Dominique White (geb. 1993) überführt die Räume der Kunsthalle Basel in eine Aufeinanderfolge aufgeladener Umgebungen. Wer sich durch All great powers collapse from the centre bewegt, erlebt ein Gefühl des Eintauchens. Es ist, als ob das Gewicht von Wasser sich über den Raum legen würde, als ginge man auf dem Meeresgrund, wo Orientierungspunkte sich verschieben und gewohnte Massstäbe sich auflösen. Was sich zeigt, sind nicht intakte Objekte, sondern Überreste, geborstene Körper und gebrochene Strukturen, von Korrosion geformt. Sie widersetzen sich einer klaren Zuordnung und fühlen sich an wie Zeugnisse eines Zusammenbruchs, der bereits eingesetzt hat.

Im Zentrum der Ausstellung steht das Motiv eines Schiffs. Nicht als einzelnes Fahrzeug, sondern als wandelbare und vielschichtige Form. Es steht für organisierte Macht, Ausbeutung, Bewegung und Grenzziehung. Es ist Kriegsschiff, Lastkahn, Flüchtlingsboot, Fischerboot, Luxusyacht und Weltraumrakete. Es ist eine Maschine, die sich fortwährend erneuert und stets neuen Regimen der Kontrolle anpasst.

Die Ausstellung entfaltet sich wie ein Schwellenraum, wie eine Untiefe. Eine Zone, an der Strömungen kollidieren und Oberflächen sich abschleifen. Hier treffen Meer und Land aufeinander, Gewalt und Flucht, das Erhabene und das Bedrohliche. In diesem Raum verlangsamt sich jegliche Bewegung, und gleichzeitig verliert, was bisher stabil schien, seinen Halt. Das Schiff, einst Garant für Schutz und Orientierung, versagt seinen Dienst. Mit dem Defekt ist es aber nicht getan; das ganze System verfällt ins Chaos. Der Hunger, der die Maschine einst antrieb, kehrt sich nach innen. Der Kollaps setzt im Zentrum an. Die Ausbeutungsmaschinerie frisst sich durch das eigene Innere. Der Laderaum, gebaut, um Leben zu verwalten und zu kontrollieren, wird zu eben jenem Ort, an dem das System verschlingt, was es über Wasser hält.

Whites Skulpturen verkörpern diesen Kipppunkt. Sie tragen das Gewicht des Zusammenbruchs, ohne dass es zu einer (Auf-)Lösung kommt. Ihre Gegenwart ist dicht und unentschieden. Eisen, Seile, Stoffe und andere Materialien sind Teil eines fortdauernden Prozesses. Oberflächen oxidieren, Bruchstücke halten der Spannung stand. Die Skulpturen verweigern sich einem Endpunkt, stattdessen sammeln sie Spuren. Was übrig bleibt, offenbart sich in den Rissen, in denen sich die Anstrengungen der Widerständigkeit zeigen.