Die Galerie Barbara Thumm präsentiert die zweite Einzelausstellung des senegalesischen Künstlers El Hadji Sy (g. 1954, Dakar).
Im Zentrum der Ausstellung steht ein vielschichtiger Dialog zwischen aktuellen Arbeiten und einem Konvolut historischer Werke, die bis in das Jahr 1981 zurückreichen. Diese Gegenüberstellung eröffnet eine präzise Lesart von Sys‘ kontinuierlicher Auseinandersetzung mit Materialität, Körperlichkeit und performativen Strategien, die sein Œuvre seit den frühen Jahren prägen. Zugleich wird die radikale Eigenständigkeit seiner künstlerischen Praxis sichtbar, die sich konsequent außerhalb westlich geprägter Kanons entwickelte und bis heute wirkmächtig bleibt. Einzelne der präsentierten Arbeiten waren zuvor im Weltkulturen Museum zu sehen.
Parallel dazu ist El Hadji Sy in der Ausstellung Tirailleurs – Von Kanonenfutter zu Avantgarde im Haus der Kulturen der Welt vertreten (21. März – 14. Juni 2026). Die Gruppenausstellung versammelt internationale künstlerische Positionen und untersucht die Geschichte kolonialer Truppen sowie deren anhaltende kulturelle und politische Resonanzen. Sys Beitrag positioniert sein Werk innerhalb gegenwärtiger dekolonialer Diskurse und unterstreicht dessen nachhaltige Relevanz im globalen kunsthistorischen Kontext.
El Hadji Sy zählt zu den zentralen Figuren der zeitgenössischen Kunst Westafrikas. Seit den 1970er Jahren entwickelt er eine Praxis, die Malerei, Performance und institutionelle Kritik miteinander verbindet. Als Künstler, Kurator und Aktivist war er maßgeblich an der Herausbildung unabhängiger Kunststrukturen im Senegal beteiligt und positionierte sich bewusst gegen die kulturpolitischen Vorgaben der sogenannten École de Dakar. Sein Werk ist geprägt von einem konsequenten Streben nach künstlerischer Autonomie sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit postkolonialen Machtverhältnissen.
Ein prägendes Moment seiner künstlerischen Entwicklung ist die bewusste Abkehr von tradierten Maltechniken. Über Jahre hinweg malte Sy mit den Füßen – eine radikale Geste, die sowohl als Erweiterung seines künstlerischen Ausdrucks als auch als Widerstand gegen westlich geprägte Kunstbegriffe verstanden werden kann. Diese performative Dimension ist bis heute in seinem Werk präsent und bestimmt maßgeblich die Beziehung zwischen Körper, Material und Bildträger.
Im Zentrum seines Œuvres steht die Malerei, die er konsequent über ihre klassischen Grenzen hinaus erweitert. Seit den 1980er Jahren verwendet er häufig Jute-Reissäcke, industrielle Materialien oder recycelte Träger, die er mit Öl, Acryl, Teer oder Wachs bearbeitet. Die daraus entstehenden Arbeiten zeichnen sich durch eine rohe, haptische Qualität aus und verweisen zugleich auf globale Warenströme und ökonomische Zusammenhänge. Seine Bildsprache ist geprägt von gestischen Linien, fragmentierten Figuren und zeichenhaften Verdichtungen, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen.
















