Die Kabinettausstellung bringt Werke von Dorothy Iannone (1933–2022) und Alejandra Pombo Su (geboren 1979) zusammen. Im Zentrum steht Iannones Zeichnungs- und Textserie The Berlin beauties (1977–78) aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts, die hier erstmals vollständig präsentiert wird. Ergänzt wird sie durch eine neue zeichnerische Arbeit und eine eigens für die Ausstellung entwickelte Performance von Alejandra Pombo Su.

Berlin beauties“, das gezeichnete Liebesgedicht

Dorothy Iannone schuf die Tuschezeichnungsserie The Berlin beauties (Die schönheiten von Berlin) kurz nach ihrer Übersiedlung aus den USA nach West-Berlin, wo sie sich 1976 nach einer Künstler*innenresidenz dauerhaft niederließ. In der 70-teiligen Serie verbindet sie intime Zeichnungen und lyrische Texte zu einer Erkundung der alltäglichen, spirituellen und intellektuellen Dimensionen von Liebe, Begehren und sexuellen Bindungen und entwirft dabei ein autonomes weibliches Sprechen.

Die auf Holz montierten Papierarbeiten wurden 1978 als Künstler:innenbuch veröffentlicht und gelangten bereits 1988 durch das Künstler:innen-Förderprogramm und im Rahmen der Sammeltätigkeit des Landes Berlin in das Kupferstichkabinett. Dies ist ihre erste öffentliche Präsentation im Museum. Damit rückt ein Werk in den Blick, das weibliche Selbstbestimmung und sexuelle Freiheit ins Zentrum stellt.

Iannone bezog sich in ihrem Schaffen immer wieder auf ihre Herkunft aus den USA und stellte Prüderie, Scheinheiligkeit und gesellschaftliche Konventionen konsequent infrage. So nimmt sie auf einem Siebdruckplakat für ihre Ausstellung 1977 in der Westberliner Studiogalerie auf die New Yorker Freiheitsstatue Bezug – offiziell „Die Freiheit erleuchtet die Welt“ (1886) – und erweitert damit das traditionelle Symbol demokratischer Ideale um die Frage, wem dieses Freiheitsversprechen eigentlich gilt.

Alejandra Pombo Su: ein jahr der hingabe

Die galizische Künstlerin Alejandra Pombo Su bewegt sich in ihrer Praxis zwischen Performance, Poesie, Video, Skulptur und Zeichnung. Ebenso wie Dorothy Iannone fünf Jahrzehnte zuvor ist sie aktuell Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Während ihres einjährigen Berlin-Aufenthalts setzt sie sich mit Iannones Vermächtnis auseinander und erweitert dieses durch ihr Interesse am Verhältnis von Mensch und Tier.

In ihrer neuen Arbeit „Ein Jahr der Hingabe“ verweben sich menschliche und tierische Lebensformen zu fließenden Konstellationen aus Körpern, Umwelt und Stoffen; in die Wasserfarbschichten der Zeichnungen eingelagerte Materialien wie Schmetterlingsflügel, Blütenblätter, Strasssteine oder Nagellack schreiben sich in diese Verflechtungen ein. So entsteht ein offenes Gefüge aus mehreren Zeichnungen, Schrift und Material, das zum Weiterdenken, Verbinden und Neuordnen einlädt.

Über generationen hinweg

Ein Interesse an Körperlichkeit, an Formen der Verbundenheit und an der Stärke, die in der Verletzlichkeit liegt, verbindet beide Künstlerinnen über Generationen hinweg. Ebenso eint sie eine künstlerische Praxis, die sich nicht auf ein einzelnes Medium beschränkt, die Zeichnung aber als ein zentrales Mittel nutzt, um festgefahrene Denkweisen in neue Perspektiven zu verwandeln.

Zeichnung und performance

Am 4. Juli 2026 präsentiert Alejandra Pombo Su im Cranach-Saal der Gemäldegalerie die eigens für die Ausstellung entwickelte, ortsspezifische Voice-Performance Under honey. Erstmals erweitert sie dabei ihre Solo-Performance um die Zusammenarbeit mit einem Berliner Frauenchor, dem Feature Chor Berlin. Die Arbeit erkundet die Stimme als Vibration, die sich von ihrem körperlichen Ursprung löst und mit einem offenen, nicht-körperlichen Raum verbindet. Es entstehen intensive Klangräume, die in Resonanz mit dem Museum, den Kunstwerken und den Anwesenden treten.