Der 1955 erstmals eingeführte Begriff „künstliche Intelligenz“ (KI) bezeichnet heute Algorithmen und Modelle, die in der Lage sind, Vorgänge wie Erkennung, Identifikation, Klassifizierung, Generierung, Vorhersage und Entscheidungsfindung automatisch durchzuführen und für unzählige Anwendungen eingesetzt werden. Seit Beginn der 2010er-Jahre haben diese Technologien begonnen, in alle Ebenen von Kultur und Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und militärischen Operationen einzudringen. Überall werfen sie zahlreiche ethische, erkenntnistheoretische und politische Fragen auf und verbrauchen zugleich enorme Mengen an natürlichen Ressourcen und Energie.

In diesem allgemeinen Kontext können künstlerische Praktiken eine entscheidende Rolle spielen. Indem sie mit Bildern und Klängen, Texten und Stimmen arbeiten, verleihen sie einer Sphäre eine sinnliche Präsenz, die ansonsten von abstrakten Vorgängen, unsichtbaren Prozessen und Black Boxes dominiert wird. Durch kritische Ansätze hinterfragen Kunstwerke das Eigentum von Unternehmen an den derzeit vorherrschenden KI-Modellen und deren extraktive Logik und zeigen zugleich, dass andere Formen der Konzeption und Gestaltung von KI möglich sind. The world through AI präsentiert eine Auswahl von Werken aus den vergangenen zehn Jahren bis in die Gegenwart, von denen mehrere eigens für diese Ausstellung geschaffen wurden. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, was es bedeutet, die Welt „durch KI“ zu erleben: Was bedeutet es, wahrzunehmen, sich etwas vorzustellen, zu wissen, sich zu erinnern, zu arbeiten und zu handeln in einer Welt, die zunehmend von KI-Technologien durchdrungen wird und den „Menschen“ innerhalb einer weitläufigen Infrastruktur von Algorithmen neu positioniert?

Die Ausstellung erstreckt sich über beide Ausstellungsräume der Schirn Kunsthalle Frankfurt (Halle 1 und Halle 2) und entfaltet sich entlang thematischer Räume, die eine Reihe von Koordinaten bieten, um sich in dieser sich rasant verändernden Gegenwart zu orientieren. Mehrere „Zeitkapseln“ mit Materialien aus Frankfurter und Mainzer Archiven und Museen – einige davon mit Bezug zur Geschichte der Druckerei Dondorf und der Familie Dondorf – stellen Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit her und verorten diese aktuellen Veränderungen dadurch in einer historischen Perspektive.