Der in der Gruppenausstellung Rhythm and soul vertretene Künstler OBastardo präsentiert zeitgleich im Salon 69 seine erste Einzelausstellung in Europa, Rhythm and soul. Seine Werke zeigen eine Gesellschaft im Spiegel ihrer eigenen Vielschichtigkeit: fragmentiert, rhythmisch, lebendig. Die Malerei von OBastardo zählt zu den prägnanten Stimmen der jungen afrobrasilianischen Generation. Er verkörpert eine Kunst, die Sichtbarkeit schafft, Körper als Träger von Geschichte begreift und eine Seele ausdrückt, die sich nicht zum Schweigen bringen lässt.
Rhythm and soul ist das Ergebnis seines Arbeitsaufenthalts im Residenzprogramm der Galerie Kornfeld, in dem der Künstler zwischen Oktober und Dezember 2025 tätig war. Die Ausstellung wird zudem durch Werke ergänzt, die er kürzlich in Brasilien produziert hat. Seine Porträts besitzen eine unmittelbare Kraft, die gleichermaßen ästhetisch wie politisch wirkt. In seinen Bildern begegnen uns Gesichter und Körper, die sowohl individuell als auch kollektiv erscheinen – Porträts einer Gesellschaft, in der Geschichte, Widerstand und Zukunft untrennbar miteinander verflochten sind. Seine symbolische Bildsprache schöpft aus den Tiefen der afrobrasilianischen Kultur. Farben, Muster und Gesten tragen eine doppelte Bedeutung: Sie stehen für persönliche Identität und zugleich als Chiffren kollektiver Erinnerung. Die Figuren richten ihren Blick selten direkt auf die Betrachtenden – sie existieren in einem Zwischenraum aus Stolz, Melancholie und spiritueller Kraft.
OBastardo entwickelt eine hybride Maltechnik, die gestische Malerei mit Elementen urbaner Bildsprache verbindet. Seine Werke basieren auf einer kraftvollen grafischen Struktur, geprägt von präzisen Linien, markanten Konturen und einer intensiven, rhythmischen Farbpalette, die an visuelle Codes der Straße, der Hip-Hop-Kultur und afro-diasporischer Ästhetiken anknüpft. Die Bildoberfläche entsteht in mehreren Schichten: Auf farbigen, häufig unregelmässig flächig angelegten Hintergründen baut der Künstler stilisierte Figuren, Symbole und wiederkehrende Muster auf. Zeichnerische Elemente bleiben sichtbar und verleihen den Arbeiten eine spontane, gestische Darstellung.
Während seines Aufenthalts in Berlin integrierte OBastardo neue Komponenten, die die inhaltlichen Ebenen seiner Arbeiten weiter betonen – etwa eine nuancierte Palette von Hauttönen, die die vielfältigen Verflechtungen der brasilianischen Gesellschaft reflektiert. Die dargestellten Personen werden bewusst anonymisiert und von ihrer realen Identität gelöst. Häufig erscheinen Symbole seines Orixá Oxalufan – verehrt als Schöpfer des Universums und der Menschheit. Er steht für Frieden, Schöpfung und Gleichgewicht und ist eng mit der Farbe Weiß verbunden. Diese Symbole treten oft als zentrales Element auf, das die gesamte Komposition durchdringt und beschützt.
In seiner Malerei werden soziale Realitäten sichtbar, die in Brasilien oft marginalisiert oder übersehen werden: die Körper der Schwarzen Bevölkerung, die Energie der Favelas, die Spiritualität des Candomblé, die Würde jener, die sich täglich gegen Ungleichheit behaupten. OBastardo verwandelt diese Themen in eine visuelle Poesie, die zugleich Anklage und Feier ist – eine Hommage an Überleben, Schönheit und das Recht, gesehen zu werden.
(Text von Tereza de Arruda)
















