Schach ist seit langem eines der beliebtesten Spiele der Welt. Das Schachbrett, mit seinen 64 Feldern und 32 Figuren bietet unendliche Möglichkeiten, Partien zu bestreiten und oft entscheidet ein einziger Zug über Sieg und Niederlage. Auf die eigenen Stärken zu spielen und die Schwächen der Fehler auszunutzen, dabei alle Figuren im Blick zu behalten und die Züge des Gegners vorauszuahnen, beim Schach gilt es vieles zu beachten. Doch wer sich der Herausforderung stellt, wird belohnt: mit jedem Spiel steigt das Verständnis für Eröffnungszüge, Mittelspiel-Strategien und Endspiele, bald schon lassen sich Züge des Gegners erahnen und entsprechende Vorkehrungen treffen.
Kinder, die früh mit dem Schachspiel beginnen, erhalten zwar einen lebenslangen Vorteil, aber sich mit dem Schachspiel zu beschäftigen, lohnt sich in jedem Alter. Fokus und Konzentrationsfähigkeit erhöhen sich, das analytische Denken wird geschult und, fast nebensächlich, ist Schach auch noch ein unterhaltsamer Zeitvertreib, welcher sich in den vergangenen Jahren eines regelrechten Booms erfreut.
Regeln und Herkunft
Der Ursprung des Schachspiels wird im 6. Jahrhundert in der indischen Region vermutet, von wo es sich stetig ausbreitete und Europa zwischen dem 9. und dem 11. Jahrhundert erreichte. Die Regeln und Figuren unterlagen dabei ebenso einem steten Wandel, bis sich das heute bekannte Format etablieren konnte. Jeder Spieler verfügt über acht Bauern, einen König, die sogenannten Schwerfiguren der Dame und der beiden Türme, sowie die Leichtfiguren, also die beiden Springer und die beiden Läufer.
Ein beliebter Anfängerfehler ist das falsche Aufstellen des Schachbretts, daher ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass jeder Spieler unten rechts ein weißes Feld haben muss, nur dann ist die Positionierung richtig. Während jede Figur ein eigenes Bewegungsmuster aufweist, dürfen die Spieler abwechselnd nur eine Figur bewegen, eine Ausnahme ist die Rochade, hierbei zieht der König zwei Felder, statt wie sonst nur eines und der Turm nimmt seine Stellung auf jenem Feld ein, welches der König überquert hat.
Während das Aufstellen des Spielbretts und die Bewegungen der Figuren schnell erlernt sind, liegt die eigentliche Faszination in den teils über Jahrzehnte entwickelten Strategien der Eröffnungen, des Mittelspiels und des Endspiels. Zahllose Datenbanken erlauben tiefe Einblicke in die Theorie hinter scheinbar harmlosen Bauernzügen, der Aktivierung der Dame und dem perfekten Zeitpunkt für eine Rochade. Über YouTube und andere Plattformen teilen Schachlehrer und professionelle Spieler ihr Wissen und erleichtern den Einstieg ins Schachspiel.
Zeitkontrolle
Während bei Freundschaftsspielen die Zeit pro Zug eine untergeordnete Rolle spielt, sind die Turnierspiele streng geregelt, was die Zeitkontrolle angeht. Unterschieden werden drei Oberkategorien: Klassisches Schach (Classical im Englischen), Schnellschach (Rapid) und Blitzschach (Blitz), hinzu kommt das im Turnierkontext weniger bedeutende Bullet-Chess, bei welchem die Spieler lediglich eine Minute haben, um ihren Gegner schachmatt zu setzen, oder aber auf Zeit zu gewinnen. Denn nicht jedes Spiel endet mit einem klassischen Schachmatt, gerade der Sieg auf Zeit passiert schneller, als man denkt, selbst auf höchstem Level wird den Spielern manchmal ihr eigenes Zeitmanagement zum Verhängnis und sorgt so für eine Niederlage.
Auch bei der Zeitkontrolle tat sich in letzter Zeit einiges. Zeitformate wie das 30-sekündige Hyper-Bullet sind nicht nur unterhaltsam anzusehen, sondern fordern von den Spielern auch absolute Konzentration und sprechen für eine deutliche Verjüngung des Schachsports.
Wachsende Popularität: Die lokale Strahlkraft der Weltmeister
Indien hat mehr Schachgroßmeister als beinahe jede andere Nation, und dies nicht ohne Grund. Der ehemalige Weltmeister Viswanathan Anand hat dem Schach in Indien mit seinen Siegen einen riesigen Dienst erwiesen und kann im großen Stil als Förderer und Wegbereiter des indischen Schachs gesehen werden. Seine Erfolge führten zu einer höheren Popularität des indischen Schachs, zu mehr Sponsoring-Möglichkeiten für Spieler und Interessierte sowie zur Gründung von örtlichen Schachverbänden und -akademien. Zudem genießt Schach inzwischen als Aktivität ein hohes Ansehen und junge Spieler werden besonders gefördert. Eine ähnliche Strahlkraft besitzt Magnus Carlsen in Norwegen und auch Bobby Fischer besaß sie einst für die USA.
Es gibt zahlreiche Länder, welche eng mit dem Schach verbunden sind und ihre Förderer vor Ort hatten. Gerade für Deutschland gibt es im Moment guten Grund, auch auf einen Schach-Boom vor Ort zu hoffen: neben den Svane-Brüdern und Matthias Blübaum hat sich, fast unbemerkt, mit Vincent Keymer ein deutsches Schach-Wunderkind schon bis fast an die Spitze der Weltrangliste gekämpft und lässt darauf hoffen, dass auch hier vor Ort Schach bald wieder eine höhere Popularität genießt.
Wichtige Turniere und FIDE
Der Titel „Großmeister“ mag im Schach-Kontext vielen noch ein Begriff sein, aber wie sieht es mit „Internationalem Meister“ oder gar „FIDE Meister“ aus? Hinter den Titeln, welche herausragenden Schachspielern verliehen werden, verbirgt sich die FIDE, die Fédération Internationale des Échecs, oder auch der Internationale Schachverband. FIDE richtet nicht nur die Weltmeisterschaften und andere bedeutende internationale Turniere aus, sondern ist auch die größte und renommierteste Schachorganisation. Bereits 1924 wurde FIDE in Paris gegründet, unter dem Motto „Gens una Sumus“, was „Wir sind eine Familie“ bedeutet. Mit 201 Mitgliedländern betont FIDE vor allem die Globalität des Schachspiels und geht, laut eigenen Schätzungen, von 60 Millionen gespielten Schach-Partien pro Tag aus.
Popularität auf Social Media
Schach als Alternative zum Doom-Scrolling? Hierfür wirbt zumindest der bekannteste Schach-YouTuber, Levy Rozman alias GothamChess und begeistert seit Jahren die junge Generation im Internet für das vermeintlich verstaubte Brettspiel. Schach ist inzwischen längst ein junger Sport und wird zunehmend jünger, auch bei den gediegenen FIDE-Turnieren sieht man inzwischen nicht selten Zwölfjährige, die sich mit den ganz Großen des Schachsports messen wollen. Eine positive Entwicklung der letzten Jahre, welche jetzt schon einen Blick auf Spieler erlaubt, die sich vermutlich in zwanzig Jahren im Kampf um die Weltmeisterschaft gegenüberstehen werden.
Auch der Sieg des jüngsten Schachweltmeisters aller Zeiten, Gukesh Dommaraju, zeigt auf, wie populär Schach in der jungen Generation ist, und wie diese, dank modernster Hilfsmittel und Trainings, es langsam aber sicher unbequem für die ältere Generation werden lassen. Zudem lassen sich Skandale, Freudentränen und langjährige Feindschaften hervorragend auf Social Media aufarbeiten und sorgen für massenhaft Klicks und Engagement.
Schach als E-Sport
Eine weitere wichtige Entwicklung ist die Entwicklung des Schachs vom Brettspiel hin zum E-Sport, also zum online am Computer ausgetragenen Spiel. Pandemiebedingt fanden vor wenigen Jahren die Turniere online statt und erlaubten Einblicke in das Zuhause der besten Spieler der Welt. Nach Ende der Pandemie kehrte Schach jedoch nicht ausschließlich in die Turnierhallen der Welt zurück, vielmehr etablierten sich dauerhaft Online-Formate, bei welchen sich die Spieler live streamten und sich somit ein derart großes Live-Publikum erarbeiteten, wie man es sonst nur bei den Weltmeisterschaften kannte. 2025 wurde Schach erstmal offiziell zum E-Sports World Cup zugelassen, es lässt sich also durchaus von einer erfolgreichen Etablierung des Schachspiels sprechen.
Mit nur 16 Teilnehmern bei der ersten Austragung ist jedoch noch durchaus Luft nach oben. Dass sich Schach einmal als E-Sport präsentieren würde, damit hätten wohl die wenigsten gerechnet, aber die digitale Zukunft des Sports scheint zunächst gesichert. Erster Gewinner der E-Sport-Weltmeisterschaft im Schach war übrigens, wenig überraschend, Magnus Carlsen, welcher seiner jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte somit einen weiteren bedeutenden Sieg hinzufügen konnte.
Fazit
Es gibt viele Gründe, das Schachspiel (wieder) zu entdecken, ganz gleich ob online oder als Brettspiel. Die positiven Lerneffekte und die Entwicklung eigener Strategien und Herangehensweisen sorgen dafür, dass es den Spielern auch Jahrhunderte nach der Erfindung des Schachs niemals langweilig werden wird. Neben dem Spiel selbst tragen auch das dynamische Umfeld, die Spieler und ihre Skandale sowie neue Ausrichtungen zur anhaltenden Popularität bei. Plattformen wie chess.com oder Lichess erlauben einen schnellen Einstieg ins Online-Schach und erlauben es jedem, sich mit Spielern auf der ganzen Welt zu messen.















