und schematischen Umrissen haben Kritiker wiederholt veranlasst, eine Verbindung zwischen Copley und Henri Matisse herzustellen. Während Darstellungen des Aktes und sexueller Motive in der Kunstgeschichte traditionell auf Andeutung und Idealisierung beruhen, zeigt Copley den sexuellen Akt unmittelbar und unverhüllt – nichts bleibt der Fantasie überlassen.

Mit Titeln, wie Les quatre cent coups, The exorcist oder Tobacco road, die Hollywoodfilmen entlehnt sind, milderte Copley die Schockwirkung des pornografischen Bildes durch komödiantisches Spiel und popkulturelles Gespür. In einer surrealistischen Verschiebung stehen die Filme selten in direktem inhaltlichem Zusammenhang mit den dargestellten Szenen, doch setzen die Titel beim Betrachter eine Kaskade von Assoziationen in Gang. Auch der Titel der Serie greift auf Terminologie aus der Filmindustrie zurück: Bis in die 1990er-Jahre wurde die Bezeichnung ‚X-rated‘ in den USA für Filme verwendet, die ausschließlich für Erwachsene geeignet waren. Trotz warnender Hinweise, dass manche Besucher den Inhalt als anstößig empfinden könnten, wurde die Ausstellung 1974 im Cultural Center – kuratiert vom neu ernannten und bemerkenswert progressiven Direktor Mario Amaya – von der Kritik ausgesprochen positiv aufgenommen. Der Art in America-Autor Peter Schjeldahl würdigte die Präsentation als ‚durchweg großartige Ausstellung‘ und stellte fest, sie markiere ‚eine äußerst befriedigende Weiterentwicklung in Copleys Werk‘.4

Die Serie ‚X-Rated‘ stellt ein singuläres Kapitel in Copleys Œuvre dar, bewusst abgesetzt von den vorherrschenden Strömungen der frühen 1970er-Jahre. Selbst in unserer heutigen, von Zensur weitgehend befreiten und bildergesättigten Welt bewahren Copleys suggestive Leinwände ihre subversive Kraft. Indem er Kunst und Erotik miteinander verschmolz, stellte Copley konservative Normen infrage und verwarf die Vorstellung künstlerischer Neutralität zugunsten von Direktheit und Humor – moralische Beschränkungen wichen einer offenen, unverstellten Bildsprache.

Notizen

1 W. N. Copley, ‚CPLY: An Interview by Sam Hunter‘, in William N. Copley: selected writings, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2020.
2 W. N. Copley, ‚A Conversation with William Copley by Alan Jones‘, in ibid.
3 J. R. Mellow, ‚The X-Rated World of William Copley‘, in The New York times, 30. März 1974.
4 P. Schjeldahl, ‘William Copley at N.Y. Cultural Center’, in Art in America, Mai–Juni 1974.