Nach seiner gefeierten Einzelausstellung Nocturnal journey im Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen eröffnet der belgische Künstler Hans Op de Beeck nun seine neueste Einzelausstellung Curiosities, constellations and vanishing points in der Galerie Krinzinger, in der er eine zusammenhängende Sammlung neuer Skulpturen und einen Animationsfilm präsentiert. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: einer Wunderkammer und einem Raum in dem Op de Beecks neuester Animationsfilm, der vollständig auf schwarzweißen Aquarellgemälden basiert, gezeigt wird.

Der erste Teil der Ausstellung gleicht einer großen Wunderkammer, in der Bezüge zur Dichotomie von Kultur und Natur eklektisch und anachronistisch miteinander verwoben sind, wie es in alten Kuriositätenkabinetten Tradition war. Diese Werkgruppe enthält zahlreiche Verweise auf versteinerte Naturelemente, Tiere, Mystik, Planetarien, Astronomie, frühe Wissenschaft, mündliche Überlieferungen und Bildsprache sowie Anspielungen auf zeitgenössische digitale Bildgebung und Semantik. Darüber hinaus gelangte der Künstler durch eine Reflexion über menschliche Makroorganismen, wie beispielsweise die architektonischen Raster von Städten, auf seltsame Weise zu etwas, das wie abstrakte modernistische Kompositionen aussieht. Zum ersten Mal verwendet Op de Beeck in einigen seiner skulpturalen Arbeiten sowohl Text als auch kinetische Komponenten, wie beispielsweise Planetarien, die sich um ihre eigene Achse drehen, oder eine lebensgroße Krähe, die an Ort und Stelle fliegt. Die Werke im Bereich der „Wunderkammer” hinterfragen auf poetische Weise unsere Beziehung zur Unermesslichkeit des Universums sowie zur banalen Welt des Alltags. Sie spielen mit der klassischen, existentiellen Idee des Memento mori. Dennoch enthält dieser Teil der Ausstellung auch unbeschwerte, spielerische und humorvolle Elemente, in denen sich der Künstler die Freiheit nimmt, durch freie Assoziation unlogische und absurde Sprünge zu machen.

Der zweite Teil der Ausstellung ist ein Film mit dem Titel Vanishing point, der sich auf einen Punkt in der Bildebene einer perspektivischen Ansicht bezieht, an dem sich parallele Linien zu treffen scheinen. In der Entfernung eines Fluchtpunkts können wir keine dreidimensionale Tiefe mehr wahrnehmen. Op de Beeck verwendet den Begriff metaphorisch als einen Wendepunkt, an dem wir von Messbarkeit und Lesbarkeit ins Unbekannte, Unentschlüsselbare und Unverständliche übergehen, oder vom Konkreten zum Abstrakten, vom Mentalen zum Spirituellen. Der Film beginnt mit dem Bild eines kleinen Jungen, der friedlich auf dem Rücken liegt und die Augen geschlossen hat. Als Nächstes werden wir in fiktive Landschaften, Stillleben und Figuren versetzt, musikalisch begleitet von einer für den Film entstandenen Komposition des Musikers Sam Vloemans, gespielt vom Hermes Ensemble (B). Zusammen mit der Musik werden die Aquarelle zum Leben erweckt und schaffen eine mitreißende, ruhige Stimmung, die dazu einlädt, für einen Moment in einen Zustand des Loslassens zu versinken.

Vanishing bedeutet für sich genommen „plötzlich und vollständig verschwinden“ oder, in mathematischer Hinsicht, „zu Null werden“. Op de Beeck ist fasziniert von den Momenten, in denen wir als Menschen für einen kurzen Augenblick zu nichts oder niemandem werden, wenn wir unser sprachliches, logisches und rationales Verständnis der Welt loslassen und in einen Zustand der Selbstlosigkeit und Zeitlosigkeit gleiten.