Was haben ein klassizistisches Familienporträt und eine mythologische Darstellung der Venus aus der Biedermeierzeit gemeinsam? Sowohl das Bildnis der Caroline und des Viktor von Tomatis von Johann Baptist Lampi d. Ä. (1751 Romeno – 1830 Wien) als auch das Gemälde Die schlafende Venus vor dem Spiegel mit dem amor seines Sohnes Johann Baptist Lampi d. J. (1775 Trient – 1837 Wien) wurden übermalt. Die Ausstellung der Reihe Im blick versucht nachzuzeichnen, welche Bedeutungswandel diese tiefgreifenden Eingriffe in das Werk zweier Künstler zur Folge hatten.
Anhand kunsthistorischer und naturwissenschaftlicher Untersuchungen macht die Ausstellung die verborgenen Schichten der beiden Gemälde sichtbar und rekonstruiert ihre bewegte Entstehungs- und Restaurierungsgeschichte. Sie zeigt, wie Übermalungen nicht nur das äußere Erscheinungsbild eines Kunstwerks verändern, sondern auch dessen Aussage, Funktion und historische Wahrnehmung nachhaltig beeinflussen können.
Indem die Ausstellung Forschungsergebnisse mit den Werken selbst in einen anschaulichen Dialog bringt, eröffnet sie neue Perspektiven auf den künstlerischen Schaffensprozess und den Umgang mit historischem Kulturerbe. Im blick lädt dazu ein, die beiden Gemälde nicht als unveränderliche Meisterwerke zu betrachten, sondern als lebendige Zeugnisse ihrer Zeit, deren Bedeutung sich durch Eingriffe, Restaurierungen und Wiederentdeckungen immer wieder neu entfaltet.
















