Shamiran Istifan (g. 1987) verhandelt in ihren installativen Werken soziale Systeme. Die Künstlerin arbeitet aus persönlichen Prägungen heraus und verwendet oft Bildwelten des Alltags oder Referenzen aus der Popkultur. Diese führt sie in neue, teils sakral konnotierte Bedeutungen über und verdichtet sie zu Konstellationen, die den Blick auf soziale und strukturelle Zusammenhänge verschieben.

Für die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus entstanden neue Arbeiten, die Shamiran Istifan aus Fragmenten von Erinnerung und Gegenwart entwickelt hat. Der Aargau wird dabei zum Resonanzraum: Die heute in Zürich lebende Künstlerin ist in Baden geboren. Sie wuchs in einer diasporischen Lebensrealität auf, die von der Minderheitenperspektive einer assyrischen Exilgemeinschaft gekennzeichnet war. Die ausgestellten Werke bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Privatem und Öffentlichkeit, Sichtbarem und Unsichtbarem, Bekanntem und Verborgenem. Objekte wie Pflastersteine oder Briefkästen treffen auf die Ästhetik der Kosmetikindustrie und Motive der TeenageKultur. In einer räumlichen Erzählung bildet sich so ein vielschichtiges Zusammenspiel von Bildern, Materialien und Symbolen, in dem unterschiedliche Lebenswelten parallel existieren.

An der Schwelle zwischen Realität und Imagination führt uns Shamiran Istifan in der Ausstellung durch verschiedene Ebenen– vom Untergrund mitten in unseren Alltag bis hin zu transzendenten Sphären. Auf poetische und zugleich präzise Weise lenken ihre Installationen den Blick auf jene Strukturen, die Wahrnehmung formen, und setzen der Komplexität des sozialen Zusammenlebens in der Schweiz zeitgenössische Denkmäler und Mahnmale.