Die präzise gemalten Landschaftsbilder von Heike Negenborn offenbaren auf den zweiten Blick eine verblüffende Vielschichtigkeit. Es sind keine realistischen Abbilder, sondern Konstruktionen von Wirklichkeit. Die Künstlerin kombiniert die Anschauung selbst erlebter Landschaften mit Himmeln aus ihrem eigens angelegten Wolkenarchiv oder, wie in der Reihe „Korrespondenzen“, mit Himmeln aus der Kunstgeschichte. Unter dem Titel Landschaft in bewegung stellt die Galerie Poll das dritte Mal Gemälde und Grafik einer der profiliertesten Landschaftskünstlerinnen der Gegenwart aus. Heike Negenborns Panoramen mit tief liegenden Horizonten und teils dramatischen Wolkenformationen erinnern bewusst an niederländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts, werden jedoch auf der Grundlage von Naturstudien neu inszeniert.

Die Künstlerin reflektiert in ihren Arbeiten die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Ihr Augenmerk gilt vor allem der zunehmenden Vereinnahmung der analogen Wirklichkeit durch das digitale Bild und den daraus resultierenden Wandel der Wahrnehmung. Grundlage von Heike Negenborns Arbeiten sind Landschaftsstudien in Deutschland, Frankreich, Spanien und weiteren Ländern. Inspirieren lässt sie sich von einem Blick in die Kunstgeschichte.

Heike Negenborn nähert sich der Landschaft auf besondere Weise: Sie vermisst Bäume, Felder und Berge und überträgt die Daten in perspektivisch angelegte Bildräume. Aus Fotografien und Zeichnungen entwickelt sie neue Ansichten und schärft ihre Kompositionen digital. Natur erscheint dabei nicht als bloßes Abbild, sondern als bewusst gestalteter Raum aus Linien, Maßstäben und Perspektiven. Auf dieser Grundlage malt sie ihre Werke in Acryl auf Leinwand oder Holz. Zeichnungen und Druckgrafiken begleiten den Entstehungsprozess.

Im Laufe der Jahre hat sich Heike Negenborn verschiedene künstlerische Herangehensweisen an die Landschaft erarbeitet, die ihren Ausdruck in den fortlaufenden Werkserien Terra cognita – Landschaft im wandel (seit 2021), Berge und felsen (seit 2022), Netscapes – Landschaft im wandel (seit 2014), Korrespondenzen (seit 2024) oder Wolkenstücke (seit 2026) finden.

Die Überblicksausstellung Blickfelder – Landschaft als denkraum in der Städtischen Galerie Speyer hat 2025 mit Arbeiten aus über zwei Jahrzehnten Konsequenz und Komplexität von Heike Negenborns Landschaftserkundungen vor Augen geführt. Im Fokus der Ausstellung in der Galerie Poll stehen nun Gemälde und Grafiken, die in den vergangenen vier Jahren entstanden sind.