Die Galerie Max Hetzler freut sich, die neue Einzelausstellung von André Butzer in der Potsdamer Straße 77-86 in Berlin anzukündigen.

Der folgende Auszug stammt aus einem Gespräch zwischen André Butzer und Christian Malycha, veröffentlich in der kommenden Publikation André Butzer: Farben, früchte, bilder, Genf: JRP|Editions, 2026, S. 237–245.

CM: Ist das Pop, was Du machst? Expressionismus? Matisse und Warhol?

AB: Ich befinde mich nach dem langen Ende der Pop Art. Das Ready-made ist zerstört. 2000 Jahre Malereigeschichte setzen sich fort. Das Bildnis der Frau dauert an.

CM: Was ist mit Cartoon und Comic, Ready-made und Serialität? Das ist doch eigentlich die Abwesenheit des Bildes.

AB: Bilder handeln oder besser zeugen von Anwesenheit. Sie sind die unverstellte Nähe zur Wahrheit. Also das entgegenwirkende Prinzip zur Reproduzierbarkeit.

CM: Überlieferung und Geschichte werden ausgelöscht, nirgends begegnen wir uns mehr und werden uns selbst immer fremder.

AB: Nichts wird ausgelöscht. Das Bild macht uns mit uns selbst erst bekannt, erinnert uns an unsere Herkunft und damit an unsere Zukunft. Es hat also nichts Gegenwärtiges.

[…] CM: Aber Deine Bilder sind immer schon bezüglich, welt-haltig. Da sind Empfindungen, Orte, Personen, die erscheinen, aufgerufen werden und das Bild ausmachen. Da ist ein spürbarer Bezug zum Sein als Anwesenheit. Dieser Bezug ist beständig da. Wie eine Summe Deiner Erfahrungen …

AB: Sein ist Bild.

CM: Bild ist Sein … Jedes Mal, wenn ich vor einem neuen Bild stehe, staune ich über die Einmaligkeit des unverstellten Anwesens. Wie unverwechselbar und aufrichtig jedes einzelne Bild gestimmt ist und Sanftheit, Freude, Zuneigung, Strenge oder Scheu ausdrückt.

AB: Das freut mich zu hören. Einmaligkeit gibt es nur in Relation zur Wiederholung. Erst in der Wiederholung erkennen wir die Einmaligkeit, das jedes Mal neu unterbrochene System, welches sich übergestülpt hat über das eigentliche Verlangen der Menschen nach dieser Einmaligkeit. Dieses Prinzip wird immer wieder an genau demselben Platz zerstört und damit in aller Milde der Schönheit geopfert.

[…] CM: Matisse fragte sich, wie „das Leben“ bei Qual und Pein, dem Unfrieden der Zeit und den Versuchungen des eigenen Schicksals „möglich bleiben“ kann. Du sprachst davon, dass Gemälde „Lokalisierungen von höchster Not und Hoffnung“ sind und gerade deshalb „dem Glück und der Hilfe, die wir benötigen, am nächsten“. Wie ist menschlicher Aufenthalt auf Erden möglich?

AB: Zu guter Letzt wird es keinen Aufenthalt mehr geben beziehungsweise es gibt ihn wahrscheinlich jetzt schon nicht mehr.

[…] CM: Eine Sache finde ich bei den Früchte-Bildern ganz erstaunlich. Die Früchte haben … Das ist das falsche Wort. Die Früchte werden teils begleitet von feinen blauen Lineaturen. Das ist aber weder Kontur noch farbiger Schatten. Das Blau nimmt die äußeren Grenze der Farbform auf und vollzieht sie nach. Als würde die Frucht vom Blau gehalten oder getragen werden, als trüge man sie im offenen Kelch der Handflächen. Bei Cézanne gibt es ein ähnliches Blau, aber als Schatten. Matisse konturiert seine Früchte. Mich erinnert das hingegen an Warhol. Mitte der 1970er beginnt er, die Konturen seiner Siebdrucke nachzuzeichnen, das jedoch gestisch. Die Linien stehen selbständig da und sind dennoch auf das Motiv bezogen. Womit wir wieder bei Matisse und Warhol angelangt wären…

Es ist wichtig, dass man versteht, wie in der Ausstellung die Themen miteinander verschränkt sind, also die Philosophen Hesiod / Heidegger, die Schilderung des (klein-)bäuerlichen Lebens im ›alten‹ Griechenland (= Werke und Tage), die Frauen mit den Früchten in ihrer ewigen Wiederkehr, das Matisse-hafte Ornamentale / Dekorative, das Gleichsetzen des Synthetischen der Denker mit dem Ganzheitlichen, Umfassenden der Frauen und der fundamentalen Häuslichkeit…bis hin zu Agrippa von Nettes-Heim, Nasaheim«.

(A. Butzer)