Das Einladungsbild zeigt das Foto meiner Taufe.
Ich habe in letzter Zeit öfters über meine katholische Sozialisation nachgedacht. Und wie eigenartig ich es finde, dass sie mir im Moment hilft, die politische Lage und die gefühlte Auflösung der aktuellen Gesellschaftsordnung besser zu sortieren.
Der Begriff „Katechon” stammt aus der politischen Theologie Carl Schmitts und wird seit einigen Jahren insbesondere in den Großraumtheorien nationalistischer und libertärer Kreise diskutiert. Er bezeichnet ein spezifisches politisches Prinzip oder Geschichtsbild, das vom 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher ausgeht, um eine politische Figur zu entwerfen, die die drohende Apokalypse aufhält. Schmitt ist ähnlich wie ich im katholischen Kleinbürgertum sozialisiert.
In den letzten Jahren bin ich vermehrt als Nebendarsteller im Theater, Film und Fernsehen aufgetreten. Für mich ist das eine interessante Erfahrung, da ich durch Einfühlung in die Rolle meinen Emphatiemuskel trainieren kann. Um dieses Training weiter auszubauen, habe ich angefangen, mit meinem Körpergedächtnis zu arbeiten. Im Schauspiel wird damit die Fähigkeit gemeint, körperliche Erfahrungen, Bewegungsmuster oder emotionale Zustände über den Körper abzurufen, ohne sie rational „denken“ zu müssen.
Für die Produktion der Ausstellung habe ich versucht, mein Körpergedächtnis zu aktivieren, um mich einer spezifischen Form von Männlichkeit zu nähern, die derzeit in rechtspopulistischen Bewegungen weltweit an Einfluss gewinnt und die ich in direkten Bezug zur Figur des Katechon sehe.
Diese temporäre Verkörperung war der Anlass, um Bilder zum aktuellen und historischen apokalyptischen Denken zu finden. Der Feind ist meine eigene Frage als Gestalt.
(Text von Alex Wissel)














