Pension ABC thematisiert die Geschichte der Bel Étage der Galerie. Wir erfuhren von einem Nachbarn, dass Wolfgang Menge – ein legendärer Fernsehproduzent und Journalist in den fünfziger bis achtziger Jahren – diese Räume in den 1960er-Jahren für seine Eltern gekauft hatte. Menge verdiente sein erstes Geld und wollte sicherstellen, dass seine verarmten Eltern durch das Betreiben einer Pension in der Etage ein Einkommen haben – eine nach dem Zweiten Weltkrieg recht übliche Praxis.
West-Berlin war voll solcher Herbergen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die 1960er-Jahre waren viele herrschaftliche, bürgerliche Wohnungen vakant. Diese Leerstände waren zunächst die tragische Folge der Ermordung und Vertreibung unserer jüdischen Mitbürger:innen. Als West-Berlin später zu einer Insel innerhalb der DDR wurde, wollte kaum noch jemand in die Stadt investieren. Spätestens nach dem Bau der Mauer 1961 zogen dann noch mehr Berliner nach Westdeutschland. Infolgedessen wurden weitere dieser riesigen Wohnungen verfügbar und erschwinglich, und Menschen, die sie für wenig Geld kauften, eröffneten häufig Pensionen, um Händlern, Studierenden, Krankenschwestern und Reisenden aller Art eine Unterkunft zu bieten und sich selbst so ein Einkommen zu sichern.
Menge kam auf den Namen „Pension ABC“, um sicherzustellen, dass sie im Telefonbuch unter „A“ aufgeführt würde, wie er in seiner Biografie zitiert wird.
Es gibt das Motiv des Künstlers als Fremden in der Gesellschaft – immer unterwegs, niemals angekommen –, auf das einige der Werke in der Ausstellung Bezug nehmen. Eine Sehnsucht nach Ruhe und Heimkehr sowie eine gewisse Melancholie durchziehen die Arbeiten in Pension ABC. Gelebte Leben und hinterlassene Spuren prägen alte Gebäude im Allgemeinen. Viele Werke in der Ausstellung weisen auch auf diese Tatsache hin, vermögen dies jedoch, ohne in Nostalgie zu verfallen.
















